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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cordeiro; Cordeliers; Cordes; Cordevole; Cordia; Cordicolae; Cordier

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Cordeiro - Cordier.

Charlotte C. (Par. 1838); Vatel, Charl. C. et les Girondins (das. 1872, 3 Bde.).

Cordeiro, 1) João Ricardo, portug. Theaterdichter, geb. 5. März 1836, wurde nach zurückgelegten Studien Professor an der königlichen Militärschule, ward dann als Generalsekretär der Zivilverwaltung von Villa Real angestellt, 1863 zum Sekretär der Wohlthätigkeitsbehörde und 1877 zum Rat im Ministerium des Innern ernannt, als welcher er 12. Febr. 1881 starb. Außer auf seinem Berufsfeld war er auch als beliebter Feuilletonist schriftstellerisch thätig; am bekanntesten wurde er durch seine Theaterstücke. Seine erste Bühnenarbeit war das vieraktige Drama "Fernando" (1857), dem "Amor e arte" (1860), "A sociedade elegante" (1862), "A familia" (1869), "Um cura d'almas" (1870), "Os paraizos conjugaes" (1874) u. a. folgten. Seine Stücke zeichnen sich durch glänzende und reine Sprache aus, die ihn auch zu einem der besten portugiesischen Übersetzer stempelte. Als solcher hat er namentlich Scribe, Hugo, Musset, Feuillet und Legouvé für die Bühne seiner Heimat bearbeitet. Er starb 12. Febr. 1881.

2) Luciano, einer der vielseitigsten Schriftsteller Portugals, geb. 21. Juni 1844 zu Mirandella (Traz os Montes), war erst in der portugiesischen Marine thätig, verließ diese dann, um sich dem Journalismus zu widmen, und wurde später Mitbegründer der Geographischen Gesellschaft zu Lissabon (deren Sekretär er gegenwärtig ist) sowie Professor der Philosophie am Militärkolleg. Er machte dabei Reisen durch ganz Europa, die ihm Stoff zu nationalökonomischen und andern wissenschaftlichen Arbeiten lieferten, und redigierte 1879-80 den "Commercio de Lisboa", sodann den "Diario de Lisboa", nachdem er früher bereits an verschiedenen Zeitschriften als Redakteur oder Mitarbeiter thätig gewesen. Außer Schriften über die Bankfrage und seinen Reiseberichten ("Viagens", 1874-75, 2 Bde.) veröffentlichte er "Livro de critica", eine Sammlung geistvoller ästhetisch-kritischer Essays (1869-71, 2 Bde.), und die französisch geschriebenen Werke: "De la part prise par les Portugals dans la découverte de l'Amérique" (1875) und "L'hydrographie africaine" (1879). Im J. 1879 weilte C. in Rio de Janeiro im Interesse seines Landes bei der dortigen Ausstellung.

Cordeliers (franz., spr. kord'ljeh, "Strickträger"), in Frankreich die regulierten Franziskaner, so genannt nach ihrer Tracht; während der französischen Revolution Name eines politischen Klubs, welcher 1790 als eine Sektion des Jakobinerklubs gegründet wurde und an dessen Sitzungen und Beschlüssen teilnahm, aber radikaler war und sich auf die untersten Volksmassen stützte. Die C. hielten ihre Versammlungen in einem Franziskanerkloster ab. Ihre Führer waren Danton, Desmoulins, Marat, Hébert und Chaumette. Sie betrieben besonders den Sturz des Königtums und die Errichtung der Republik, teilten sich während des Konvents mit den Jakobinern in die Herrschaft, indem sie mit diesen die Partei des Bergs bildeten, wurden aber 1794 von Robespierre gestürzt und ihre Häupter 24. März und 5. April hingerichtet.

Cordes (spr. kord), Stadt im franz. Departement Tarn, Arrondissement Gaillac, am Cérou, mit (1876) 2115 Einw., welche sich vorzugsweise mit Leinwandfabrikation beschäftigen, eine derjenigen Städte Frankreichs, welche mit den Resten alter Befestigungswerke und ihren Häuserfassaden am meisten ihr mittelalterliches Aussehen bewahrt haben.

Cordevole (spr. kordewole), Fluß in der ital. Provinz Belluno, entspringt in den Tiroler Dolomitalpen nördlich von der Marmolata, durchfließt den kleinen Alleghesee und das Agordothal und mündet nach 78 km langem Lauf bei Mel in den Piave, der erst seit dem Mittelalter, durch Felsstürze aus seinem alten Laufe von Capo di Ponte bis Serravalle verdrängt, das Bett des C. zu dem seinigen gemacht hat.

Cordia Plum. (Kordie, Brustbeerbaum), Gattung aus der Familie der Asperifoliaceen, Bäume, und Sträucher mit gestielten, einfachen, lederartigen, abwechselnden Blättern, endständigen Doldentrauben, Trugdolden oder Rispen und vom stehen bleibenden Kelch umhüllten Steinfrüchten. Etwa 180 Arten in wärmern Klimaten, besonders in Südamerika und auf den westindischen Inseln. C. Myza L. (C. officinalis Lam.), mit rundlichen, zugespitzten, ganzrandigen Blättern und kleinen, weißen, wohlriechenden Blüten in doldentraubigen Rispen, ist ein 6-9 m hoher Baum in Ostindien, Arabien und Ägypten. Die eiförmigen, 2,6 cm langen, dunkelgrünen, nach dem Trocknen fast schwarzen Früchte (Sebestenae, Myxae, Jujubae nigrae, Sebesten, schwarze Brustbeeren) haben ein weiches, süßes, schleimiges und angenehm schmeckendes Fleisch und kamen sonst getrocknet nach Europa, indem sie gegen Husten, Heiserkeit und Brustbeschwerden im Gebrauch waren. In ihrer Heimat benutzt man sie als Obst. Die Wurzel dient in Ostindien als gelindes Purgiermittel, die adstringierende Rinde zu Gurgelwassern, und das Holz (Rosenholz), woraus Mumienbehälter der alten Ägypter verfertigt worden sein sollen, eignet sich am besten zum Feuermachen durch Reibung. Auch von C. crenata Del., in Ägypten und Abessinien, und von C. grandiflora R. et Sch., in Südamerika, werden die Früchte gegessen. C. latifolia Roxb., in Indien, wird der genießbaren Früchte halber kultiviert; aus jungen Pflanzen erhält man einen blaßbräunlichen, glanzlosen, ungemein festen Bast, welcher als solcher benutzt wird und durch fortgesetzte Röstung die Narawali fibre liefert, die zu groben Geweben, Seilen, Tauen, Netzen verwendet wird. Eine sehr ähnliche Faser, Gundui fibre, erhält man aus C. angustifolia Roxb. und aus der ihr nahestehenden C. Rothii R. et Sch. C. Sebestena L., ein in Westindien heimischer, immergrüner Baum mit länglich-eirunden, spitzigen, rauhen Blättern, großen, roten Blüten und süßen, birnförmigen, schleimigen, genießbaren Früchten, liefert Rosenholz; ebenso C. scabra Desf., auf Martinique. C. Gerascanthus L., ein 9 m hoher Baum in Bergwäldern Westindiens und Brasiliens, mit weißlichen, geruchlosen Blüten, liefert das Bois de Cypre. Bois de Rhodes, Spanish Elm, Rosenholz.

Cordicolae (lat.), Verehrer des Herzens Jesu, eine jesuitische Brüderschaft von Männern und Frauen, zuerst im 17. und 18. Jahrh. in Frankreich und neuerdings auch in Bayern verbreitet.

Cordier (spr. -djeh), Charles Henri Joseph, franz. Bildhauer, geb. 19. Okt. 1827 zu Cambrai, trat 1846 in die École des beaux-arts zu Paris, wo er unter Fauginet und Rude sich bildete. Da er frühzeitig Vorliebe und Geschick zur Darstellung der verschiedenen Menschenrassen zeigte, sandte ihn die französische Regierung nach Afrika. Er führte seitdem eine große Anzahl orientalischer Statuen und namentlich Büsten aus. 1851 sah man von ihm einen Neger von Timbuktu, 1852 die Büste einer "afrikanischen Venus" und die Gruppe eines chinesischen Ehepaars. In den Bronzebüsten eines Mongolen und einer Mongolin (1853) versuchte er eine reichere Farbenwirkung zu erzielen, welcher Richtung

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