Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

778

Candido - Canicatti.

solche einige Ehrenrechte. Die Wahlversammlungen waren die Centuriat- oder Tributkomitien (s. Komitien), und zwar wurde in denselben seit einem Gesetz des Jahrs 139 schriftlich (durch wachsüberzogene Täfelchen) abgestimmt. Unter den Kaisern waren die Volkswahlen entweder eine bloße Formalität, oder fanden gar nicht mehr statt. Das Wort wird außerdem in weiterm Sinn von jedem Bewerber um irgend ein Amt oder Recht gebraucht. S. Kandidat.

Candido, Peter, niederländ. Maler, s. Witte, de.

Candie, See, s. Fittri.

Candolle (spr. kangdoll), Augustin Pyrame de, s. Decandolle. ^[richtig: De Candolle.]

Candy, Stadt, s. Kandi.

Caneelstein, s. Granat.

Canella Gärtn., Swartz (Kaneelbaum), Gattung aus der Familie der Kanellaceen, gewürzreiche Bäume mit einfachen, ganzen Blättern, terminalen, reichblütigen, fast doldentraubigen Blütenständen und ein- bis sechssamigen Beeren. C. alba Murr. (weißer Kaneel- oder Zimtbaum), immergrüner, 6-15 m hoher Baum mit kurzgestielten, abwechselnden, verkehrt ovalen Blättern, roten Blüten und kurz stachelspitzigen, schwarzen Beeren, findet sich in den Wäldern Westindiens, besonders aus Domingo und Guadeloupe. Die Rinde kommt als weißer Zimt (weiße Kaneelrinde, falsche Wintersrinde) in langen Röhren oder kurz gebrochenen Stücken in den Handel. Sie ist rötlichweiß, riecht gewürzhaft, zimt- und nelkenartig und schmeckt schwach bitter, zuletzt scharf. Sie enthält 1 Proz. flüchtiges Öl, ein aromatisches, nicht scharfes Harz und Mannit. Sie wurde früher als Arzneimittel, jetzt nur noch zu Likören verwendet. In Amerika ist sie Küchengewürz. Die Rinde von C. axillaris Nees, einem Baum Brasiliens, heißt in ihrem Vaterland Paratudorinde, ist graubraun, geruchlos, schmeckt schwach bitterlich und später brennend gewürzhaft.

Canelones, Departement des südamerikan. Staats Uruguay, 4752 qkm groß mit (1884) 44,000 Einw., fruchtbar, erzeugt Weizen, Mais, Kartoffeln, Melonen, Gemüse etc. Die Hauptstadt C. (Guadelupe de C.) liegt 48 km nördlich von Montevideo, an der Eisenbahn, wurde 1781 gegründet und hat 3000 Einw.

Canelos (San José de), Kantonshauptort in der Provinz Oriente des südamerikan. Staats Ecuador, am Ostabhang der Kordilleren, nur von Indianern (Itvaros) bewohnt, die Waschgold, Kaneel, Palmenwachs, Kopal und andre Harze in den Handel bringen.

Canens (die "Singende"), in der röm. Mythologie (nach Ovid) eine schöne Nymphe mit wundervoller Stimme, ward vom Laurenterkönig Picus zur Gattin gewonnen. Als letztern einst Kirke auf der Jagd erblickte und in Begierde nach ihm entbrannte, lockte sie ihn in Gestalt eines Ebers von seinen Gefährten fort und verwandelte ihn, da er ihren Lockungen, seiner Gattin treu, widerstand, in einen Specht. Sechs Tage und Nächte irrte C., den Verlornen suchend, umher, bis sie am Tiberufer erschöpft niedersank und, noch einen letzten leisen Gesang hören lassend, sich in Luft auflöste.

Canepin (franz., spr. kann'päng), weißgares Schaf- oder Ziegenleder, Handschuhleder.

Cañete (spr. kanjete), Stadt im Departement Lima der südamerikan. Republik Peru, im fruchtbaren Thal des Cañete, mit Zuckerbau, lebhaftem Handel mit Mais, Früchten und Fischen und (1876) 1436 Einw. Eine Eisenbahn verbindet C. mit seinem am Stillen Meer gelegenen Hafen Cerro azul. Dabei Überreste von Wasserleitungen aus der Inkazeit.

Cañete (spr. kanjete), Don Manuel, span. Schriftsteller, geb. 6. Aug. 1822 zu Sevilla, studierte in Cadiz, fungierte lange Zeit als Beamter im Ministerium des Innern und ist gegenwärtig Sekretär des Generalrats für öffentliche Wohlthätigkeit und Kammerherr des Königs. Als lyrischer Dichter wird er sehr geschätzt; namentlich seine poetischen Episteln, seine religiösen, politischen und philosophischen Oden gelten für Musterstücke. Auch seine Dramen, wie: "Un rebato en Granada", "El duque de Alba", "La esperanza de la patria" (mit Tamayo) u. a., fanden allgemeinen Beifall. Auf dem Gebiet der dramatischen Kritik bewirkte er besonders von 1845 bis 1855 eine wohlthätige Reform des Theaters, das unter dem überschwenglichen Romantizismus und der abgeschmackten Reaktion dagegen vollständig verfiel. Später wandte er sich besonders dem Studium der Anfänge des spanischen Theaters zu und leistete auf diesem Felde der Litteraturgeschichte durch sorgfältige kritische Veröffentlichungen bedeutende Dienste. Hierher gehören z. B.: "Farsas y eglogas de Lucas Fernandez" (1867) und "La tragedia llamada Josefina" (1870). Etwa 30 bis dahin unbekannte Schriftsteller vom Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrh. sind durch ihn der Vergessenheit entzogen worden. In letzter Zeit gab er "Escritores españoles é hispano-americanos" (1884) und "Teatro español del siglo XVI." (1884) heraus. Die spanische Akademie, deren Mitglied C. seit 1858 ist, hat ihn neuerdings zum Zensor ernannt; auch ist er seit 1880 Mitglied der Akademie der Künste zu San Fernando.

Canevas (franz.), s. Kanevas.

Canga-Arguelles (spr. -gwéljes), Don José, span. Staatsmann, geb. 1770 in Asturien, trat 1812 als Abgeordneter von Valencia in die Cortes und schwang sich bald zum Führer der Konstitutionellen auf, weshalb ihn Ferdinand VII. gleich nach seiner Thronbesteigung (1814) nach Penniscola in Valencia verbannte. 1816 zurückberufen, erhielt er eine Anstellung zu Valencia, 1820 aber, nach der Wiederherstellung der Konstitution von 1812, das Portefeuille der Finanzen. Er veröffentlichte über die spanischen Finanzen ein umfangreiches Werk: "Memoria sobre el credito publico" (Madr. 1820), worin er nach ausführlichen theoretischen Erörterungen bewies, daß das jährliche Defizit mehr als die gesamte Einnahme betrug. Seine Vorschläge, diesem Übelstand durch Verkauf der Kirchengüter und der nordafrikanischen Besitzungen abzuhelfen, fanden jedoch Widerstand. Da er aus Popularitätssucht die direkten Steuern herabsetzte, steigerte er die Finanzverwirrung. Als der König bei den Cortes sich über die Schwäche der Exekutive beklagte, nahm C. 1. März 1821 mit dem ganzen Ministerium seine Entlassung. In den Cortes von 1822 stand C. auf der Seite der Gemäßigten und beantragte mehrere Maßregeln zur Befestigung der Konstitution und Hebung der Finanzen. Nach der Katastrophe von 1823 floh er nach England, von wo er 1829 zurückkehrte. Später trat er wieder in die Cortes, wo er seinen liberalen Grundsätzen treu blieb, ohne sich aber besonders bemerklich zu machen. Er starb 1843. Seine "Elementas de la ciencia de hacienda" (Lond. 1825) waren der Vorläufer seines umfangreichen Werks "Diccionario de hacienda" (das. 1827-28, 5 Bde.).

Canicatti, Stadt in der ital. Provinz Girgenti (Sizilien), an der Eisenbahn Catania-Girgenti (mit Abzweigung gegen Licata), mit einer technischen Schule, Getreide-, Wein-, Öl- und Südfrüchtebau, Schwefelgruben und (1881) 19,599 Einw.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]