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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Budapest

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Budapest (Vereine, Theater etc.; Behörden).

ken, ein physiologisches Institut, anatomisches Kabinett, chemisches Justitut, ein botanischer Garten, ein Naturalien-, physikalisches und numismatisches Kabinett, eine Sammlung von Altertümern, Bibliothek von 210,000 Bänden nebst vielen Manuskripten (hauptsächlich Hungarica), Buchdruckerei (in Ösen) etc. Zu den Hochschulen gehört außerdem das Josephs-Polytechnikum, welches sich aus der 1846 eröffneten Gewerbeschule in Ofen entwickelte, 1856 zur Hochschule umgewandelt wurde, 1871 eine der Universität ähnliche Organisation erhielt, 1872 nach Pest übersiedelte und in drei Fakultäten: für technische Chemie, Baukunde und Maschinenbau, zerfällt (1882: 42 Lehrer und 444 Studierende); dann das Ludoviceum, welches 1802 errichtet und 1872 zu einer militärischen Hochschule für Offiziere der Hónvedarmee umgestaltet wurde. Andre Unterrichtsanstalten sind: 7 Gymnasien, darunter das königliche Universitätsobergymnasium (katholisch) in Ofen, 2 Staats- und ein Piaristengymnasium und ein evangelisch-reform. Obergymnasium in Pest, je eine Staatsoberrealschule in Ofen und Pest, eine städtische Oberreal- und Unterrealschule in Pest, eine 1857 vom Pester Handelsstand errichtete Handelsakademie, mehrere Handelsschulen, eine Landes-Musterzeichenschule mit einem Seminar für Zeichenlehrer (100 Schüler), das unter der Leitung Kratzmanns stehende Justitut für Glasmalerei, die Landes-Musikakademie unter der Leitung von F. Liszt, Militärschule für Hónveds,´ein Zentralseminar der römischen Katholiken, eine Präparandenschule für Lehrer und 2 solche für Lehrerinnen, endlich 147 Volksschulen (darunter 87 Gemeindeschulen) mit 731 Lehrern, 38,513 Schülern und 630 Lehrsälen. Bedeutend ist ferner die Zahl der wissenschaftlichen Institute und Gesellschaften. Dahin gehören vor allen das Nationalmuseum und die Akademie der Wissenschaften. Das Nationalmuseum, 1802 durch eine reiche Schenkung des Grafen Franz Széchényi begründet, seitdem durch bedeutende Stiftungen und Ankäufe erweitert und 1850 in einem neuen Gebäude untergebracht, umfaßt eine Bildergalerie (moderne Gemälde), eine 1869 auf Landeskosten gegründete ethnographische Sammlung, eine Naturaliensammlung mit zoologischer, mineralogischer und botanischer Abteilung, ein reichhaltiges Münz- und Antikenkabinett, eine Sammlung von Gipsabgüssen und eine Bibliothek von 200,000 Bänden nebst 30,000 Urkunden und Manuskripten. Die Akademie der Wissenschaften hatte anfänglich bloß die Ausbildung der ungarischen Sprache zum Zweck, wurde aber 1869 zu einer allgemeinen wissenschaftlichen Gesellschaft umgestaltet und zerfällt in drei Sektionen: für Philologie und Ästhetik, Philosophie, Sozialwissenschaften und Geschichte, Mathematik und Naturwissenschaften. Sie enthält in dent neuen Gebäude die Landes- (Esterházysche) Gemäldegalerie, welche 1871 vom Land um 12 Mill. Guld. angekauft wurde, bestehend aus ca. 800 meist sehr wertvollen alten Gemälden (7 Murillos) und einer schönen Sammlung alter Kupferstiche und Handzeichnungen (über 54,000 Blätter, darunter zahlreiche von Rembrandt und Dürer), ferner eine Bibliothek von über 100,000 Bänden. In dem neuen Künstlerhaus werden regelmäßig große Frühjahrs- und Herbstausstellungen veranstaltet. Zu den wissenschaftlichen Gesellschaften gehören außerdem: die 1830 gegründete Kisfaludy-Gesellschaft, deren Aufgabe die Pflege der Belletristik und Ästhetik sowie die Veredelung des künstlerischen Geschmacks auf dem Gebiet der Poesie ist; der St. Stephans-Verein, 1847 zur Herausgabe katholischer wissenschaftlicher und populärer Werke gestiftet; die Ungarische Historische Gesellschaft (von 1868); die Gesellschaft der Ärzte (von 1841); die Gesellschaft der Naturforscher; die Geologische Gesellschaft mit dem geologischen Institut; die Geographische Gesellschaft; das meteorologische Institut; der statistische Landesrat; das statistische Landesbüreau und das städtische statistische Büreau (ersteres von Karl Keleti, letzteres von Joseph Körösi geleitet und zu Musteranstalten erhoben); das Landesarchiv; die Gesellschaft für bildende Künste (1861 konstituiert); der Landesrat für bildende Künste (seit 1871); die Landeskommission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmäler. Die Journalistik entwickelt in B. eine rege Thätigkeit. Es erscheinen daselbst 215 Zeitschriften (189 ungarische, 26 deutsche), darunter 13 ungarische und 5 deutsche politische Tagesblätter. B. ist sehr reich an geselligen Vereinen und Klubs, unter welchen das Nationalkasino (vom Grafen Stephan Széchényi gegründet) mit dem Jockeyklub, die Klubs der Reichstagsabgeordneten, der Schriftsteller- und Künstlerklub, die Klubs der einzelnen Bezirke und das Militärkasino die hervorragendsten sind. Die Lloydgesellschaft besteht aus Mitgliedern der angesehenen Geschäftswelt. Die Freimaurer haben etwa 14 zum Großen Orient gehörige Logen, sowohl nach dem schottischen als auch nach dem symbolischen Ritus. Von Theatern bestehen: das königliche Opernhaus in der Andrássystraße, das ungarische Nationaltheater und das ungarische Volkstheater in der Kerepeser Straße, das Ofener ungarische Festungstheater, ein deutsches Theater in der Wollgasse sowie ein ungarisches und ein deutsches Sommertheater. In hoher Blüte steht in B. der Sport, vor allem in der Gestalt von Wettrennen, welche zweimal im Jahr auf dem neuen Wettrennplatz außerhalb der Kerepeser Straße abgehalten werden; außerdem in der Form von Jagden, welche im Umkreis der Hauptstadt stark kultiviert werden, namentlich Fuchsjagden auf den weiten Gefilden des Räkos, bei denen sich auch die Majestäten beteiligen; dann als Rudersport, welcher aus der Donau sehr im Schwange ist (fünf Rudervereine, jährlich eine große Regatta). Früher fanden jährlich mehrere Volksfeste statt, vor allen das Stephansfest (20. Aug.), an welchem Tag auch jetzt noch Tausende nach der Festung hinüberströmen, wo die angesehenste Nationalreliquie, die rechte Hand König Stephans des Heiligen (s. oben), in der Hauptpfarrkirche zur öffentlichen Verehrung ausgestellt wird.

Behörden etc.

B. ist Sitz des ungarischen Reichstags (Ober- und Unterhaus) und zahlreicher Behörden, so der königlich ungarischen Ministerien, des Staatsrechnungshofs der königlichen Kurie (oberster Gerichtshof), der königlichen Tafel, eines Handels- und Wechselgerichts, einer Oberstaatsanwaltschaft, zweier Gerichtshöfe erster Instanz, zweier Finanzdirektionen, einer Finanzprokuratur, eines Hauptzollamts, eines Oberpunzierungsamts, einer Lotteriedirektion, Berghauptmannschaft, Post- und Telegraphendirektion, einer Handels- und Gewerbekammer, der Komitatsbehörde, des ungarischen Landesgeneralkommandos, Hónvedoberkommandos, obersten Militärgerichtshofs und der übrigen Zentralbehörden für die Hónvedarmee, eines griechisch-orientalischen Bistums (serbischer Nationalität), eines Generalsuperintendenten und eines weltlichen Generalinspektors für die lutherische Konfession, eines Superintendenten für die reformierte Kirche, einer israelitischen Landeskanzlei, Zentralkommission für die orthodoxen Israeliten, endlich von 16 Konsulaten fremder Staaten