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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Burg; Burgas; Burgau; Burgauté; Burgbernheim; Burgding; Burgdorf; Bürge; Burgebrach; Bürgel

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Burg - Bürgel.

scheinlich wendischen Ursprungs, gehörte schon zu Anfang des 13. Jahrh. zum Erzbistum Magdeburg, kam 1635 durch den Prager Frieden an Kursachsen und von diesem 1687 an Brandenburg. Die Tuchmanufaktur blühte in B. bereits im 12. Jahrh.; seit 1688 trug die Einwanderung vertriebener Franzosen, Wallonen und Pfälzer viel zur Hebung der städtischen Industrie bei. Vgl. Wolter, Mitteilungen aus der Geschichte der Stadt B. (Burg 1881). - 2) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Lennep, an der Wupper, 91 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Eisengießerei, Maschinenfabrik, Stahlwalzwerk, Wollspinnerei und Deckenfabrik, Papier- und Maschinenfabrikation, Schleifereien und (1880) 1516 Einw. Dürftige Überreste des alten Schlosses, bis zum 13. Jahrh. Residenz der Grafen vom Berg. - 3) Stadt in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Oldenburg, Hauptort der Insel Fehmarn (s. d.), hat ein Amtsgericht, Pfarrkirche, Ackerbau und (1880) 2962 Ew. Schiffsverkehr 1887: 40,150 Registertons.

Burg, Adam, Freiherr von, Mathematiker und Technolog, geb. 28. Jan. 1797 zu Wien, erlernte die Tischlerei, arbeitete mehrere Jahre in der Werkstätte seines Vaters, besuchte 1810-13 die Akademie der bildenden Künste und seit 1815 den polytechnischen Kursus. 1820 ward er Assistent der Mathematik und 1827 Professor der Mathematik in Salzburg, 1828 Professor der höhern Mathematik am polytechnischen Institut zu Wien, wo er seit 1837 besonders Mechanik und Maschinenlehre dozierte. In den Jahren 1838-41 unternahm er Studienreisen durch Europa, 1844 ward er zum k. k. Regierungsrat ernannt, 1849 übernahm er die Direktion des polytechnischen Instituts; als aber diese Anstalt 1852 unter militärische Leitung gestellt wurde, trat er als Sektionsrat in das Handelsministerium. Seit 1856 war er Präsident und seit 1870 Ehrenpräsident des Niederösterreichischen Gewerbevereins, 1866 ward er in den Freiherrenstand erhoben und 1869 als lebenslängliches Mitglied in das Herrenhaus berufen. Schon früh hatte sich B. um die Begründung der Sonntagsvorlesungen über Gegenstände der Naturwissenschaft bemüht, und seit 1870 bekleidete er die Präsidentenstelle des Vereins zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien. Er starb 1. Febr. 1882. Die Stadt Wien verdankt ihm wesentliche Verbesserungen im Feuerlöschwesen, in der Wasserleitung und der Gasbeleuchtung; auch hat er große Verdienste um das Zustandekommen der Sicherheitsgesetze gegen die Gefahr von Dampfkesselexplosionen und um die Einführung des metrischen Maß- und Gewichtssystems. Er schrieb: "Anfangsgründe der analytischen Geometrie" (Wien 1824); "Handbuch der geradlinigen und sphärischen Trigonometrie" (das. 1826); "Auflösung algebraischer Gleichungen" (das. 1827); "Ausführliches Lehrbuch der höhern Mathematik mit besonderer Rücksicht auf die Zwecke des praktischen Lebens" (das. 1832-33, 3 Bde.); "Kompendium der höhern Mathematik" (3. Aufl., das. 1859); "Kompendium der populären Mechanik und Maschinenlehre" (3. Aufl., das. 1855; nebst Supplementband, 2. Aufl. 1863); "Lehrbuch der Maschinenlehre" (das. 1856).

Burgas, Stadt in Ostrumelien an der gleichnamigen Bai des Schwarzen Meers, mit Hafen (der einzig brauchbare zwischen Konstantinopel und der Donaumündung) und 5000 meist griechischen und bulgarischen Einwohnern, führt Getreide, Wolle, Talg, Butter, Käse und Rosenwasser aus und liefert den Töpfern Konstantinopels und Adrianopels die Thonerde zu den bekannten türkischen Pfeifenköpfen.

Burgau, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, Bezirksamt Günzburg, an der Mindel und der Augsburg-Ulmer Eisenbahn, hat ein ehedem stark befestigtes Schloß, eine schöne Kirche, eine Filiale des Franziskaner-Frauenklosters in Augsburg, ein Amtsgericht, eine mechanische Band-, Litzen- und Kordelfabrik, Wollwarenfabrikation und (1880) 2184 meist kath. Einwohner. Dabei ein mächtiges Torflager mit einer jährlichen Ausbeute im Wert von 6-700,000 Mk. B. war früher Hauptstadt der gleichnamigen Markgrafschaft, die 1208-1301 einer Seitenlinie der Grafen von Berg und Schelklingen gehörte, dann an Österreich fiel und 1805 bayrisch wurde. Vgl. v. Sartori, Geschichte von B. (Nürnb. 1788).

Burgauté (franz., spr. bürgote), japan. Lackarbeit mit eingelegten Ornamenten, Blumen, Landschaften aus verschiedenen farbigen Perlmutterstückchen.

Burgbernheim, Marktflecken im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken, Bezirksamt Windsheim, an der Treuchtlingen-Würzburger Eisenbahn (392 m ü. M.), hat ein Schloß, Hopfenbau und (1880) 1740 ev. Einw. Dazu gehört das in prächtigem Laubwald der Hohen Leite gelegene, vielbesuchte Wildbad mit fünf erdigen Säuerlingen, eins der ältesten Bäder Deutschlands.

Burgding, s. Ding.

Burgdorf, 1) Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Lüneburg, an der Aue (54 m ü. M.) und der Eisenbahnlinie Hannover-Harburg, hat ein Amtsgericht, ein altes Schloß, eine evang. Kirche, Kunstwoll-, Öl-, Dezimalwagen-, Stärke- und Honigkuchenfabrikation, 3 Dampfsägemühlen, eine Gasleitung und (1880) 3278 meist evang. Einwohner. - 2) Dorf im preuß. Regierungsbezirk Hildesheim, Kreis Goslar, südwestlich von Börßum, mit (1880) 843 Einw. Dabei die Feldmark Warle, wahrscheinlich die Stätte der einst berühmten Kaiserpfalz Werle, wo sächsische und salische Kaiser gewohnt und Reichstage gehalten und die Billunger residiert haben. - 3) (Berthoud) Gewerbsame und wohlhabende Stadt im schweizer. Kanton Bern (568 m ü. M.), am Ausgang des Emmenthals, Station der Zentralbahnlinie Aarau-Bern und zugleich der Emmenthalbahn Solothurn-B.-Langnau, mit (1880) 6581 Einw. Im dortigen Schloß eröffnete Pestalozzi 1798 seine Erziehungsanstalt. B., wahrscheinlich eine ältere Ansiedelung, wurde von Berchtold III. von Zähringen mit einer Burg und von Berchtold V. um 1190 mit Mauern versehen und mit Stadtrecht begabt. Nach dem Aussterben der Zähringer 1218 ging es an die Grafen von Kyburg über, welche es zur Hauptstadt ihres Gebiets erhoben und vergrößerten, indem sie 1300 den Weiler Holzbrunn dazuschlugen. Nach dem sogen. Kyburger Krieg mußten sie es jedoch 1384 nebst Thun den Bernern für 37,800 Gulden käuflich überlassen. Der wohlhabende Ort ist als Markt- und Gewerbsplatz von ziemlicher Bedeutung.

Bürge (Fidejussor), s. Bürgschaft.

Burgebrach, Marktflecken im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, Bezirksamt Bamberg II, im Steigerwald (277 m ü. M.), hat ein Amtsgericht, ein Schloß, Getreide- und Hopfenbau, bedeutende Pferde- und Rindviehzucht, Holzhandel und (1880) 928 meist kath. Einwohner. Hier 29. Aug. 1796 und 3. Dez. 1800 Gefechte zwischen den Franzosen und Österreichern.

Bürgel (Stadt-Bürgel), Stadt im Großherzogtum Weimar, Kreis Weimar, an der Gleiße (263 m ü. M.), mit Spital (St. Georgi), Fabrikation von Wurstwaren und Stöcken, Kunsttöpferei (mit Fach-^[folgende Seite]