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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Condé

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Condé.

Belagerung der Grenzstadt Dôle aufgeben und vermochte kaum die Hauptstadt Dijon vor Gallas' Truppen zu retten. 1638 focht er an der spanischen Grenze. Nach Ludwigs XIII. Tode trat er an die Spitze des Staatsrats und starb 26. Dez. 1646 in Paris. Vgl. Herzog von Aumale, Histoire des princes de C. 1530 à 1610 (2. Aufl., Par. 1885, 4 Bde.); Henrard, Henri IV et la princesse de C. (Brüss. 1885).

4) Ludwig II. von Bourbon, Prinz von, der große C. genannt, Sohn des vorigen, einer der größten Feldherren seines Jahrhunderts, geb. 8. Sept. 1621 zu Paris, wohnte 1640 der Belagerung von Arras bei, erhielt 1642 den Oberbefehl über die französische Armee in den Niederlanden, schlug die Spanier bei Rocroi 1643, drang in Flandern und Hennegau ein und nahm 20. Aug. Diedenhofen. 1644 zog er nach dem Elsaß, um Guébriant zu verstärken, eilte dann Turenne zu Hilfe und errang 3. Aug. 1645 bei Allersheim unweit Nord lingen einen großen, aber mit schweren Opfern erkauften Sieg; er selbst wurde verwundet und mußte nach Frankreich zurückkehren. 1646 kommandierte er in den Niederlanden gegen die Spanier und eroberte Dünkirchen. Der Tod seines Vaters machte ihn zum Haupt seines Hauses und nächst dem Herzog von Orléans zum ersten Mann Frankreichs. 1647 focht er ohne Glück in Katalonien, war dagegen 1648 siegreich in den Niederlanden, wo er die Schlacht bei Lens 20. Aug. gewann, worauf er durch die Unruhen der Fronde nach Frankreich zurückgerufen wurde. Er stellte sich auf die Seite des Hofes, schloß, als derselbe 6. Jan. 1649 Paris heimlich verlassen, die Stadt ein und brachte den Vertrag von Ruel (1. April) zu stande. Da er sich aber mit den Häuptern der Fronde überwarf und Mazarin zu stürzen drohte, verbanden sich diese gegen den anmaßenden Prinzen und ließen ihn 18. Jan. 1650 mit seinem Bruder, dem Prinzen Conti, und seinem Schwager, dem Herzog von Longueville, verhaften und nach Vincennes abführen; seine Schwester und ihr Günstling, der Herzog von Larochefoucauld, aber entflohen, und letzterer bewaffnete mit dem Herzog von Bouillon die Stadt Bordeaux wider den Hof. Auch Turenne erklärte sich für die Prinzen und rückte siegreich bis auf eine Tagereise von Vincennes vor, von wo die gefangenen Prinzen nach Le Havre abgeführt wurden. Das Parlament, die Fronde und der Herzog von Orléans forderten die Befreiung der Prinzen, und während Mazarin nach Köln entfloh, trat C. in Paris an dessen Stelle, sah sich aber bald durch die Intrigen der Königin-Mutter und des Kardinals Retz genötigt, Paris zu verlassen, und stellte sich mit Orléans an die Spitze eines Heers, welches, mit den Spaniern vereinigt, von Belgien in Frankreich einrückte. Er behauptete sich 2. Juli 1652 gegen einen Angriff Turennes im Besitz von Paris, verließ es aber 13. Okt., da das Volk von ihm abfiel, und trat als Generalissimus in spanische Dienste. Er wurde darauf als Hochverräter zum Tod verurteilt und seiner Güter und Würden verlustig erklärt, erhielt in dem 1659 mit Spanien geschlossenen Frieden zwar völlige Verzeihung und Wiedereinsetzung in die frühern Würden, jedoch erst 1668 wieder ein selbständiges Kommando und eroberte die Franche-Comté. Als 1672 Ludwig XIV. Holland angriff, befehligte C. ein Korps von 30,000 Mann, nahm 4. Juni Wesel und bewerkstelligte 12. Juni den berühmten Rheinübergang, wurde aber dabei verwundet. Am 11. Aug. 1674 lieferte er den verbündeten Spaniern, Österreichern und Holländern die siegreiche Schlacht bei Seneffe. 1675 erhielt er nach Turennes Tode den Oberbefehl am Oberrhein. Hier nötigte er seinen Gegner Montecuccoli, die Belagerung von Hagenau aufzugeben, und entsetzte Zabern; doch zwang ihn Podagra, vom Kriegsschauplatz abzutreten. Er zog sich auf seinen Landsitz zu Chantilly zurück und starb 11. Dez. 1686 in Fontainebleau. Vgl. La Coste, Histoire de Louis de Bourbon II du nom, prince de C. (Köln 1695; 3. Ausg., Haag 1738); Desormeaux, Histoire de Louis de Bourbon (Par. 1766-68, 4 Bde.); "Essai sur la vie du grand C. par Louis Joseph de Bourbon, son quatrième descendant" (Lond. 1806); Fitzpatrick; Great C. and the period of the Fronde (2. Aufl., das. 1874).

5) Ludwig Heinrich, Prinz von, Herzog von Bourbon und von Enghien, Urenkel des vorigen, Sohn Ludwigs III. von C., geb. 18. Aug. 1692, Pair von Frankreich, Großhofmeister des königlichen Hauses und Gouverneur von Burgund, wohnte den Feldzügen von 1710 und 1711 bei, ward nach Ludwigs XIV. Tod Präsident des Regentschaftsrats, 1716 Präsident des Kriegsrats, 1718 Generalleutnant und erhielt die Oberaufsicht über die Erziehung des jungen Königs. Nach dem Tode des Herzogs von Orléans, 2. Dez. 1723, ward er Premierminister, doch bei seiner Unfähigkeit und Trägheit 1726 durch Fleury verdrängt, gegen welchen er ohne Erfolg konspirierte. Er starb 27. Jan. 1740 in Chantilly.

6) Ludwig Joseph von Bourbon, Prinz von, Sohn des vorigen und der Prinzessin Karoline von Hessen-Rheinfels, geb. 9. Aug. 1736, erhielt, noch nicht vier Jahre alt, das Gouvernement von Burgund, nahm an dem Feldzug von 1757 mit Auszeichnung teil und siegte 30. Aug. 1762 unweit Friedberg über den Erbprinzen von Braunschweig. 1771 unterzeichnete er das Memorial an den König sowie den Protest gegen das Edikt vom Dezember 1770, betreffend die Reorganisation der Parlamente, was ihm Verbannung zuzog. Bald zurückgerufen, lebte er meist in Chantilly, wo er eine gelehrte Gesellschaft um sich versammelte. Die Revolution vertrieb ihn schon 1789 aus Frankreich; er ging nach Brüssel und Turin und bildete 1792 eine Emigrantenarmee, welche sich dem verbündeten Heer bei dem Einfall in Frankreich anschloß. Er kämpfte tapfer, aber ohne erhebliche Erfolge im Elsaß. Nach dem Frieden von Campo Formio 1797 trat C. in russische Dienste und focht 1799 unter Suworow in der Schweiz gegen die französische Republik. Den Feldzug von 1800 machte er unter österreichischen Fahnen mit, ward aber durch den Lüneviller Frieden genötigt, sein Korps aufzulösen, und ging nach England, wo er in Zurückgezogenheit lebte. Am 4. Mai 1814 kehrte er nach Paris zurück und wurde mit Ehren überhäuft. Nach der zweiten Restauration zog er sich nach Chantilly zurück, wo er bis an seinen Tod 13. Mai 1818 in Zurückgezogenheit lebte. Er erbaute das Palais Bourbon, in welchem die Deputiertenkammer tagt. Er schrieb: "Essai sur la vie du grand C." (Lond. 1806). Vgl. Chamballand, Vie de Louis Joseph, duc de C. (Par. 1819-20, 2 Bde.).

7) Ludwig Heinrich Joseph, Prinz von, Sohn des vorigen, geb. 13. April 1756, schlug sich 1780 mit dem Grafen von Artois, nachmaligem König Karl X., und ward deshalb nach Chantilly verwiesen. In demselben Jahr trennte er sich von seiner Gemahlin, Luise Marie Therese von Orléans, die er aus dem Kloster entführt und die ihm den unglücklichen Herzog von Enghien geboren hatte, unternahm 1782 mit dem Grafen von Artois die Belagerung von Gibraltar und ward Marschall. Später kämpfte er mit

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