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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dalavadia; Dalayrac; Dalberg

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Dalavadia - Dalberg.

den einen kraftvollen, großen, wohlgebauten, schlanken Schlag einfacher und biederer, abgehärteter und arbeitsamer Menschen, die sich durch Patriotismus, freien Sinn, Tapferkeit, Gastfreundschaft und Festhalten an ihren angestammten Rechten auszeichnen. Beide Geschlechter lassen das blonde Haar über die Schultern herabhängen. Die Männer tragen einen niedrigen, runden Hut mit breitem Rand, weiße oder blaue Überröcke, blaue Strümpfe und Schuhe, im Winter Pelze; Frauen und Mädchen weiße leinene Jacken und Häubchen, weiße stehende Halskragen, farbige wollene Schürzen und rotwollene Strümpfe. Die Schuhe haben hohe Absätze und meist Sohlen aus Birkenrinde. Die Wohnhäuser sind mit Schindeln gedeckt und rot angestrichen. Die Dalekarlier sprechen ihren eignen Dialekt; übrigens ist ihnen auch das Runenalphabet geläufig, und noch im vorigen Jahrhundert (ja wohl hier und da noch jetzt) gebrauchten sie den altnordischen Runenstab als immerwährenden Kalender. Die Dalekarlier reden jedermann, selbst den König, vertraulich mit Du an. Außer dem Ackerbau herrscht rege Hausindustrie, in welcher besonders Webekämme, Wanduhren, hölzerne Geräte, Sensen, Sägen, Schleifsteine und künstliche Haararbeiten gefertigt werden. Im Frühjahr wandern viele aus, um in andern Provinzen Schwedens Arbeit zu suchen. In der schwedischen Geschichte spielen diese Bauern eine große Rolle. An ihrer Tapferkeit brachen sich mehrmals die gegen Schwedens Freiheit gerichteten Angriffe, und Gustav Wasa, Gustav Adolf und Karl XII. hatten ihnen oft ihre Siege zu danken.

Dalavadia, im Mittelalter bis gegen Ausgang des 12. Jahrh. eine Landschaft in Irland, welche den größten Teil der jetzigen Grafschaft Down und die südliche Hälfte von Antrim umfaßte.

Dalayrac (spr. dalärack), Nicolas, s. Alayrac.

Dalberg, altes und hochangesehenes Geschlecht, das seinen Ursprung von einem Römer, Gajus Marcellus, einem Verwandten von Christus, ableitete, ursprünglich Kämmerer von Worms genannt nach dem ihnen erbeignen Kämmereramt des Hochstifts Worms. Heribert, Kämmerer von Worms, ward 990 Erzbischof von Köln, krönte 1002 Kaiser Heinrich II., starb 16. März 1021 und ward später kanonisiert. Bedeutend erhöht wurde die Macht des Geschlechts durch den Ritter Gerhard, Kämmerer von Worms, welcher 1318 durch seine Gemahlin Greta von D. die bedeutenden Güter nebst dem Namen dieser alten Familie (von einer im kurpfälzischen Oberamt Kreuznach gelegenen Burg D. oder Dalburg) an die seinige brachte, so daß fortan die Kämmerer von Worms, genannt D., mit Fürsten wetteifern konnten. "Ist kein D. da?" fragte seit Maximilian I. bei jeder deutschen Kaiserkrönung der Herold, worauf der anwesende Sprößling des Geschlechts vom Kaiser den ersten Ritterschlag erhielt, eine Ehre, die in alten den Habsburgern geleisteten Diensten ihren Ursprung haben soll. Den Freiherrentitel bekam das Geschlecht 1654. Das Geschlecht besteht noch in einer Speziallinie (Heßloch). Viele Mitglieder der Familie bekleideten hohe weltliche und geistliche Würden. Besonders nennenswert sind:

1) Johann, Kämmerer von Worms, genannt von D., eifriger Beförderer der wieder auflebenden Wissenschaften in Deutschland, geb. 1445, brachte als Kanzler des Kurfürsten Philipp von der Pfalz die Universität Heidelberg zu ihrer höchsten Blüte und ward 1482 unter dem Namen Johann III. Bischof von Worms. Die Berufung des Rudolf Agricola nach Heidelberg, die Gründung der Universitätsbibliothek, die Errichtung der Neuen Börse, eines besondern Kollegiums für Juristen zur Beförderung des Studiums der bürgerlichen Rechte waren Dalbergs Werk. Er war Vorsteher der von dem Humanisten Celtes gestifteten Societas Celtica und stand mit den namhaftesten Gelehrten seiner Zeit im Verkehr. Er starb 1503. Vgl. Zapf, Über das Leben und die Verdienste Johann v. Dalbergs (Augsb. 1796).

2) Franz Eckenbert, kurmainz. Oberamtmann in Kirweiler und Ritterhauptmann am Oberrhein, geb. 1674, wurde der Stifter der ältern Mainzer oder D.-Dalbergschen Linie, welche 1848 erlosch.

3) Wolfgang Eberhard, Kammerpräsident und Oberamtmann zu Oppenheim, Beförderer der Künste und Wissenschaften, gest. 1737, stiftete die jüngere Mannheimer oder D.-Hernsheimer Linie, welche 1833 erlosch.

4) Karl Theodor Anton Maria, Freiherr von, Kämmerer von Worms, letzter Kurfürst von Mainz und Kurerzkanzler, später Fürst-Primas des Rheinischen Bundes und Großherzog von Frankfurt, geb. 8. Febr. 1744 zu Mannheim als Sohn von Franz Heinrich v. D., kurfürstlich mainzischem Geheimrat und Statthalter von Worms, wurde für den geistlichen Stand erzogen, erlangte 1762 zu Heidelberg die Würde eines Doktors der Rechte und wurde 1768 Domkapitular zu Mainz, Domherr zu Würzburg und Worms, 1772 Wirklicher Geheimer Rat und Statthalter zu Erfurt. Ohne tiefere Bildung, aber wohlwollend und liebenswürdig, wirkte er hier erfolgreich für die Handhabung des Rechts, für Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, für die Wiedererhebung der gesunkenen Universität und für die Einigkeit der katholischen und lutherischen Landesbewohner. Mit Wieland, Herder, Goethe und Schiller stand D. in lebhaftem Verkehr. 1787 ward er Koadjutor im Erzstift und Kurfürstentum Mainz und im Hochstift Worms sowie 1788 auch im Bistum Konstanz und Erzbischof von Tarsos. Doch blieb er in Erfurt. Am 1. Jan. 1800 folgte er im Bistum Konstanz und 25. Juli 1802 dem Kurfürsten Friedrich Karl Joseph v. Erthal im Erzbistum Mainz, aber nur in dem Überrest des Kurstaats, dem Fürstentum Aschaffenburg, dem Gebiet Erfurt und dem Eichsfeld, da die linksrheinischen Besitzungen des Erzstifts an Frankreich abgetreten waren. D. war durch die Protektion Frankreichs, dem er sich fortan anschloß, der einzige geistliche Fürst des Reichs, dem der Reichsdeputationshauptschluß mit der Würde eines Kurerzkanzlers einen Staat bildete, wozu die Fürstentümer Regensburg, Aschaffenburg und die Grafschaft Wetzlar verwendet wurden. Hier empfing D. 23. April 1804 die Huldigung. Bei der Kaiserkrönung Napoleons I. verweilte er in Paris, um sich mit dem Papst über die Angelegenheiten der katholischen Kirche in Deutschland zu besprechen; er wurde von demselben zum Metropoliten von ganz Deutschland außer Preußen und Österreich ernannt. D. glaubte aufrichtig durch engen Anschluß an Napoleon Deutschland wieder aufrichten zu können. Bei der Errichtung des Rheinbundes mußte er sein Amt als Kurerzkanzler niederlegen, wurde aber unter Beibehaltung seiner erzbischöflichen Würde souveräner Fürst-Primas dieses Bundes und Vorsitzender in der Bundesversammlung; zugleich wurden ihm die Stadt Frankfurt sowie alle Souveränitätsrechte über die Besitzungen der Fürsten und Grafen von Löwenstein-Wertheim auf der rechten Seite des Mains und über