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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Canrobert; Canso; Canstatt; Canstein; Cant; Cantabile; Cantabri; Cantadours; Cantagallo; Cantal

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Canrobert - Cantal.

sowie in der Deputiertenkammer eine ihm ergebene Majorität und strebte vor allem danach, Frieden und Ordnung wiederherzustellen und dem Land nach den zerstörenden Bürgerkriegen Ruhe zu verschaffen, was ihm auch gelang. Als Martinez Campos die Genehmigung der von ihm versprochenen Reformen in Cuba verlangte, verweigerte sie C. und trat im März 1879 seinen Posten an Martinez Campos ab, übernahm ihn aber, als dieser bei den Cortes seine Pläne nicht durchsetzte, schon im Dezember 1879 wieder. Der Majorität in den Kammern war C. sicher; da aber der König die Liberalen sich nicht dauernd entfremden wollte und C. wegen der Verweigerung seiner Zustimmung dazu, daß die Tochter des Königs zur Prinzessin von Asturien ernannt wurde, zürnte, trat C. im März 1881 zum zweitenmal zurück. Er war seitdem Führer der konservativen Partei in den Cortes und wurde nach dem Sturz der liberalen Ministerien im Januar 1884 wiederum Ministerpräsident.

Canrobert (spr. kang-röbähr), François Certain, franz. Marschall, geb. 27. Juni 1809 zu St.-Ceré (Lot), wurde in der Militärschule zu St.-Cyr gebildet und 1828 Unterleutnant, zeichnete sich seit 1835 in Algerien aus und nahm 1837 als Hauptmann an der Erstürmung von Konstantine teil. 1839 kehrte er nach Frankreich zurück, um aus versprengten Karlisten ein Bataillon für die Fremdenlegion zu bilden. Zu den Chasseurs zu Fuß versetzt, ging er 1841 wieder nach Algerien, wo er unter Cavaignac und Saint-Arnaud, seit 1847 als Oberst und Kommandant des Zuavenregiments, viele Kämpfe mitmachte, besonders 1849 bei der Expedition nach der Zaadscha. 1850 als Brigadegeneral nach Paris berufen, ward er Adjutant des Prinz-Präsidenten, dem er sich nach längerm Schwanken entschieden anschloß. Beim Staatsstreich 1851 wirkte er als einer der thätigsten Gehilfen Ludwig Napoleons mit, stellte in Paris die Ruhe her und wurde 1852 zum Divisionsgeneral befördert. Im Krimkrieg kommandierte er zuerst unter Saint-Arnaud und wurde nach dessen Tod zum Oberbefehlshaber ernannt, legte aber, da er trotz aller Anstrengungen keine entscheidenden Erfolge erringen und sich mit den Engländern nicht verständigen konnte, im Mai 1855 diese Stelle nieder, um Pélissier Platz zu machen, und übernahm wieder das Kommando des 1. Korps. Im August 1855 nach Frankreich zurückberufen, erhielt er eine Mission nach Stockholm, um den Anschluß Schwedens an die Alliierten zu vermitteln. Am 18. März 1856 ward er Marschall und im Januar 1858 Chef der Militärdivision des Ostens (zu Nancy). Im italienischen Krieg 1859 befehligte er das 3. Armeekorps und zeichnete sich in der Schlacht bei Magenta aus, konnte aber bei Solferino, beauftragt, die aus Mantua anrückenden feindlichen Truppen zurückzuwerfen, dem bedrängten General Niel nicht rechtzeitige und genügende Unterstützung leisten. 1861 erhielt er das Generalkommando in Lyon. 1870 wurde er zuerst an die Spitze der Mobilgarden im Lager von Châlons gestellt, übernahm aber, da er der zügellosen Menge wegen seiner Unpopularität nicht Herr werden konnte, unter Bazaines Oberbefehl das Kommando des 6. Korps der Rheinarmee und kämpfte 16. Aug. bei Vionville und 18. Aug. bei St.-Privat, das ihm entrissen wurde. In Metz eingeschlossen und bei der Kapitulation mit gefangen, begab er sich nach Kassel zum Kaiser und kehrte erst nach dem Friedensschluß nach Frankreich zurück. Er war bis zum Tode des kaiserlichen Prinzen einer der Führer der bonapartistischen Partei. Seit 1879 ist er Mitglied des Senats.

Canso (Gut of C., "Thor von C."), enge, nur 1,6 km breite Meerenge, welche die Cape Breton-Insel von Neuschottland trennt und die prächtige Chedabuctobai mit der St. Georgebai und dem St. Lorenzbusen verbindet.

Canstatt, Karl Friedrich, Mediziner, geb. 11. Juli 1807 zu Regensburg, studierte in Wien, Würzburg und Heidelberg und ließ sich 1831 in Regensburg als praktischer Arzt nieder. Im J. 1832 ging er nach Paris, um dort die Cholera zu studieren, erwarb sich dann durch glückliche Behandlung derselben in Brüssel großen Ruf und errichtete auf Antrag der Regierung ein selbständiges Choleraspital in Houlay. Er kehrte 1837 nach Regensburg zurück, ward aber schon im nächsten Jahr als Gerichtsarzt und Mitglied des Medizinalausschusses nach Ansbach versetzt und 1843 als Professor der medizinischen Klinik und Direktor des Krankenhauses nach Erlangen berufen. Er starb 10. März 1850. Außer Monographien über Cholera, Brightsche Krankheit und Krankheiten des Greisenalters schrieb er: "Die spezielle Pathologie und Therapie vom klinischen Standpunkt aus bearbeitet" (Erlang. 1841-42, 4 Bde.; 2. Aufl. 1843-1848); auch begründete er den höchst verdienstlichen "Jahresbericht über die Fortschritte der gesamten Medizin" (das. 1842 ff., Würzb. 1852 ff., jetzt in Berlin von Virchow, Hirsch etc. herausgegeben).

Canstein, Karl Hildebrand, Freiherr von, der Stifter der nach ihm genannten Bibelanstalt zu Halle, geb. 4. Aug. 1667 zu Lindenberg in der Mark, ward 1689 Kammerjunker des Kurfürsten von Brandenburg und that vor seiner Erkrankung, die ihn ins Privatleben zurückrief, Kriegsdienste in den Niederlanden. Sein Name lebt fort in der von ihm 1710 durch Beiträge begründeten, bei seinem Tod (19. Aug. 1719) testamentarisch dotierten und mit den Franckeschen Stiftungen verbundenen Cansteinschen Bibelanstalt, welche die Aufgabe hat, die Bibel für den möglichst geringen Preis herzustellen und zu verbreiten. Die erste Ausgabe des Neuen Testaments erschien 1712 zum Preis von 2 Groschen, die ganze Bibel 1713 für 9 Groschen. C. hinterließ auch eine "Harmonie der vier Evangelisten" (Halle 1718) und "Leben Speners" (das. 1729). Vgl. Plath, K. H. Freiherr v. C. (Halle 1861); Bertram, Geschichte der Cansteinschen Bibelanstalt (das. 1863).

Cant (engl.), Rotwelsch, Jargon; dann s. v. w. Prüderie und scheinheiliges Wesen.

Cantabile (ital., "gesangartig"), als musikalische Vortragsbezeichnung ungefähr gleichbedeutend mit con espressione (ausdrucksvoll). Als Substantiv gebraucht bezeichnet C. einen getragenen melodiösen Satz.

Cantabri, s. Kantabrer.

Cantadours (provençalisch, spr. kangtaduhr), Straßen- und Bänkelsänger.

Cantagallo, freundliches Städtchen in der brasil. Provinz Rio de Janeiro, 150 km nordöstlich von der Hauptstadt, in engem Thal, mit blühenden Kaffeeplantagen und 3000 Einw.

Cantal (spr. kangtall), Departement im Innern des südlichen Frankreich, grenzt nördlich an das Departement Puy de Dôme, östlich an Oberloire, südöstlich an Lozère, südlich an Aveyron, westlich an Lot und Corrèze und umfaßt 5741 qkm (104 QM.). Seinen Namen hat es von dem Cantalgebirge, einer zu den Bergen der Auvergne gehörigen vulkanischen Berggruppe, die mit ihren sternförmigen Verzweigungen fast das ganze Departement bedeckt und im kegelförmigen Plomb du C. 1858 m Höhe erreicht. Die Basis der Kernmasse des Cantalgebirges hat

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]