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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dadapbaum; Daduchos; Daeira; Dael; Daendels

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Dadapbaum - Daendels.

entkam nach Sizilien, wo er bei dem König Kokalos Aufnahme fand; der ihn auch hierher verfolgende Minos wurde von Kokalos oder dessen Töchtern in einem warmen Bad erstickt (s. Minos). D. führte in Sizilien verschiedene Wasser- und andre Bauten aus und ging dann mit Aristäos nach Sardinien, wo er für den König Iolaos großartige Werke (die Dädaleen) ausführte. Zu Capua und Cumä in Unteritalien errichtete er dem Apollo Tempel. Selbst in Ägypten läßt ihn die Sage herrliche Proben seiner Kunst geben, z. B. ein Propylon am Hephästostempel zu Memphis und ein Holzbild im Tempel selbst. Von den zahlreichen auf D. zurückgeführten statuarischen Arbeiten sah Pausanias noch einen Herakles zu Theben und zu Korinth, eine Athene in Knosos u. a., lauter Holzbilder im steifen ägyptischen Stil, aber lebensvoller als die ägyptischen Vorbilder. Auch für Zimmermann und Schiffer soll D. manches (z. B. Axt, Säge, Bohrer, Segelstangen) erfunden haben. D. ist nicht eine historische Person, sondern ein Gesamtname, auf den das Altertum die ältesten Erzeugnisse der Architektur, Holzschneidekunst und die nützlichsten technischen Erfindungen, deren Urheber unbekannt waren, zusammentrug. Gerade die auf Kreta ihm zugeschriebenen Werke sind aber derart, daß sie auf einen kosmischen Bildner, auf einen Gott deuten, wie denn der Dichter Pindaros geradezu den Namen D. für Hephästos setzte. Auf Ähnliches leiten die attischen Sagen von der Abstammung des D. von Erechtheus, mit dessen Beziehungen zur Athene, auf Ähnliches endlich die wesentliche Identität des D. mit unserm "Wieland dem Schmied", wie sie A. Kuhn in der "Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung" (Bd. 4, S. 95) überzeugend nachweist. Auf den Denkmälern finden sich drei Szenen der Dädalossage behandelt: das Zimmern der hölzernen Kuh, das Anfertigen der Flügel (Relief in Villa Albani bei Rom, s. Abbildung) und die Katastrophe des Ikaros, den D. am Ufer betrauert (häufig in pompejanischen Wandbildern).

^[Abb.: Dädalos und Ikaros, Relief in Villa Albani (Rom).]

Dadapbaum, s. Erythrina.

Daduchos (griech.), Fackelträger, Beiname der Mondgöttin (Artemis), der die verlorne Tochter mit Fackeln suchenden Ceres etc.; insbesondere Name des zweiten Oberpriesters bei den eleusinischen Mysterien, dessen Amt in mehreren athenischen Familien erblich war. Vgl. Eleusinien.

Daeira (Daira), in der griech. Mythologie ein göttliches Wesen der eleusinischen Geheimlehre, Tochter des Okeanos, oft der Persephone gleichgesetzt.

Dael (spr. dahl), Jan van, niederländ. Blumen- und Früchtemaler, geb. 27. Mai 1764 zu Antwerpen, arbeitete seit 1786 in Paris, wo ihn der Hof von Napoleon I. bis Karl X. mit Bestellungen überhäufte, und starb 20. März 1840. Zwei große Bilder von ihm, das Opfer der Flora und das Grabmal der Julie, sind in der Leuchtenbergschen Galerie zu St. Petersburg; andre befinden sich in Parma, im Lyoner Museum, im Louvre etc.

Daendels (spr. dahn-), Hermann Wilhelm, niederländ. General, geb. 21. Okt. 1762 zu Hattem im Geldernschen, nahm als Anhänger der Patrioten an den 1787 in den Niederlanden ausgebrochenen Unruhen Anteil, mußte daher, als die Sache der Patrioten unterlag, fliehen und unternahm in Dünkirchen glückliche Handelsspekulationen. 1793 leistete er als Oberstleutnant dem General Dumouriez bei dessen Zuge gegen Holland bedeutende Dienste, wurde 1794 Brigadegeneral, nahm bei dem neuen Zuge gegen Holland unter Pichegru (1795) die Insel Bommel und das Fort St. Andreas, trat nach der Proklamation der Batavischen Republik als Divisionsgeneral in deren Dienste und übte bei den Regierungs- und Verfassungsveränderungen einen bedeutenden Einfluß aus. Als Gegner der demokratischen Partei, die am Ruder war, ging er nach Paris und ward von hier vom französischen Direktorium wieder nach Holland gesandt, um für die Aristokratie eine neue Revolution einzuleiten, was ihm auch gelang. Mit dem General Brune operierte er 1799 in Nordholland mit Erfolg gegen die Engländer und Russen, worüber zu vergleichen sein "Rapport des opérations du lieutenant-général D., depuis le 22 août jusqu'à la capitulation de l'armée anglaise et russe, le 18 oct. 1799". Anfeindungen bewogen ihn, 1803 seine Entlassung zu nehmen. Beim Ausbruch des Kriegs von 1806 erhielt er vom König von Holland das Kommando einer Division und bemächtigte sich im Oktober Ostfrieslands und Westfalens, wofür er zum General der Kavallerie und im Februar 1807 zum Marschall von Holland und Generalgouverneur der ostindischen Besitzungen ernannt wurde, die er von 1808 bis zur englischen Invasion 1811 mit Umsicht und Energie verwaltete. Mehrerer Willkürlichkeiten angeklagt, ward er zurückgerufen und veröffentlichte 4 Bände Akten-^[folgende Seite]