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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dagobert; Dagon; Dagopa; Dagoumer; Dagsburg; Dagstuhl; Daguerre; Daguerreotypie; Daguet; Dahabîye

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Dagobert - Dahabiye.

Meerenge, den Söälosund, getrennt ist (s. Karte "Livland etc."). Sie ist von N. nach S. 47 km lang, von O. nach W. etwa 55 km breit und hat 955 qkm (17 QM.) Flächeninhalt. Ihre Küsten sind durch Welleneinspülung sehr zerrissen und überall von Untiefen, Sandbänken und kleinen Eilanden umgeben, wodurch die Schiffahrt in der Nähe ihrer Ufer sehr gefährlich wird. Auf der äußersten Spitze des westlichen Vorgebirges, Dagerort genannt, steht deshalb ein Leuchtturm. Die Insel ist meist eben und zeigt eine Abdachung von S. nach N.; an der Nordostküste und im Innern sind große Sümpfe (zusammen 14,000 Hektar), in denen man viele erratische Blöcke findet. Da das Erdreich im N. meist steinig ist und Wälder mehr als ein Viertel der Insel bedecken (besonders Fichten), ist nur der südliche und südwestliche Teil, der einen fruchtbaren, mergelhaltigen Boden zeigt, zum Anbau von Getreide geeignet, obwohl auch dieser hinter der Wiesenkultur bedeutend zurücksteht. Die 15,000 Bewohner bestehen zu 2/3 aus Esthen, zu 1/3 aus Schweden und Deutschen und nähren sich von Ackerbau, Viehzucht, Fisch- und Robbenfang, Holzfällen, Kalkbrennen und einigem Handel, der sich in den beiden kleinen Hafenplätzen Hohenholm und Tiefenhafen konzentriert. D. ward 1645 von Dänemark an Schweden und 1721 von letzterm an Rußland abgetreten.

Dagobert, fränk. Könige aus dem Geschlecht der Merowinger: 1) D. I., Sohn Chlotars II., König von 628 bis 638, war zu schwach, um dem Majordomus Pippin von Landen das Gegengewicht zu halten, doch der letzte Merowinger, der noch einigermaßen selbständig regierte, schändete aber seine sonst gerechte Regierung durch den Mord von 10,000 Bulgarenfamilien, die vor den Avaren bei ihm Schutz suchten, und kämpfte unglücklich gegen die Slawen. Vgl. Double, Le roi D. (Par. 1879); Albers, König D. in Geschichte, Legende und Sage (Kaisersl. 1884).

2) D. II., Sohn des austrasischen Schattenkönigs Siegbert, Enkel des vorigen, ward nach dem Tod seines Vaters 656 von Pippins Sohn Grimoald in ein irländisches Kloster gesendet, jedoch 674 von den Austrasiern nach ihres Königs Childerich Tod auf den Thron erhoben, aber 678 ermordet.

3) D. III., Sohn Childeberts III., folgte diesem 711 als Schattenkönig und starb 715.

Dagon, Hauptgottheit der alten Philistäer, als Schöpfungsprinzip, als beherrschende Macht über Menschenleben und Schicksal verehrt, den Saaten und dem Ackerbau vorstehend. Erwähnt werden Tempel zu Asdod und zu Gaza. Sein Bild, sonst menschlich, hatte einen Fischrumpf (jedenfalls, um die Idee der Fruchtbarkeit anzudeuten). Sein weibliches Seitenstück war die Derketo (s. d.).

Dagopa, s. Tope.

Dagoumer (spr. -gumeh), Guillaume, franz. Philosoph, geboren um 1650 zu Pont-Audemer, gest. 1745 in Courbevoie als Rektor der Pariser Universität, welche er in seiner Schrift "Requêtes de l'université de Paris" (1724) gegen die Jesuiten verteidigte. Doch wußten letztere die Unterdrückung seiner Schriften durchzusetzen. Er führte einen ungeregelten Lebenswandel und ward deshalb von Lesage in seinem "Gil Blas" unter dem Namen Guyomar vorgeführt.

Dagsburg (franz. Dabo), Dorf im deutschen Bezirk Lothringen, Kreis Saarburg i. Lothr., Kanton Pfalzburg, in schöner Gegend des Wasgenwaldes, 13 km von der Eisenbahnstation Lützelburg, mit Sägemühlen und (1880) 2757 Einw. Darüber stand einst auf einem 532 m hohen Sandsteinfelsen das Schloß der Grafen von D., welches 1677 von den Franzosen zerstört wurde. Die Grafschaft D. gehörte seit 1049 einer Nebenlinie des herzoglichen Hauses von Niederlothringen, kam um 1300 durch Heirat an die Grafen von Leiningen und wurde 1679 französisches Lehen, doch erst im Lüneviller Frieden (1801) definitiv an Frankreich abgetreten.

Dagstuhl, ehemalige reichsunmittelbare Herrschaft mit Schloß im preuß. Regierungsbezirk Trier, Kreis Merzig, am Fuß des Hochwaldes unweit der Saar; Hauptort derselben ist der Flecken Wadern (s. d.).

Daguerre (spr. -gähr), Louis Jacques Mandé, Maler, geb. 1789 zu Cormeilles in der Normandie, bildete sich unter Degoti und lieferte für die Pariser Theater Dekorationen von bisher nicht gesehener Schönheit. Mit dem Maler Bouton konstruierte er 1822 das Diorama, welches sehr beifällig aufgenommen wurde. Seine weitern Bemühungen bezogen sich hauptsächlich auf die Fixierung des Bildes in der Camera obscura, blieben aber zunächst erfolglos. Im J. 1826 verband er sich zu diesem Zweck mit Joseph Nicéphore Nièpce, einem reichen Privatmann, welcher schon seit 1814 ähnliche Versuche angestellt hatte. Beide arbeiteten nun gemeinsam, und 1829 verbanden sie sich durch einen gerichtlichen Akt zur weitern Verfolgung ihrer Erfindungen. Nièpce starb aber 3. Juli 1833, und wie aus den Kontrakten seines Sohns mit D. hervorgeht, verbesserte dieser nun die bisherigen Methoden sehr wesentlich. Das Resultat seiner Bemühungen wurde 1839 durch Arago bekannt gemacht, und auf dessen und Gay-Lussacs Antrag erhielt D. eine jährliche Pension von 6000 und die Erben von Nièpce eine solche von 4000 Frank, während das Verfahren der Daguerreotypie durch die französische Akademie veröffentlicht wurde. D. starb 12. Juli 1851 in Petit-Brie bei Paris. Er schrieb: "Historique et description des procédés du daguerréotype et du diorama" (Par. 1840 u. öfter); "Nouveau moyen de préparer la couche sensible des plaques destinées à recevoir les images photographiques. Lettre à M. Arago" (das. 1844; deutsch, Köln 1844). Vgl. Ernouf, Les inventeurs du gaz et de la photographie (Par. 1885).

Daguerreotypie (spr. -gär-), s. Photographie.

Daguet (spr. dagäh), Alexander, schweizer. Historiker und Pädagog, geb. 12. März 1816 zu Freiburg, war 1837-43 Professor der Geschichte an der dortigen Zentralschule, dann, wegen seiner liberalen Ansichten entlassen, Direktor des Lehrerseminars im Berner Jura, 1848-57 Direktor der Kantonschule von Freiburg und Vizepräsident des Rats für öffentlichen Unterricht und ist seit 1866 Professor an der Akademie zu Neuchâtel. Daguets Hauptwerk ist die "Histoire de la confédération Suisse" (7. Aufl., Neuchâtel 1879; deutsch, Aarau 1867). Von seinen übrigen Schriften nennen wir: "Biographie de Guillimann" (Freiburg 1843); "Cornélius Agrippa chez les Suisses" (1846); "Études sur l'histoire littéraire de la Suisse avant le X. siècle" (1847); "Revue des principaux écrivains de la Suisse française" (1857); "De l'enthousiasme de la Suisse pour la cause de Neuchâtel" (1858); "Abrégé de l'histoire de la confédération Suisse" (1871); "Manuel de pédagogie ou d'éducation" (4. Aufl. 1881). D. redigierte auch eine Zeitlang die pädagogische Zeitschrift "Emulation" und später den "Educateur".

Dahabîye (arab., "die Goldene"), langes, schmales Nilschiff mit Verdeck und Kajütte (Kabine), deren Boden unter der Wasserlinie liegt.