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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Capsicum; Capsini; Capsula; Captatio; Capua

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Capsicum - Capua.

gedrückten, verkehrt dreieckigen oder länglichen, ganzrandigen oder seicht ausgerandeten Schötchen mit vielsamigen Fächern; wenige Arten in der gemäßigten Zone beider Erdhälften. C. bursa pastoris Mönch, ein Sommergewächs, aus Europa nach allen Weltteilen verschleppt, mit rosettenförmig gestellten, ungeteilten oder fiederspaltigen Wurzelblättern und dreieckigen, ausgerandeten Schötchen, überall als Unkraut auf den Feldern, schmeckt etwas scharf bitterlich und riecht widerlich kressenartig, war früher als Heilmittel im Gebrauch. Es ist wahrscheinlich das schon von Hippokrates und Dioskorides unter dem Namen Thlaspi erwähnte Heilkraut.

Capsicum L. (Beißbeere, spanischer Pfeffer), Gattung aus der Familie der Solanaceen, ein- oder mehrjährige Kräuter und Sträucher mit abwechselnden oder paarweise stehenden, gestielten, ungeteilten, ganzrandigen Blättern, einzeln oder zu 2-3 stehenden, weißen, gelben oder violetten Blüten und wenig saftigen, aufgeblasenen, verschieden gestalteten, vielsamigen Beeren. Etwa 50 Arten in den Tropen Amerikas und Asiens. C. annuum L., ein einjähriges Gewächs in Brasilien und Mexiko, in allen wärmern Ländern in zahlreichen Varietäten gebaut und nirgends mehr wild anzutreffen, 30-60 cm hoch, mit eirunden, lanzettförmig zugespitzten Blättern, weißen Blüten und glänzend scharlachroten oder orangefarbenen, auch wohl zweifarbigen, länglichen, runden oder eiförmigen, 5-7 cm langen Früchten. Obwohl die ganze Pflanze viel Schärfe enthält, so findet sich diese doch besonders in den Früchten, die unter den Namen spanischer, indianischer, brasilischer, türkischer, Taschen- oder Schotenpfeffer, Paprika im Handel vorkommen. Sie sind im frischen Zustand geruchlos, geben aber getrocknet und zerrieben einen sehr scharfen, heftiges Niesen erregenden Staub, schmecken brennend und nachhaltig scharf und wirken scharf und kräftig reizend auf die Verdauungsorgane, in großen Gaben selbst Entzündungen erregend, äußerlich die Haut rötend und Blasen ziehend. Man benutzt sie als starkes Gewürz, besonders in wärmern Ländern, in England, Ungarn, Nordamerika, Ostindien zu Suppen, Saucen, Salaten, zu den Mixed Pickles etc. sowie auch als Heilmittel bei leichten örtlichen Lähmungen der Zunge und der Mundhöhle, bei torpiden Zuständen des Darmkanals und der Verdauung, bei Migräne u. dgl. Mißbräuchlicherweise werden sie häufig zur Schärfung des Essigs, Branntweins und andrer Spirituosen angewendet. Manche Varietäten, wie C. tetragonum Mill., haben so wenig Schärfe, daß die Früchte roh oder eingemacht genossen werden können, während andre die Stammform noch übertreffen. Artlich kaum verschieden ist C. longum Fingerh. (C. annuum L.), welches ebenfalls in mehreren Varietäten kultiviert und in gleicher Weise benutzt wird. C. fastigiatum Bl. (C. minimum Roxb.), ein kleiner Strauch mit kurz rauhhaarigen Zweigen, eiförmigen oder lanzettlichen, unterseits blaugrünen Blättern und länglich-cylindrischen, tief orangeroten Beeren von 1½-1¾ cm Länge, in Ostindien, kultiviert in Afrika und Amerika, liefert die Hauptmenge des Guinea- oder Cayennepfeffers, welcher aber auch von C. frutescens L., C. baccatum L., in Südamerika, und andern Arten gewonnen wird. Der Träger der Schärfe aller dieser Früchte ist ein noch wenig gekannter Körper, das Capsicin, neben welchem in der reifen frischen Frucht eine Spur von ätherischem Öl vorkommt. Der spanische Pfeffer wird zuerst 1494 von dem Arzt Chanca, einem Begleiter des Kolumbus, erwähnt; er wurde in Deutschland in der Mitte des 16. Jahrh. bekannt, aber schon 1585 in großer Menge bei Brünn in Mähren kultiviert. Gegenwärtig kultiviert man mehrere Arten auch als Zierpflanzen. S. Tafel "Gewürzpflanzen".

Capsini (Blindwanzen), Familie aus der Ordnung der Halbflügler, s. Wanzen.

Capsula (lat.), s. Kapsel.

Captatio (lat.), das eifrige Trachten, Haschen nach etwas; C. benevolentiae, Gunsterschleichung; Redewendung, durch welche der Redner sich die Gunst des Hörers zu erwerben sucht; C. verborum, das Haschen nach (schönen) Worten, Phrasenjagd. Vgl. Kaptatorisch.

Capua, befestigte Stadt in der ital. Provinz Caserta, links am Volturno und an der Eisenbahn von Rom nach Neapel, Sitz eines Erzbischofs, hat 18 Kirchen (darunter die prachtvolle Kathedrale, eine dreischiffige altchristliche, mit einem großen Atrium versehene, glänzend restaurierte Basilika mit 24 antiken monolithen Granitsäulen und einer Krypte von altertümlicher Anlage mit 22 antiken korinthischen Marmorsäulen und einem antiken Sarkophag), ein 1874 neuerrichtete Altertumsmuseum (Museo Campano), eine alte, von Kaiser Friedrich II. restaurierte Brücke, ein Gymnasiallyceum und (1881) 11,291 Einw., welche einen lebhaften, durch mehrere Messen begünstigten Handel treiben. - Das alte C., die üppige Hauptstadt Kampaniens, die an Größe und Pracht mit Karthago und Rom wetteiferte, lag ca. 4 km östlich von der jetzigen Stadt, welche die Stelle der alten Volturnusfeste Casilinum einnimmt, beim jetzigen Santa Maria Capua Vetere (s. d.), im nördlichen Teil Kampaniens, am Fuß der Berge Tifata und Callicola, zwischen den Flüssen Volturnus und Liternus, in reicher, wohlkultivierter Gegend. Die hiesigen Weine galten für die besten Italiens, und die Getreideernten Capuas versahen das ganze Land. Aber auch eine ungewöhnliche Industrie und ein umfassender Handel herrschten in C.; insbesondere war es durch seine Tücher, seine Lederindustrie, seine Kunst, in Scharlach zu färben und Purpurstoffe zu bereiten, weithin berühmt; die Fußbekleidungen und Prachtgewänder der römischen Kaiser kamen aus den Werkstätten der Capuaner. Auch galten sie als Erfinder jener Gefäße von rötlicher Thonerde, die unter dem Namen etruskische Vasen bekannt sind und wegen ihrer schönen Formen und Zeichnungen hochgeschätzt wurden. Bedeutend war der Handel mit Wolle, Öl, Wein, Getreide, Parfümerien (worin C. das Vorzüglichste leistete), Töpferwaren, Rindern und Pferden, welch letztere wegen ihrer Schönheit in ganz Italien gesucht waren. Den lebhaften Betrieb beförderte die von Rom nach Beneventum hier vorbeiführende Appische Straße. C. war auch durch seine Fechterschulen berühmt, die sogar seine Größe noch lange überdauerten. Das Amphitheater stand an Umfang (es war 170 m lang, 140 m breit und 46 m hoch und faßte 60,000 Zuschauer) und Skulpturenreichtum dem römischen Kolosseum kaum nach; die Tempel des Apollo, Jupiter, Merkur, der Juno und Diana, die Säulengänge, Pyramiden, Grabmäler, Wasserleitungen, Gymnasien, Gladiatorenschulen und Arenen waren von gleichem architektonischen Glanz. Die Stadt hatte, wie Rom, einen Senat, Konsuln, eine besondere Regierungsform und Gesetze, von welchen einige Fragmente auf uns gelangt sind. Lange Zeit war C. eine volkreiche, blühende Stadt und erhielt als Stätte des Wohllebens und der Verweichlichung eine sprichwörtliche Bedeutung. Unter den Trümmern der alten Stadt ist vor allen das Amphitheater bemerkenswert, von dem noch zwei Bo-^[folgende Seite]

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