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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: China

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China (neueste Geschichte).

interventionsprinzip ab und beauftragten ihre Flottenkommandanten in den chinesischen Gewässern, gemeinsame Operationen in Verbindung mit den Kaiserlichen gegen die Rebellen zu eröffnen. Dieser Schritt wurde in Europa heftig getadelt; es ist allerdings zu beklagen, daß indem großen Blutbad, zu welchem die Niederwerfung des Aufstandes führte, mitunter auch Europäer mitwirkten; diese Szenen sind aber doch nicht gräßlicher gewesen als die bisher durch die Taiping verübten Grausamkeiten. Zunächst galt es Schanghai zu sichern, das die Rebellen im Februar 1862 vollständig eingeschlossen hatten. Ihre Vertreibung gelang leicht; im April und Mai 1862 wurden viele kleinere feste Punkte genommen, namentlich aber das 9. Dez. 1861 von den Rebellen eingenommene Ningpo wiedererobert. Zu gleicher Zeit organisierten Franzosen und Amerikaner im Dienste des Kaisers von C. einheimische Truppenkörper, während ein englischer Marineoffizier den Auftrag erhielt, eine chinesische Flotte zu bilden. Mehr und mehr gelang es, die Aufständischen von den Seeprovinzen in das Innere zurückzutreiben; am 31. März 1864 erzwang das französisch-chinesische Korps nach längerer Belagerung die Übergabe von Hangtschou, der Hauptstadt der Provinz Tschekiang, und bald darauf Hutschous, des letzten Punktes der Taiping. Im Dezember 1863 eroberte das englisch-chinesische Korps Sutschou nach sechsmonatlicher Belagerung, im nächsten Monat Tschangtschou, eine für die Taiping sehr wichtige Position. So sahen sich diese auf Nanking eingeschränkt, ihre eigentliche Hauptstadt, in der jetzt der Rebellenkaiser Tienwang residierte. Die Belagerung dieses Platzes unternahmen kaiserliche Truppen mit Hilfe von Engländern, und 19. Juli erfolgte nach tapferm Widerstand die Übergabe der Stadt. Vorher hatte sich Tienwang mit seinen Weibern verbrannt. Das Eingreifen der Europäer hatte, wie zu erwarten, der Regierung des Prinzen Kong manche Schwierigkeit bereitet und vielfache Konflikte mit der lokalen Verwaltung hervorgerufen. Besonders die Mandarinen fühlten sich gedemütigt, indem sie die Oberleitung in den Händen der Fremden sahen, und ließen sich nur sehr ungern bereit finden, deren Anordnungen zu unterstützen. Derartige Streitigkeiten führten im Oktober 1864 zur Entlassung der Fremdenlegion. Der Regentschaft blieb noch die Aufgabe, die Nienfei oder die Banden, die aus zersprengten Taiping sich gebildet hatten und insbesondere Honan und Schantung unsicher machten, sowie andre Räuberbanden im Westen, welche durch die Kopflosigkeit der Regierung 1859 zu bedeutender Macht erstarkt waren und 1861 den größern Teil von Setschuan in ihre Gewalt gebracht hatten, zu vernichten. Dies gelang ohne besondere Schwierigkeit. Im ganzen raffte die Taiping-Revolution 2 Mill. Menschen hinweg und schädigte stark die Thee- und Seidendistrikte.

Neueste Geschichte Chinas.

Aufstände der Mohammedaner. Ein weiterer innerer Feind im Herzen des Reichs war der Regierung in den Muselmanen von Kansu und Schensi, den Dunganen (s. d.), erstanden, denen Religionsbedrückungen Anlaß oder Vorwand zum Aufstand gegeben hatten. Unter der undisziplinierten Bevölkerung dieser an die Mongolei angrenzenden und teilweise in ihr liegenden Provinzen fanden sie zahlreichen Anhang und durchzogen nun in Haufen von 3-6000 Mann brandschatzend die westlichen Provinzen, plünderten die reichen buddhistischen Klöster und beschränkten die Wirksamkeit der chinesischen Behörden auf das Weichbild fester Punkte. Eine größere Armee konnte ihnen erst 1871 entgegengestellt werden. Im Frühjahr 1876 erfolgte dann der vernichtende Schlag; die letzten festen Plätze fielen, Urmutsi 20. Aug., Manaar 9. Dez. 1876, und seither ist die chinesische Regierung wieder Herrin in diesem Teil des Reichs.

Ebenso erfolgreich wurde der Feldzug gegen die muselmanischen Panthai in Jünnan (s. d.); der zum Landesfürsten eingesetzte Suleiman Ibn i Abd ur Rahmân wurde verjagt, das Land vom Raubgesindel gesäubert. Länger hielt sich eine selbständige Regierung in Ostturkistan, Hauptstadt Kaschgar. Seit 1858 von Chokandi-Abenteurern in seinem Besitz bedroht, erstand der Provinz im Juli 1865 ein Regent in der Person von Jakub Beg. Derselbe entsandte Gesandtschaften nach Kalkutta wie St. Petersburg. Nach seinem Tod (Juli 1877) folgte ihm sein Sohn Beg Kuli Beg; derselbe verlor jedoch sein Reich schon Anfang 1878 an C., das seither diese Provinz wieder durch seine Beamten beherrscht.

Am 13. Jan. 1875 verstarb der Kaiser Tungtschih im Alter von 18 Jahren 9 Monaten an den Blattern. Mit ihm schloß zum erstenmal in den Annalen der Tsing-Dynastie die direkte Erbfolge, und ein Neffe des Verstorbenen, der erst vier Jahre alte Tsaitien, als Regent Kwangseu ("Nachfolger des Ruhms") genannt, wurde durch das Los Kaiser. Die Beziehungen zu den europäischen Staaten, die sich schon unter der Regentschaft des verstorbenen Kaisers gebessert hatten, gestalteten sich immer befriedigender. Hierzu trug nicht wenig die Errichtung ständiger chinesischer Gesandten in Europa bei; augenblicklich gibt es deren in Berlin, Paris, London, St. Petersburg, Madrid und Washington, dann in asiatischen Reichen in Birma und Japan. Die erste Probe bestand der diplomatische Verkehr 1874 bei den Ansprüchen Japans an C. auf Entschädigung für Unterthanen, die auf Formosa geplündert worden waren. Japan rüstete zum Krieg, um sich die hartnäckig verweigerte Genugthuung selbst zu nehmen; C. zog gleichfalls Truppen zusammen. Da legte sich der englische Gesandte zu Peking ins Mittel, und seinen Bemühungen gelang unterm 12. Nov. 1874 die friedliche Beilegung des Zwistes durch einen Friedensvertrag. Es kennzeichnet die chinesische Politik, daß darin gegenseitig Vernichtung der gewechselten Kriegsnoten bedungen wurde, "damit (von dieser diplomatischen Niederlage. Chinas) niemals mehr die Rede sei". Nicht weniger nachgiebig erwies sich C. 1875 gegen England aus Anlaß der Ermordung von Margary an der chinesisch-birmanischen Grenze. Zur unparteiischen Erhebung der Thatumstände gestattete C. Mitgliedern der englischen Gesandtschaft die Überlandreise von Schanghai nach Britisch-Birma und erließ unterm 16. Sept. 1876 im amtlichen Blatte die ausbedungene Proklamation (gemeiniglich die Konvention von Tschifu genannt) des Inhalts, daß die Regierung die Ermordung Margarys bedaure und den Fremden gestatte, das Innere des Landes unter dem Schutz der Behörden zu bereisen. Ein Dekret vom 30. Juni 1875 hatte bereits verboten, sich im Verkehr mit Fremden des Wortes I, d. h. Barbaren, zu bedienen sowie christliche Missionäre und Konvertiten zu belästigen, ihren Kirchen Gewalt anzuthun.

In hoher Blüte stand in C. seit alters das See- und Strandräuberunwesen; das Verdienst, hierin eine Besserung angebahnt zu haben, gebührt dem Auswärtigen Amte des Deutschen Reichs. Ein Angriff, verübt auf den Schoner Anna, veranlaßte das Deutsche Reich im November 1875 zu Vorstellungen

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]