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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Caudex; Caudium; Caudry; Cauer; Caulaincourt

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Caudex - Caulaincourt.

industrie, Gerberei, ansehnliche Schiffahrt und (1876) 1951 Einw. Die Stadt war vor Aufhebung des Edikts von Nantes sehr blühend. -

2) (C. lès Elbeuf) Stadt im franz. Departement Niederseine, Arrondissement Rouen, nahe der Seine, industrieller Vorort von Elbeuf, mit Tuchmanufaktur und (1881) 11,290 Einw.

Caudex (lat.), Baumstamm, Strunk; s. Stock.

Caudium, im Altertum Stadt der Samniter, an der Via Appia, südwestlich von Benevent, berühmt wegen der in den benachbarten Pässen des Taburnus (Furculae Caudinae, Kaudinische Pässe, zwischen dem heutigen Arpaja und Montesarchio) von den Samnitern ausgeführten Umzingelung der Römer. Als letztere im zweiten Samnitischen Krieg die Konsuln Tit. Veturius und Spurius Postumius mit einem Heer gegen die Samniter abgeschickt hatten (321 v. Chr.), suchte der Anführer der letztern, Gavius Pontius, sich durch List den Sieg zu verschaffen und lagerte sich unbemerkt in der Gegend von C., welche die Römer passieren mußten. Der Weg führte durch zwei enge und waldige Pässe, zwischen denen ein Thalkessel lag. Keinen Feind vermutend, waren die Römer durch den einen Paß hinein in das Thal gezogen, als plötzlich aus den Höhen die Feinde erschienen; zugleich war der Ausgang durch den vorliegenden Paß durch Verhaue gesperrt und auch der hintere Paß von den Samnitern sofort geschlossen worden. Jetzt erkannte das römische Heer seine hoffnungslose Lage. Nach einigen vergeblichen Versuchen, sich durchzuschlagen, überließ es sich ratloser Verzweiflung und ließ durch Abgesandte bei den Samnitern um einen billigen Frieden bitten. Pontius erklärte sich geneigt, einen Vergleich einzugehen, unter der Bedingung, daß das samnitische Gebiet geräumt würde, das gefangene Heer aber ohne Waffen durch das Joch ginge. Das römische Heer mußte sich dem Unvermeidlichen fügen. Die Konsuln und sämtliche Offiziere bürgten eidlich für die Ausführung des Vertrags; die Waffen wurden ausgeliefert und 600 Ritter als Geiseln übergeben. Dann mußten die stolzen Römer, voran die Konsuln, ihrer Feldherrnkleidung beraubt, nach ihnen die höhern Offiziere, zuletzt die Legionen Mann für Mann entblößt und waffenlos durch ein von drei Spießen gebildetes Joch zwischen den bewaffneten verhöhnenden Feinden hindurchgehen, worauf das Heer entlassen ward. Pontius' Hoffnung, den Krieg durch den Vertrag beendigt zu sehen, erfüllte sich indessen nicht. In Rom ward der Vertrag für ungültig erklärt, aber zur Sühne lieferte man die Konsuln an die Samniter aus, welche sie jedoch zurückwiesen und auch die 600 Geiseln für die Wortbrüchigkeit der Römer nicht büßen ließen.

Caudry (spr. kodri), Industrieort im franz. Departement Nord, Arrondissement Cambrai, an der Nordbahn, mit bedeutender Fabrikation von Wollwaren, Tüll, Musselin, Zucker etc. und (1876) 4548 Einw.

Cauer, 1) Emil, Bildhauer, geb. 29. Nov. 1800 zu Dresden, trat in Rauchs Atelier zu Berlin, dann 1824 in das von Haller zu München. Von hier wandte er sich 1825 nach Bonn, wo er Universitätszeichenlehrer wurde. 1829 siedelte er nach Dresden über, wo ihm die Restauration der Antiken des Museums übertragen wurde; auch schuf er hier drei Kolossalstatuen für das Kollegialgebäude in Schwerin. Im J. 1832 folgte er einem Ruf nach Kreuznach, wo ihm der Zeichenunterricht am Gymnasium übertragen wurde. Hier entstanden seine Hauptwerke: Sickingen, Hutten, Karl V., Melanchthon, Berlichingen, dann die Darstellungen aus den Märchen: "Aschenbrödel", "Rotkäppchen" etc., die sich großen Beifalls zu erfreuen hatten. Einfache Natürlichkeit, Naivität und edle Formengebung sind den bessern seiner Werke eigen. C. starb 4. Aug. 1867 in Kreuznach.

2) Karl, Bildhauer, Sohn des vorigen, geb. 1828 zu Bonn, lernte bei seinem Vater, dann in Berlin bei A. Wolff und seit 1848 in Rom; auch besuchte er mehrmals London, wo er die Skulpturen des Parthenon studierte. Von ihm ist das Modell zum Schillerstandbild in Mannheim. Außer diesem bearbeitete er antike Vorwürfe, lieferte Porträtstatuen, Büsten u. a. Die Berliner Nationalgalerie besitzt von ihm die Marmorstatue einer Hexe. Nach dem Tod seines Vaters führte er anfangs in Gemeinschaft mit seinem Bruder Robert, dann allein das Atelier des Vaters in Kreuznach fort. In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte ihn vielfach die Frage der Färbung der Skulpturen, welcher er eine Reihe von praktischen Versuchen widmete. Nach einem kurzen Aufenthalt in Amerika starb er 18. April 1885 in Kreuznach.

3) Robert, Bildhauer, Bruder des vorigen, geb. 13. Febr. 1831 zu Dresden, schwankte zuerst zwischen Bildhauerei und Malerei, welch letztere er sich in Düsseldorf anzueignen suchte, 1856 aber wieder aufgab, worauf er noch in demselben Jahr nach Rom ging. Seit 1858 lebte er in Kreuznach, wo er im Atelier seines Vaters thätig war. Im J. 1883 siedelte er nach Rom über. C. hat sich besonders durch seine lieblichen Märchendarstellungen: Dornröschen, Schneewittchen, Lorelei, und seine Schöpfungen nach Dichtern: "Hermann und Dorothea", "Paul und Virginie", "Undine", bekannt gemacht, daneben aber auch namentlich Porträtarbeiten geliefert (Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, Kaiser Wilhelm u. a.).

Caulaincourt (spr. kolängkuhr), Armand Augustin Louis, Graf von, Herzog von Vicenza, franz. Staatsmann, geb. 9. Dez. 1772 zu Caulaincourt (Aisne), trat schon im 15. Jahr in die Armee, ward 1792 Kapitän und Generalstabsoffizier, aber als verdächtiger Adliger verhaftet. Wieder frei, diente er drei Jahre als Grenadier und reitender Jäger, begleitete den General Aubert Dubayet als Adjutant nach Konstantinopel, darauf einen türkischen Gesandten nach Paris, wurde Eskadronschef und dann Oberst eines Karabinierregiments, an dessen Spitze er sich im Feldzug von 1800 auszeichnete. Nach Alexanders I. Thronbesteigung wurde er zur Anknüpfung friedlicher Beziehungen zu Rußland nach Petersburg geschickt und nach seiner Rückkehr dritter Adjutant des Ersten Konsuls und Brigadegeneral. Nach Napoleons Kaiserkrönung ward er 1805 zum Divisionsgeneral und zum Herzog von Vicenza ernannt. Als Adjutant und Großstallmeister des Kaisers war C. seitdem fast beständig in der nächsten Umgebung desselben; 1807 wurde er zum Gesandten in Petersburg ernannt, aber auf seine Bitte 1811 zur Armee zurückversetzt. Er war Napoleons Begleiter auf dessen eiliger Flucht aus Rußland, ward dann aber wegen seiner wiederholten Opposition gegen des Kaisers Maßregeln von den Geschäften fern gehalten. 1813 wurde C. mit der diplomatisch-politischen Korrespondenz beauftragt, schloß den Waffenstillstand zu Poischwitz ab und wohnte dem Kongreß zu Prag, sodann 1814 als Minister des Auswärtigen dem Kongreß von Châtillon bei. Er vertrat bis zuletzt die Interessen Napoleons und setzte es durch, daß diesem wenigstens Elba blieb; er wurde daher auch durch die Bourbonen genötigt, Paris zu verlassen. Während der Hundert Tage war C. abermals Minister des Auswärtigen, wurde Pair, nahm an den geheimen Beratungen der Kammer über

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]