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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bull; Bullant; Bullarium; Bullati doctores; Bulldogge; Bulle

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Bull - Bulle.

halten. Diese Bulls sind eine treffliche Fundgrube für das englische Lustspiel und den Roman und in zahlreichen Sammlungen zusammengestellt. Vgl. Edgeworth, Essay on Irish bulls (Lond. 1803). - In der Börsensprache bedeutet B. auch s. v. w. Haussier. - John B. ("Hans Ochs"), die humoristische Personifikation des englischen Nationalcharakters, von Swift oder von John Arbuthnot ("History of John B.", 1704) zuerst gebraucht, in Karikaturen als stämmiger, vierschrötiger, stets zum Boxen fertiger Kerl dargestellt.

Bull, 1) John, engl. Musiker, geb. 1563 in Somersetshire, wurde als Singknabe der königlichen Kapelle ausgebildet, erhielt 1582 eine Organistenstelle in Hereford, 1592 den Doktorgrad zu Cambridge und Oxford, wurde 1596 Professor der Musik am Gresham College zu London und siedelte 1617 nach Antwerpen über, wo er Organist an der Kathedrale wurde und 12. März 1628 starb. B. war ein seiner Zeit berühmter Orgelspieler und tüchtiger Kontrapunktist; von seinen Kompositionen sind nur Schulstücke und Variationen für das Virginal, ein Anthem und einige Kanons erhalten. B. soll auch der Komponist des Liedes "God save the King" (s. d.) sein.

2) Ole Bornemann, Violinvirtuose, geb. 5. Febr. 1810 zu Bergen in Norwegen, verriet frühzeitig die größte Neigung zur Musik, namentlich zum Geigenspielen. Mit 18 Jahren bezog er dem Willen seines Vaters zufolge die Universität Christiania, um Theologie zu studieren, faßte jedoch hier bald den Entschluß, sich ganz der Kunst zu widmen, und ging 1829 nach Kassel, um sich unter Spohrs Leitung weiter auszubilden. Die kühle Aufnahme, die er bei diesem fand, machte ihn irre an sich, und noch einmal versuchte er es, der Musik zu entsagen, in welcher Absicht er nach Göttingen ging und das Studium der Rechte begann; aber auch jetzt gewann seine Liebe zur Musik bald die Oberhand, und die Bekanntschaft mit Paganini veranlaßte ihn, sich ihr aufs neue ausschließlich hinzugeben. In der Begleitung dieses Meisters 1831 nach Paris gelangt, mußte er anfangs einen harten Kampf mit dem Leben bestehen; denn nach kurzem Aufenthalt sah er seine sämtlichen Existenzmittel erschöpft und war, nachdem er auch noch durch einen Diebstahl seine Geige verloren hatte, im Begriff, seinem Leben durch einen Sprung in die Seine ein Ende zu machen, als sich eine Kunstfreundin, Namens Villeminot, seiner annahm und damit sein Geschick eine günstige Wendung erhielt. Im Frühling 1833 gelang es ihm endlich, ein Konzert zu veranstalten, in welchem er stürmischen Beifall erntete und zugleich eine gute Einnahme hatte. Mit Unterstützung versehen, durchzog er dann die Schweiz und Italien, besuchte 1835 die französischen Provinzialstädte, spielte 1836 in England, Schottland und Irland, überall mit außerordentlichem Beifall, und machte später in Begleitung des Violoncellisten Kellermann eine Reise nach Rußland. Im J. 1840 konzertierte er in Norddeutschland, zog sich dann auf zwei Jahre nach Norwegen auf sein Gut zu Walstrand auf der Insel Osterö zurück und ging 1844 nach Amerika, von wo er 1847, nachdem er vorher noch in Algier gewesen, nach Paris zurückkehrte. 1848 begab er sich noch einmal in seine Vaterstadt und gründete dort auf seine Kosten ein Nationaltheater. Nachdem er 1851 wieder in Hamburg und andern großen Städten Deutschlands konzertiert hatte, begab er sich Anfang 1855 abermals nach Amerika, wo er von neuem bedeutende Summen erwarb, die er aber durch unglückliche Ländereispekulationen wieder einbüßte. Er kehrte zwar 1857 nach Europa zurück, machte aber auch in der Folge noch wiederholte Konzertreisen in Amerika (zuletzt im Winter 1869-70 in Kalifornien). Noch wenige Jahre vor seinem Tod wußte er die Musikfreunde Deutschlands ungeachtet der inzwischen vorgegangenen Veränderung des Kunstgeschmacks durch seine Virtuosität zu fesseln, denn auch als Greis hatte er von seiner erstaunlichen Technik so gut wie nichts eingebüßt. Namentlich war seine Sicherheit im Flageolett und seine Fertigkeit in weiten Sprüngen, Doppelgriffen, Arpeggien, im Staccato und im mehrstimmigen Spiel außerordentlich, und die Gewandtheit, mit welcher er z. B. Oktavengänge, sogar chromatische, ausführte, bewundernswürdig. Dabei aber kann man ihn von dem Vorwurf einer gewissen Sucht nach bizarren Effekten nicht freisprechen; das Autodidaktische seines Spiels machte sich bei all seiner Begabung fühlbar. Dies gilt auch von Bulls Kompositionen, welche zwar in der Anlage den klassischen Mustern folgen, in der Ausführung jedoch lediglich auf die Persönlichkeit des Komponisten berechnet sind und infolgedessen keine weitere Verbreitung gefunden haben. B. starb 17. Aug. 1880 auf seiner Villa Lysoén bei Bergen.

Bullant (spr. bülang), Jean, franz. Architekt, wahrscheinlich zu Ecouen geboren, studierte in Rom und erhielt dann von dem Connetable von Montmorency den Auftrag, ein Schloß in Ecouen für ihn zu bauen. B. begründete dadurch seinen Ruf und wurde durch ein Dekret vom 25. Okt. 1557 zum Generalaufseher sämtlicher Bauten der französischen Krone ernannt. Nach dem Tod Heinrichs II. fiel er indessen in Ungnade, und erst 1570 wurde er zum Architekten der Königin Katharina und zum Aufseher ihrer Bauten ernannt, als welcher er die Tuilerien weiterführte und das Palais de la Reine (später Hôtel de Soissons genannt) baute. Er leitete die Arbeiten am Schloß zu Fontainebleau und die Ausführung der Königsgräber in St.-Denis. Auch am Schlosse St.-Maur, welches Katharina vergrößern ließ, war er thätig. Er starb 10. Okt. 1578. Sein Hauptwerk ist das Schloß von Ecouen, worin die Formen der italienischen Renaissance harmonisch mit den nationalen Anforderungen verbunden sind. B. nimmt darin eine zwischen der alten und neuen Zeit vermittelnde Stellung ein. Er schrieb: "Recueil d'horiogiographie, etc." (Par. 1561); "Petit traicté de géométrie" (das. 1562); "Reigle généralle d'architecture des cinq manières de colonnes - à l'example de l'antique suivant les reigles de Vitruve" (das. 1564 u. öfter), sein Hauptwerk auf schriftstellerischem Gebiet.

Bullarium (lat.), Bullensammlung (s. Bulle).

Bullati doctores oder magistri (Bullendoktoren, Bullenmagister), solche Graduierte, welche durch kein Universitätsdiplom, sondern durch einen Pfalzgrafenerlaß (bulla, "Siegel") zu ihrer Würde gelangt waren. Sie standen trotz der kaiserlichen Privilegien, auf denen ihre Ernennung beruhte, stets nur in geringem Ansehen.

Bulldogge (engl. Bull-dog), s. Hunde.

Bulle (deutsch Boll), Stadt im schweizer. Kanton Freiburg, in fruchtbarer Ebene (769 m ü. M.) am Eingang des Alpenlandes von Gruyère und mit Romont (Linie Freiburg-Lausanne) durch Eisenbahn verbunden, hat (1880) 2494 Einw., welche Handel mit Vieh, Käse und Holz treiben.

Bulle (mittellat. Bulla), eigentlich Metallabguß von Siegelstempeln (s. Siegel), die zur Bekräftigung von Staatsurkunden gebraucht wurden; dann die Kapsel, welche das einer Urkunde angehängte Siegel enthält; endlich die Urkunde selbst. Der Ausdruck