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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Budapest

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Budapest (Industrie und Handel, Verkehrsmittel).

stadt mit 64,083 Einw. Auf 107 Frauen kamen 100 Männer. Der Religion nach zählte man 242,981 Katholiken, 20,040 Lutheraner, 22,214 Reformierte, 1267 unierte und 1864 nichtunierte Griechen und 70,879 Juden. B. ist ungemein rasch gewachsen, 1813 hatte es erst 36,153, 1833: 63,148, 1857: 116,683 und 1869: 270,476 Einw. In betreff der Konfessionen hat sich verhältnismäßig die Zahl der Juden und der Reformierten, dann die der Lutheraner am meisten vermehrt. Am 1. Jan. 1882 betrug die Bevölkerung von B. nach einer Zählung des statistischen Büreaus 384,996 und 1. Jan. 1883 bereits 401,360 Seelen. Welche Bedeutung die Stadt für die Aufbringung der erforderlichen Staatseinnahmen hat, ergibt sich daraus, daß an direkten Staatssteuern auf einen Bewohner in B. nicht weniger als 20,6 Guld. und überdies 6,8 Guld. an Kommunalsteuer entfallen.

In Bezug auf Industrie und Handel nimmt B. in Ungarn den ersten Rang ein. Die hauptsächlichsten industriezweige sind: der Maschinenbau mit 35 Fabriken, von denen die meisten landwirtschaftliche Maschinen, Apparate und Gerätschaften erzeugen (darunter die Eisengießerei und Maschinenfabrik der Aktiengesellschaft Ganz u. Komp. mit 2500 Arbeitern, welche insbesondere Hartgußräder für Eisenbahnen herstellt; die Maschinen- und Waggonfabrik der königlich ungarischen Staatsbahnen mit ca. 950 Arbeitern, die Schacksche Eisengießerei mit 170 Arbeitern); der sehr fortgeschrittene Wagenbau; der Schiffbau, vertreten durch die 1840 gegründete Schiffswerfte der Donaudampfschiffahrtsgesellschaft zu Altofen, welche über 2000 Arbeiter beschäftigt und auch Dampfmaschinen und Kessel baut; die Verfertigung von Feuerspritzen und Feuerwehrutensilien (Fabrik Walser mit 120 Arbeitern), Wagen, Gold- und Juwelierarbeiten, Waffen, Messerschmiedewaren, Kochgeschirren aus Stahl für die Armee und die Hónveds, Drahtflecht- und Siebwaren, Musikinstrumenten und wissenschaftlichen Apparaten; die Fabrikation von Glas, Porzellan und Majolika, ferner von chemischen Produkten, als Chlorkalk, Arzneimaterialien, Farbewaren (namentlich schönem Zinnober), Sodawasser etc., dann von Sprengmaterialien; die Erzeugung von Steazinkerzen und Seifen, Paraffinfett, Öl, Spodium und Knochenmehl, Ziegeln, Kalk und Zement, Zündwaren, Weizenstärke (zum Teil mit Export nach Amerika); die Mühlenindustrie, welche 11 große Dampfmühlen mit mehr als 3100 Arbeitern beschäftigt und jährlich im Durchschnitt gegen 3 Mill. metr. Ztr. Mehl liefert; die Fabrikation von Spiritus, Preßhefe, Likör und Rum (14 Fabriken mit 300 Arbeitern), Bier (2 große Brauereien in Steinbruch, die Drehersche und die Erste ungarische Aktienbrauerei mit sehr ausgedehnten, in Felsen gehauenen Kellern; beide beschäftigen 500 Arbeiter und liefern jährlich 660,000 hl), von Schokolade und Kaffeesurrogaten; die Tabakserzeugung (2 königliche Fabriken mit 2000 Arbeitern meist weiblichen Geschlechts und einer Jahresproduktion von 100 Mill. Stück Zigarren nebst 60,000 kg Schnupf- und 3,850,000 kg Rauchtabak); ein großes Etablissement für Wollwäscherei, wo 1882 gegen 100,000 metr. Ztr. Schafwolle fabrikmäßig gewaschen wurden; die Blaufärberei und Kattundruckerei (3 sehr bedeutende Fabriken); die Erzeugung von Matratzen und Bettdecken, Schnur-, Knopf- und Posamentierwaren, Mode- und Wäschartikeln, Damenmiedern, Kleiden, Kunstblumen und Schmuckfedern, Hutmacher- und Schuhwaren, Handschulen; die Möbel-, Parkett- und Jalousienfabrikation, die Ledererzeugung, Verfertigung von Täschner- und Riemerwaren, Peitschen, Ledergalanteriewaren, Kautschukdecken, Korbwaren, Meerschaumpfeifen und Spielkarten. Große Unternehmungen bestehen ferner für Typographie (Athenäum, die Pester Buchdruckerei-Aktien- und die Franklin-Gesellschaft, die königliche Universitäts- und die Staatsdruckerei) sowie für Rastrier-, Farbendruck- und Buchbinderarbeiten. Zur weitern Förderung der Industrie macht der Landesindustrieverein anerkennenswerte Bemühungen, indem derselbe Gewerbeschulen ins Leben ruft, Modellsammlungen anlegt, ein Gewerbemuseum und eine Fachbibliothek gründete und Vorträge, Gewerbeausstellungen und Prämiierungen veranstaltet. In B. bestehen 30 Aktiengesellschaften für Fabrik- und industrielle Zwecke mit einem Aktienkapital von 28,96 Mill. Guld., darunter 8 für Mühlen-, 6 für Bau-, 3 für Eisenindustrie, 3 typographische Institute und 9 für sonstige Industriezwecke. Buchdruckerei und Lithographie sind in B. durch 42 Buchdruckereien, 22 Schnellpressen und 25 lithographische Anstalten vertreten. Von größter Bedeutung ist der Budapester Handel, als dessen Hauptobjekte zu nennen sind: Getreide (hauptsächlich Weizen), wovon 1882: 5,286,975 metr. Ztr. nach B. zugeführt und 1,199,309 metr. Ztr. von dort versendet wurden, während der Rest zur Vermählung in der Stadt verblieb und dann als Mehl namentlich nach Triest und über das Meer exportiert wurde; der Mühlexport betrug 1882: 3,551,346 metr. Ztr.; Schafwolle, wovon vornehmlich Kammwolle ins Ausland, Tuch- und Zackelwolle nach Österreich (1882: 106,334 metr. Ztr.) verführt werden; Wein (hauptsächlich der an den Abhängen des Adlersbergs, Schwabenbergs etc. wachsende rote Ofener Wein); Spiritus, wovon etwa 60,000 hl (1882: 299,458 metr. Ztr.) nach dem Ausland, besonders auf den italienischen Markt und in die Donaufürstentümer, exportiert werden; Ölsaat und Kleesamen, besonders für den österreichisch-ungarischen Konsum; Hanf; Tabak zur Deckung der Monopolsbedürfnisse in Österreich-Ungarn, außerdem zum Export nach Bayern, Bremen, Hamburg, England, Preußen und Holland; Pflaumen aus Bosnien und Serbien; Honig und Wachs; Fettwaren (Schweinefett und Speck); Borstenvieh, wofür in ganz Ungarn der Ort Steinbruch der Zentralplatz ist (in den dortigen Borstenviehmastställen wurden 1882: 524,796 Stück Schweine im Wert von 28,202,250 Guld. aus Niederungen, Siebenbürgen, Serbien und Rumänien zugeführt und daselbst gemästet); rohe Häute und Felle; Knoppern aus Ungarn und Serbien; Bettfedern, die ausschließlich nach dem Ausland exportiert werden; Pottasche; Brenn- und Werkholz, insbesondere Binderholz und Faßdauben (jährlich 275,000 metr. Ztr.); Steinkohlen für den eignen Bedarf (1882: 4,236,331 metr. Ztr.); Manufakturwaren von Österreich, England, Elsaß etc. Die Gesamtzufuhr von Gütern mittels Eisenbahnen und Dampfschiffe betrug 1882: 20,498,034, die Versendung 10,403,738 metr. Ztr.

Die Eisenbahnen, welche in B. in 3 Bahnhöfen (2 in Pest, 1 in Ofen) ausmünden, sind: die Österreichisch-Ungarische Staatsbahn mit ihren Linien von Wien nach B. und von B. über Szegedin und Temesvár nach Bazias und Verciorova; die königlich ungarischen Staatsbahnen, deren Hauptlinien sich nördlich und östlich nach Ruttka, Kaschau, Debreczin und Predeal, südlich und westlich nach Petrozseny, Semlin, Brod, Fiume und Bruck abzweigen; die Südbahn mit den an das westliche Bahnnetz sich anschließenden Hauptlinien B.-Pragerhof und Nagy-Kanizsa-Wiener-Neustadt. In der Verlängerung der Kere-^[folgende Seite]