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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Castres; Castries; Castriota; Castro; Castro del Rio; Castrogiovanni

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Castres - Castrogiovanni.

1845); "Elementa grammaticae Tscheremissae" (Kuopio 1845); "Versuch einer ostjakischen Sprachlehre nebst kurzem Wörterverzeichnis" (2. Aufl., Petersb. 1858) und "De affixis personalibus linguarum Altaicarum" (Helsingf. 1850). Aus seinem Nachlaß gab Schiefner im Auftrag der Petersburger Akademie heraus: "Reiseerinnerungen aus den Jahren 1838-44" (Petersb. 1853) und "Reiseberichte und Briefe aus den Jahren 1845-49" (das. 1856); ferner "Vorlesungen über finnische Mythologie" (deutsch von Schiefner, das. 1853); "Ethnologische Vorlesungen über die altaischen Völker" (deutsch von demselben, 1857); "Abhandlungen und akademische Dissertationen" (1858; deutsch von Schiefner, 1862); "Tillfälliga uppsatser" (mit Castréns Biographie, 1870). Von linguistischen Arbeiten erschienen noch: "Versuch einer koibalischen und karagassischen Sprachlehre" (1857); "Grammatik der samojedischen Sprachen" (1854, Wörterverzeichnisse dazu 1855); "Tungusische Sprachlehre" (1856); "Versuch einer burjätischen Sprachlehre" (1857); "Versuch einer jeniseiostjakischen und kottischen Sprachlehre" (1858). - Sein Sohn Robert C. (geb. 1851, gest. 1883) machte sich durch einige Monographien zur finnischen Geschichte bekannt.

Castres (spr. kastr), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Tarn, in einem reizenden Thal am schiffbaren Agout und an einer Zweiglinie der Südbahn, hat eine ehemalige Kathedrale nebst mehreren andern Kirchen (darunter ein evang. Bethaus), ein schönes Stadthaus, ein großes Justizgebäude, zahlreiche öffentliche Brunnen, welche durch einen in den Felsen gehauenen Aquädukt gespeist werden, ein Collège, eine Artillerieschule, ein Handelsgericht, eine Bibliothek von 10,000 Bänden und (1881) 22,056 Einw., die beträchtliche Fabriken für Tuch (Castorines), Englischleder, Pergament, Papier, Kupferwaren etc. sowie ansehnlichen Handel betreiben. - C. verdankt seinen Ursprung einer hier errichteten Benediktinerabtei (647) und war schon im 12. Jahrh. eine bedeutende Stadt. In den albigensischen Kriegen kam es in die Gewalt Simons von Montfort, später an die Grafen von La Marche, wurde 1356 selbst Grafschaft und fiel 1519 unter Franz I. an die Krone. Nachdem C. die reformierte Religion angenommen und sich eine Art republikanischer Verfassung gegeben hatte, legte es 1567 Festungswerke zur Verteidigung beider an, mußte sich jedoch 1629 Ludwig XIII. ergeben, der jene Werke wieder zerstörte.

Castries, Hauptstadt der Insel Santa Lucia (s. d.).

Castries (spr. kastrih), Marktflecken im franz. Departement Hérault, Arrondissement Montpellier, an der Cadoule, mit einem Schloß, Sandsteinbrüchen, Olivenölfabrikation und 1415 Einw. Es war im Mittelalter Hauptort einer Baronie, welche 1645 zum Marquisat und 1814 zum Herzogtum erhoben wurde, und ist Geburtsort des ehemaligen französischen Marineministers de Castries, nach welchem die gleichnamige Bai im russischen Amurgebiet von ihrem Entdecker Lapérouse 1787 benannt ist.

Castriota, Georg, s. Skanderbeg.

Castro, 1) Jaes de, Geliebte des Infanten Dom Pedro von Portugal, kam als Constanzas, der Gemahlin Dom Pedros, Hofdame aus Kastilien 1328 an den portugiesischen Hof. Noch zu Lebzeiten Constanzas stand der Prinz mit Ines, die sich durch Schönheit und Anmut auszeichnete, in einem Liebesverhältnis; nach dem Tode derselben (1345) lebte er mit ihr in der engsten Gemeinschaft, und sie gebar ihm vier Kinder. Da aber sein Vater, der König Alfons IV., eine andre Heirat seines Sohns wünschte und Pedro sich dessen standhaft weigerte, so wurde die Ermordung der Ines beschlossen, welche bei den Portugiesen auch deshalb verhaßt war, weil durch sie viele Kastilier in Lissabon zu hohen Stellungen gelangten. Um den Mord zu legalisieren, wurde derselbe 1355 vor den Augen des Königs im Kloster Santa Clara zu Coimbra, wohin Dom Pedro seine Geliebte geflüchtet hatte, von drei der ersten Würdenträger des Reichs, Diego Lopez Pacheco, Pedro Coelho und Alvaro Gonsalvez, vollzogen. Im Schmerz darüber erhob Dom Pedro das Schwert gegen seinen Vater, doch versöhnten sich beide 1355 wieder. Nach Alfons' IV. Tod 1357 flüchteten die Mörder nach Kastilien, wurden aber ausgeliefert und zwei davon aufs qualvollste hingerichtet; der dritte, Pacheco, entkam. Dann versammelte Pedro die Großen des Reichs und schwur, das Ines seine angetraute Gemahlin gewesen, worauf die Leiche aus dem Grab genommen, in königlichem Schmuck auf den Thron gesetzt und, nachdem sämtliche Große den Saum ihres Kleides geküßt, in der königlichen Gruft beigesetzt wurde; auch ward ihr ein prachtvolles Marmordenkmal errichtet. Dennoch wurde von vielen die Rechtmäßigkeit der Ehe und die Legitimität der Kinder bezweifelt. Die Geschichte der unglücklichen Ines haben mehrere Dichter bearbeitet. Trauerspiele lieferten der Portugiese Gomez, der Holländer Fritz, die Deutschen Graf von Soden und Murad Efendi. In Camoens' "Lusiaden" bildet die Geschichte ihrer Liebe eine der herrlichsten Episoden. Eine vergleichende Kritik der Ines-Tragödien hat Wittich seiner Übersetzung des Trauerspiels von Gomez (Leipz. 1841) beigefügt. Vgl. Raumer im "Historischen Taschenbuch" 1851.

2) João de, tapferer portug. Feldherr und Seefahrer, geb. 7. Febr. 1500 zu Lissabon, machte, noch sehr jung, einen Feldzug nach Tanger gegen die Mauren mit und folgte später auch Kaiser Karl V. nach Tunis. Von seiner in nautischer Hinsicht sehr wichtigen Beschreibung des Roten Meers, der Frucht seiner Teilnahme an einer Expedition (1540) dahin, haben sich Fragmente in Purchas "Pilgrimes" (Lond. 1625) erhalten und sind auch in das Lateinische, Französische und Holländische übersetzt worden. 1545 begab sich C. als Statthalter nach Ostindien, wo er sich durch seine heldenmütige Verteidigung Dius gegen die Mohammedaner großen Ruhm erwarb. Während er den Länderbesitz der Portugiesen zu erweitern und zugleich die gesunkene altritterliche Tüchtigkeit seiner Landsleute zu heben suchte, überrascht ihn 6. Juni 1548 in Ormus der Tod. Sein Nachlaß bestand in 3 Realen. Höchst interessant sind seine aus Indien an den portugiesischen König geschriebenen Briefe (jetzt auf der Bibliothek zu Lissabon). Vgl. Andrada, Vida de Dom João de C. (Lissab. 1651).

Castro del Rio, Bezirksstadt in der span. Provinz Cordova, am Guadajoz, mit Wollmanufakturen, Salinen und (1878) 10,261 Einw.

Castrogiovanni (spr. -dschow-), Stadt in der ital. Provinz Caltanissetta (Sizilien), Kreis Piazza Armerina, an der Eisenbahn von Aragona Caldare nach Catania, aus einer 997 m hohen gewaltigen, oben zu einem Plateau abgestumpften Felspyramide mit einer der schönsten Aussichten über die Insel und namentlich auf den Ätna und das gegenüber auf ähnlicher Höhe gelegene Calascibetta, ist eine gut gebaute Stadt mit schönen Gebäuden, einem alten Kastell, das die höchste Spitze krönt, einer Bibliothek, einem Museum, besuchten Jahrmärkten und (1881) 18,450 Einw. Die genannte Eisenbahn geht unter dem Felsen vorbei und zum

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