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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chronostichon - Chrysanthemum.

Chronostichon (griech.), s. Chronogramm.

Chrookokkaceen, Familie der Algen, aus der Ordnung der Cyanophyceen; s. Algen, S. 342.

Chroolepideen, Familie der Algen, aus der Ordnung der Ödogoniaceen; s. Algen, S. 344.

Chroolepus Ag., Algengattung aus der Ordnung der Ödogoniaceen, Luftalgen, welche als rote, räschen- oder krustenförmige Überzüge häufig an Baumrinden, Mauern, Felsen u. dgl. leben. Sie bilden kurze, liegende oder aufrechte, ästige Fäden, deren Endzelle ein Spitzenwachstum des Fadens vermittelt, und werden nach dem Absterben graugrün. Alle Arten riechen besonders beim Reiben und auch nach dem Tod nach Veilchen. C. Jolithus Ag. (Veilchenmoos) wächst in Gebirgsgegenden auf Steinen (Veilchensteine). Die Fortpflanzung dieser Algen geschieht durch Schwärmsporen, welche sich aber nur, wenn die Pflänzchen von Wasser benetzt werden, also z. B. nach Regen, ausbilden. Mit den Zellen des C. stimmen vollständig die rot gefärbten Gonidien im Thallus der Baumrinde und Steine bewohnenden Schriftflechten überein (vgl. Flechten).

Chrotta, eins der ältesten Streichinstrumente, das bereits der Dichter Venantius Fortunatus (6. Jahrh.) erwähnt. Es scheint, daß die C. (crwth, crowd, crouth, cruit) ursprünglich ein britannisches Instrument war, das in seiner eigentümlichen Form sich nur in Großbritannien und in der Bretagne längere Zeit gehalten hat, während es sich in Frankreich und Deutschland schnell umbildete. Von den hier seit dem 9. Jahrh. vorkommenden Streichinstrumenten (Lyra, Rebeca, Rubeba, Viella) unterscheidet es sich durch das Fehlen des Halses. Der viereckige Schallkasten setzt sich vielmehr in einen Bügel fort, in dessen Mitte oben die Saitenwirbel eingefügt sind; die Saiten (fünf) laufen teils über, teils neben einem schmalen Griffbrett (ohne Bund), das vom Bügel bis fast in die Mitte des Schallkastens reicht. Schalllöcher und Steg sind gleichfalls vertreten. Die C. existierte noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts in ihrer alten Gestalt bei der Landbevölkerung in Irland, Wales und in der Bretagne.

Chrudim, Stadt im östlichen Böhmen, liegt in fruchtbarer Gegend an der Chrudimka, welche oberhalb Hlinsko entspringt und nach 82 km langem Lauf bei Pardubitz in die Elbe mündet, und an der Nordwestbahn (Linie Deutschbrod-Pardubitz), ist gut gebaut, hat 5 Kirchen, ein Kapuzinerkloster und (1880) 11,886 Einw. Die ziemlich rege Industrie beschäftigt eine Zucker-, eine Spiritus-, eine Kunstdünger-, eine Drahtstiftfabrik, mehrere Dampf- und Kunstmühlen, eine große Bierbrauerei mit Malzfabrik, eine Dampfsäge, eine Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen und ausgebreitete Lohgerbereien. Auch werden hier größere Pferdemärkte abgehalten. C. hat ein Oberrealgymnasium, eine Ackerbauschule, eine Fachschule für Holzindustrie, eine Handelslehranstalt und ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts und einer Finanzbezirksdirektion. Es ist Geburtsort des Erfinders der Schraubendampfschiffe, J. ^[Josef] Ressel.

Chrupsie (Chroopsie), verkümmert aus Chromopsie, das Farbensehen (s. d.).

Chryolith, s. v. w. Kryolith.

Chrysalis (Chrysalide, griech., "Goldpuppe"), die Puppe der Dornraupe, welche gewöhnlich mit Gold- oder Silberflecken geziert ist, daher der Name; dann überhaupt s. v. w. Puppe, s. Insekten.

Chrysaminsäure (Polychromsäure, Aloesäure) C14H4N4O12^[C_{14}H_{4}N_{4}O_{12}] entsteht bei der Einwirkung von Salpetersäure auf Aloe oder Chrysophansäure, bildet gelbe Kristalle, schmeckt sehr bitter, löst sich in Alkohol, schwer in Wasser, färbt dasselbe aber purpurrot, verpufft beim Erhitzen und bildet mit Basen schwer lösliche, grün metallisch glänzende oder purpurrote, beim Erhitzen verpuffende Salze. Beim Kochen mit einem alkalischen Sulfid gibt es eine tiefblaue Flüssigkeit, aus welcher kupferrotes, in durchfallendem Licht blaues Hydrochrysamid kristallisiert. C. färbt Wolle dunkelbraun, Seide purpurbraun; das Natronsalz gibt auf Wolle schönes Zimtbraun; mit essigsaurer Thonerde gebeizte Gewebe färben sich in C. schön violett, doch ist die Farbe nicht echt.

Chrysander, Friedrich, Musikhistoriker, geb. 8. Juli 1826 zu Lübtheen im Mecklenburgischen, studierte in Rostock Philosophie und lebte, nachdem er hier philosophische Doktorwürde erworben, längere Zeit im Ausland, namentlich in England. Nach Deutschland zurückgekehrt, hielt er sich teils zu Lauenburg, teils zu Vellahne in Mecklenburg auf; seit 1866 hat er seinen Wohnsitz zu Bergedorf bei Hamburg. Chrysanders Hauptwerk ist die noch unvollendete Biographie Händels (Leipz. 1858-67, Bd. 1-3, erste Hälfte), die zu den bedeutendsten Leistungen auf musikgeschichtlichem Gebiet gehört. Außerdem schrieb er "Über die Molltonart im Volksgesang und über das Oratorium" (Schwerin 1853), gab die "Jahrbücher für Musikwissenschaft" (Leipz. 1863-67, 2 Bde.; nicht fortgesetzt) sowie von 1885 an mit P. Spitta die "Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft" heraus und lieferte Aufsätze verschiedenen Inhalts in die Leipziger "Allgemeine musikalische Zeitung", deren Redaktion er mit Unterbrechung der Jahre 1871-75 von 1868 bis zu ihrem Eingehen (1882) geführt hat. Als Musikhistoriker allgemein anerkannt, hat sich C. dagegen durch seine hervorragende Beteiligung an der von der Deutschen Händel-Gesellschaft unternommenen Herausgabe der Werke Händels sowie durch die von ihm veranstalteten Ausgaben älterer Meister, wie Corelli, Couperin, Carissimi, Rameau etc., in den "Denkmälern der Tonkunst" den gerechten Tadel der Sachverständigen zugezogen, da es ihm an der für die tonkünstlerische Praxis notwendigen spezifisch musikalischen Beanlagung und Bildung fehlt. Vgl. J. ^[Julius] Schäffer, Friedrich Chrysanders Klavierauszüge zur deutschen Händel-Ausgabe (in der "Allgemeinen deutschen Musikzeitung" 1876, Nr. 7 ff.).

Chrysanilin, s. Anilin, S. 592.

Chrysanthemum L. (Goldblume, Wucherblume), Gattung aus der Familie der Kompositen, meist einjährige oder ausdauernde Kräuter, selten Halbsträucher in Europa, Nord- und Mittelasien, auch in Nordamerika und Nordafrika. Eine einjährige Art, C. carinatum Schousb., mit weißen Strahl- und schwarzroten Scheibenblumen, aus Marokko und Nordafrika, wird in vielen Varietäten mit ein- und mehrfarbigen, einfachen und gefüllten Blüten als Zierpflanze kultiviert, ebenso C. coronarium L., C. inodorum L., var. plenissimum u. a. C. Leucanthemum L. (gemeine Wucherblume, große Maßliebe, große Gänseblume, Johannisblume, Marienblume), mit weißen Strahl- und gelben Scheibenblütchen, ist durch ganz Europa auf Wiesen und Rainen gemein und ausdauernd und wurde früher arzneilich benutzt. Die zarten Sprosse werden in Italien als Salat gegessen. C. segetum L., mit ansehnlichen, goldgelben Strahl- und Scheibenblüten, ist ein in manchen Gegenden überaus lästiges, schwer ausrottbares Unkraut unter der Saat, besonders im nördlichen Deutschland, dessen Bekämpfung durch polizeiliche Maßregeln gesichert werden

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen]