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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Châtillon - Chattuarier.

gen in C. ab und entwickelten in einer Erklärung, die sie von Vitry aus 25. März erließen, die sie bestimmenden Gründe. Auch durch den Überfall vom 19. Nov. 1870 ist C. bekannt. Das deutsche Landwehrbataillon Unna und zwei Eskadrons des 5. Reservehusarenregiments wurden hier von französischen Freischaren angegriffen und mußten sich mit einem Verlust von 120 Mann und 70 Pferden auf Château-Vilain zurückziehen. Vgl. La Peyrouse, Histoire de C. (1837). - 2) (C. sur Indre) Stadt im franz. Departement Indre, Arrondissement Châteauroux, an der Eisenbahn Tours-Châteauroux, hat eine interessante Kirche aus dem 11. Jahrh. (mit alten Skulpturen), Schloßruinen, Glas- und Metallindustrie und (1876) 2123 Einw. - 3) (C. sur Loire) Stadt im franz. Departement Loiret, Arrondissement Gien, an der Lyoner Bahn, mit einem Schloß der Coligny, Marmorbrüchen und (1876) 2214 Einw. - 4) (C. sur Sèvre) Städtchen im franz. Departement Deux-Sèvres, Arrondissement Bressuire, am Ouin, 7 km von der Sèvre und an der Orléansbahn gelegen, mit alter Abtei (jetzt Mairie), Burgruine, Fabrikation von Flanell, Leinwand und künstlichem Dünger, bedeutendem Handel mit Schafen und (1876) 1355 Einw. - 5) (C. lès Bagneux) Dorf südlich von Paris, den Forts Vanves und Montrouge gegenüber an den Höhen von Clamart gelegen, wo 19. Sept. 1870 der bayrische General v. Hartmann mit Truppen des 2. bayrischen und des 5. preußischen Korps das 14. französische Korps unter Ducrot, das die Zernierung zu hindern versuchte, in völliger Panik zurückwarf.

Châtillon, franz. Ritter, s. Rainald von Châtillon.

Châton (franz., spr. schatong), der aus Gold- oder Silberblech gebildete Kasten, in welchen die Edelsteine gefaßt werden. Der Gegensatz ist A jour-Fassung.

Chätopoden, s. Anneliden.

Chatoulle, s. Schatulle.

Châtre, La (spr. schahtr), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Indre, an der Indre, mit alter romanischer Kirche, einem Collège und (1881) 4581 Einw., welche Fabrikation von Woll- und Lederwaren und Handel mit Pferden betreiben.

Chatrian (spr. schatriang), s. Erckmann-Chatrian.

Chatsworth (spr. tschättsuörth), prachtvoller Landsitz des Herzogs von Devonshire, in Derbyshire (England), am Derwent, 1688-1706 nach dem Entwurf Wrens neuerbaut. Das Schloß steht inmitten großartiger Parkanlagen und enthält reiche Kunstschätze. Das Gewächshaus ist eine Schöpfung Joseph Paxtons (s. d.). Die Wasserkünste, mit 80 m hohem Wasserstrahl, stehen denen zu Versailles nicht viel nach.

Chattahoochee (spr. tschattahutschi), Fluß in Nordamerika, entspringt im nordöstlichsten Teil des Staats Georgia, in den Blue Ridge des Alleghanygebirges, nahe den Quellen des Tennessee und Savannah, durchströmt in südwestlicher Richtung die Goldregion von Obergeorgia, bildet dann, von West Point an gegen S. fließend, die Westgrenze des Staats und vereinigt sich nach etwa 700 km langem Lauf beim Ort C. mit dem Flint, worauf der Fluß Appalachicola (s. d.) heißt und als solcher in den Meerbusen von Mexiko mündet. Kleinere Dampfboote können auf dem C. bis nach Columbus (480 m ü. M.) im Staat Georgia gelangen.

Chattak (Chittak), britisch-ostind. Gewicht, = 5 Tolas = 58,3 g.

Chattanooga (spr. tschattanugä), Stadt im O. des nordamerikan. Staats Tennessee, am schiffbaren Tennesseefluß reizend gelegen, hat Mühlen und Fabriken, treibt Handel mit Holz, Steinkohlen und Eisen, welche in der Nähe vorkommen, und hat (1880) 12,892 Einw. Die Stadt ist historisch merkwürdig geworden durch die blutige Schlacht, welche hier, nachdem die Konföderierten gezwungen worden waren, die Belagerung der Stadt aufzugeben, 22.-25. Nov. 1863 zwischen den Unionstruppen unter Grant, Sherman und Thomas und den Konföderierten unter Bragg stattfand, und in welcher die letztern vollständig geschlagen wurden. Sie verloren 3100 Mann an Toten und Verwundeten, 6000 Gefangene, 42 Kanonen und bedeutende Massen von Waffen und Munition. Der Sieg verschaffte den Unionstruppen den vollen Besitz von Tennessee und die Möglichkeit, weiter nach S. vorzudringen. Zugleich wurde dadurch General Longstreet genötigt, die Belagerung von Knoxville in Tennessee, das vom Unionsgeneral Burnside verteidigt wurde, aufzuheben.

Chatten, Volk, s. Katten.

Chatteris (spr. tschätteris), Stadt in Cambridgeshire (England), im Bezirk der Fens, mit (1881) 4712 Einw.

Chatterton (spr. tschättert'n), Thomas, engl. Dichter, geb. 20. Nov. 1752 zu Bristol als Sohn eines armen Küsters, besuchte die Armenschule von Colston und schrieb, elf Jahre alt, bereits eine Satire auf einen Methodisten, der seines Vorteils halber seine Gemeinde verlassen hatte. Mit dem 14. Jahr trat er als Schreiber in den Dienst eines Advokaten in Bristol und brachte bald darauf alte Gedichte zum Vorschein, welche, nach seiner Behauptung von einem Mönch des 15. Jahrh., Namens Rowley, verfaßt, großes Aufsehen erregten. Dieselben enthielten ein Festgedicht auf die Einweihung einer Brücke, die Fragmente eines Trauerspiels, "Ella", und balladenartige Kompositionen über Begebenheiten der normännischen Eroberung. Bald erklärte jedoch die philologische Kritik das Ganze für eine Fälschung. Von seinem Prinzipal entlassen, ging C. nach London in der Hoffnung, von Sir Horace Walpole unterstützt zu werden; aber Gray und Mason warnten Walpole, sich nicht von dem "Knaben von Bristol" hintergehen zu lassen, und dieser behandelte den jungen Dichter kalt und verächtlich. In seinem Stolz verletzt, dazu von Hunger und Elend gepeinigt, machte C. bald darauf (25. Aug. 1770), noch nicht 18 Jahre alt, seinem Leben durch Gift ein Ende. Daß die angeblichen Poesien Rowleys von C. selbst herrührten, leidet keinen Zweifel, und es ist nicht allein das Talent zu bewundern, mit welchem er die Sprache und Ausdrucksweise, ja selbst die äußere Gestaltung der Dichtungen einer frühern Zeit nachbildete, so daß selbst Kenner getäuscht wurden, sondern noch mehr die Genialität, der Gedankenreichtum und die tiefe poetische Kraft, welche sich in ihnen offenbaren. Merkwürdigerweise sind dagegen die Gedichte, welche C. in modernem Englisch schrieb, meist nur mittelmäßig. Die vollständigsten Ausgaben seiner Werke erschienen zu London 1842 (2 Bde.) und 1871 (2 Bde.). Für die Echtheit der Gedichte Rowleys trat James Bryant auf in dem Werk "Observations upon the poems of the Th. Rowley" (Lond. 1781, 2 Bde.). Das tragische Ende des Dichters lieferte A. de Vigny den Stoff zu seinem Drama "Chatterton" (1837). Vgl. Püttmann, C., Leben des Dichters, Dichtungen (Barmen 1840, 2 Bde.); Wilson, C., a biographical study (Lond. 1869).

Chatt-Scherif, s. Hattischerif.

Chattuarier, ein zum Stamm der Katten gehöriges german. Volk, wohnte später am Niederrhein und wurde in den Frankenbund aufgenommen.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]