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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Claudius; Claudius von Turin

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Claudius - Claudius von Turin.

merkwürdig durch den Bau der großen Wasserleitung und der Appischen Straße, der ersten Kunststraße Roms. Im höhern Greisenalter erblindet, zog er sich von den öffentlichen Geschäften zurück. Als aber 280 Pyrrhus nach seinem Sieg über Valerius Lävinus den Cineas nach Rom sandte, um den Römern Frieden und Freundschaft anzutragen, ließ sich C. in den Senat tragen und bewog diesen, der sich schon willfährig gezeigt hatte, zu dem Bescheid: erst müsse Pyrrhus den Boden Italiens geräumt haben, dann möge er um Frieden bitten.

4) Publius C. Pulcher, Sohn des vorigen, war Konsul 249 v. Chr. und befehligte die römische Flotte, als die Römer während des ersten Punischen Kriegs Lilybäum belagerten. Da seiner Absicht, die karthagische Flotte unter Adherbal im Hafen von Drepanum zu überfallen, die heiligen Hühner, die nicht fressen wollten, ungünstig waren, rief C.: "Wollen sie nicht fressen, so mögen sie trinken!" und ließ sie ins Meer werfen. Er wurde aber von den Karthagern völlig geschlagen und verlor fast seine ganze Flotte. Vom Senat abberufen und mit der Ernennung eines Diktators beauftragt, ernannte er dazu den Claudius Glicia, den Sohn eines seiner Freigelassenen, einen verächtlichen Menschen, der sogleich wieder abgesetzt werden mußte. C. wurde daher von zwei Tribunen des Hochverrats angeklagt, seine Verurteilung aber durch ein Gewitter, das während der Komitien ausbrach, abgewendet. Infolge einer spätern Klage verurteilte ihn das Volk zu einer Geldstrafe. Im J. 246 lebte er nicht mehr; er endete, wie es heißt, durch Selbstmord.

Claudius, 1) Tiberius C. Nero, röm. Kaiser, s. Tiberius.

2) Tiberius C. Drusus Nero Germanicus, der vierte röm. Kaiser (41-54 n. Chr.), Sohn von des Augustus Stiefsohn Drusus und der Antonia, Neffe des Kaisers Tiberius. Im J. 9 v. Chr. zu Lugdunum (Lyon) geboren, ward er als geistig schwach von Augustus und Tiberius zurückgesetzt und erst von Caligula zu hohen Ämtern befördert. Nach dem Tode des Caligula wurde er aus einem Versteck hervorgezogen und von den Prätorianern zum Kaiser ausgerufen, was der Senat genehmigen mußte. C. war persönlich wohlgesinnt, aber zu unselbständig und wurde ganz von seinen Frauen und Freigelassenen beherrscht. Er interessierte sich namentlich für die Rechtspflege, die er persönlich mit übertriebenem Eifer ausübte, verfaßte, jedoch ohne Urteil und Geschmack, mehrere historische Werke, zeigte sich auch populär und bescheiden, vermochte aber nicht dem sittenlosen Treiben seiner Frauen Messalina und Agrippina Einhalt zu thun und wurde von diesen wie von seinen Freigelassenen Pallas und Narciß zu vielen Grausamkeiten verleitet. Unter seiner Regierung wurde die von Caligula begonnene Wasserleitung (aqua Claudia) vollendet, ein Ableitungskanal am Fuciner See gebaut und der Hafen von Ostia wiederhergestellt. Seine Heere waren nach außen siegreich: Mauretanien ward zur römischen Provinz gemacht, die Eroberung Britanniens begonnen. Er begab sich 43 selbst dahin und feierte dann einen Triumph wegen der Siege, die seine Feldherren dort erfochten hatten (daher sein Beiname Britannicus). Er wurde 54 von seiner Gemahlin Agrippina, um ihrem Sohne Nero die Nachfolge zu sichern, vergiftet. Vgl. Lehmann, C. und seine Zeit (Gotha 1858).

3) Gajus C. Nero, röm. Kaiser, s. Nero.

4) C. II., Marcus Aurelius C. Gothicus, röm. Kaiser 268-270 n. Chr., von ungewisser Herkunft, wurde als tapferer Offizier nach dem Tode des Kaisers Gallienus von den Soldaten zum Augustus erhoben, besiegte zuerst die Alemannen, die bis an den Gardasee vorgedrungen waren, und begab sich sodann nach Rom, wo er eifrig bemüht war, die Ordnung wiederherzustellen und Gerechtigkeit zu handhaben. Im folgenden Jahr erfolgte ein furchtbarer Einfall der Goten, deren einer Teil die Donauländer, der andre die Küsten des Ägeischen Meers verheerte. C. wandte sich gegen die erstern und erfocht bei Naissus in Mösien einen glänzenden Sieg. Er führte seitdem den Beinamen Gothicus. C. starb 270 zu Sirmium, wo er den Winter mit einem Heer zur Beobachtung der Goten zubrachte, an der Pest, 56 Jahre alt.

Claudius, Matthias, Dichter und Volksschriftsteller, geb. 2. Jan. 1743 zu Reinfeld im Holsteinischen, studierte in Jena und privatisierte dann längere Zeit zu Wandsbeck bei Hamburg, wo er 1770-75 unter dem Namen Asmus eine Zeitung, den "Wandsbecker Boten", herausgab. Von 1776 bis 1777 bekleidete er die Stelle eines Oberlandeskommissars zu Darmstadt und kehrte dann nach Wandsbeck zurück. Ohne diesen ihm lieb gewordenen Aufenthalt zu verlassen, wurde er 1778 Revisor bei der Schleswig-Holsteinischen Bank in Altona. Erst in seiner letzten Krankheit ließ er sich nach Hamburg in das Haus seines Schwiegersohns Perthes bringen, wo er 21. Jan. 1815 starb. C. trat als Schriftsteller zuerst mit "Tändeleien und Erzählungen" (Jena 1763) auf. Seine prosaischen Aufsätze, Erzählungen, Fabeln, Epigramme, Gedichte etc. wurden zuerst durch Musenalmanache, dann durch seine Zeitschrift "Der Wandsbecker Bote" bekannt. Er selbst veranstaltete eine Sammlung seiner Werke unter dem Titel: "Asmus omnia sua secum portans, oder: Sämtliche Werke des Wandsbecker Boten" (Hamb. u. Wandsbeck 1775, 2 Tle.; Hamb. 1790-1812, 8 Tle.; 12. Aufl., Gotha 1882, 2. Bde.). Außerdem übersetzte er englische und französische Werke (z. B. Fénelon). C., dessen Anschauungen der wunderbaren Verbindung des kraftgenialen Dranges der 70er Jahre und des aus älterer Zeit stammenden gemütsinnigen Pietismus entstammen, war einer der ersten unter den deutschen Schriftstellern, die mit Bewußtsein auf das Volk zu wirken suchten und unbewußt zugleich eine litterarische Bedeutung erhielten, die für alle Klassen verständlich und genießbar, zugleich naiv einfach und geistreich zu schreiben wußten, und deren volkstümlicher Witz nie in das Gemeine und Flache herabsank. Bieder, derb, kräftig, witzig, scharf satirisch, war er doch auch wieder gemütlich, sinnig, launig und poetisch zart. Das Höchste leistete er im einfach sinnigen und im launigen Lied. Sein Rheinweinlied ("Bekränzt mit Laub"), "Der Mond ist aufgegangen", "Wenn jemand eine Reise thut", "Der Riese Goliath" u. a. wurden mit Recht volkstümlich und offenbaren die ganze Liebenswürdigkeit seiner anspruchslosen und frischen Natur. Mit zunehmenden Jahren verstärkte sich der Zug zum Pietismus in ihm und machte ihn einseitiger und unduldsamer. Vgl. W. Herbst, Matthias C., der Wandsbecker Bote (4. Aufl., Gotha 1878).

Claudius von Turin, reformator. Bischof des 9. Jahrh., war erst Lehrer an der Hochschule Ludwigs des Frommen, wurde dann von diesem 820 nach Turin geschickt, um hier dem Aberglauben und besonders dem Bilderdienst entgegenzuarbeiten, schritt aber bis zur Bekämpfung der kirchlichen Lehren vom Verdienst der guten Werke, der Interzession der Heiligen, der Verdienstlichkeit des Mönchslebens und der Autorität des Papsttums fort; vielfach angefochten,

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