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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Damon und Phintias; Dämonion; Dämonisch; Dämonismus; Dämonomachie; Dämonomanie; Damophon von Messene; Dampf

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Damon - Dampf (physikalisch).

denartigsten Ausprägungen den Glauben an gute und böse Geister, welche auf die Menschen einen wohlthätigen oder verderblichen Einfluß ausüben. Der Glaube an Gespenster, der Glaube an das jüdische Nachtgespenst Lilith, die Sagen von Kobolden, Poltergeistern, Nixen, Bergmännchen, Windgeistern, Werwölfen u. a., Ahriet und Goul (grausame Gespenster der Araber), das Gespenst von Looe bei Ossian und die Feuergeister der Grönländer, auch der gesamte Hexenglaube etc. gehören mehr oder weniger in diese Kategorie. Vgl. Ukert, Über Dämonen, Heroen und Genien (Leipz. 1850); Gerhard, Über Wesen, Verwandtschaft u. Ursprung der Dämonen und Genien (Berl. 1852); Lehrs, Populäre Aufsätze (2. Aufl., Leipz. 1875); Hild, Étude sur les démons dans la littérature et la religion des Grecs (Par. 1881).

Damon und Phintias, zwei durch ihre Freundschaft berühmt gewordene Pythagoreer zu Syrakus. Aristoxenos erzählt nach der selbst angehörten Erzählung des jüngern Dionysios von Syrakus bei Iamblichos: Unter den Vertrauten des jüngern Dionysios entstand Streit über den Lebensernst und die Freundestreue der Pythagoreer. Um sie zu erproben, wurde Phintias eines Anschlags auf das Leben des Dionysios beschuldigt und zum Tod verurteilt. Er bat nur um Aufschub des Urteils bis zum Untergang der Sonne, damit er seine Angelegenheiten ordne. Als Bürgschaft für die Wiederkehr des Freundes aber setzte Damon sein Leben ein. Schon neigte sich die Sonne zum Untergang, als Phintias, an einer frühern Rückkehr verhindert, atemlos ankam. Erstaunen ergriff alle Anwesenden, und Dionysios, die Freunde umarmend, bat, als der dritte in ihren Bund aufgenommen zu werden, was ihm jedoch abgeschlagen wurde. Nach Cicero geschah das Erzählte unter dem ältern Dionysios. Schillers "Bürgschaft" folgt dem Hyginus (Fab. 257), der die Freunde Möros und Selinuntios nennt.

Dämonion, s. Sokratischer Dämon.

Dämonisch wird im modernen Sprachgebrauch jeder geistige Einfluß genannt, welcher dem Menschen als eine unentrinnbare Macht entgegentritt und ihm hierdurch verhängnisvoll wird oder doch zu werden droht. D. können ihm daher auch die Fügungen der äußern Geschicke erscheinen, insofern sich in ihnen ein innerer, geistiger Zusammenhang offenbart, nicht minder der geistige Einfluß, welcher von der bloßen persönlichen Erscheinung oder von den Willensäußerungen eines Menschen ausgeht, sowie endlich die Triebe, Begierden, Leidenschaften des eignen Herzens und Geistes (Dämonie eines Blicks, der Leidenschaft, des Geistes etc.). In der Kunst ist der Schein des Dämonischen besonders in der Tragödie ("Richard III.", "Lady Macbeth") wirksam verwendet worden. Vgl. Dämon.

Dämonismus (griech.), Glaube an Dämonen.

Dämonomachie (griech.), Kampf mit Dämonen.

Dämonomanie (griech., Besessensein), eine eigentümliche Geisteskrankheit, wobei der Kranke die feste Wahnidee hegt, er sei vom Teufel oder andern bösen Geistern (Dämonen) besessen und er müsse sich nun der neuen in ihm steckenden Persönlichkeit angemessen betragen, weshalb er Geister aus sich sprechen läßt oder wie ein Tier brüllt etc. (s. Besessene). Die D. kommt gewöhnlich vor als Teilerscheinung der Melancholie (s. d.).

Damophon von Messene, griech. Bildhauer des 4. Jahrh. v. Chr., der für seine Heimat eine große Anzahl von Götterbildern schuf, zum Teil in der schwierigen Goldelfenbeintechnik (Chryselephantin) oder in Nachahmung derselben aus Gold und Marmor. Besonders reich war Megalopolis an Werken desselben.

Dampf, jeder gasförmige Körper, welcher durch die Wirkung der Wärme aus einer Flüssigkeit entstanden ist (vgl. Verdampfung). Um den D. einer Flüssigkeit unvermischt mit Luft zu erhalten, fülle man eine am einen Ende zugeschmolzene, 80-90 cm lange Glasröhre mit Quecksilber bis auf einen kleinen Raum, welchen man nun noch mit der zu verdampfenden Flüssigkeit, z. B. mit Äther, vollgießt. Man verschließt nun die Röhre, welche jetzt nur die beiden Flüssigkeiten, aber keine Luft enthält, luftdicht mit dem Finger, bringt die verschlossene Mündung unter die Oberfläche einer in tiefem Gefäß befindlichen Quecksilbermenge, entfernt den Finger und stellt die Röhre lotrecht (Fig. 1). Über der Quecksilbersäule, welche noch in der Röhre stehen geblieben ist, gewahren wir ein wenig Flüssigkeit, der darüber befindliche Raum aber scheint leer zu sein; er ist jedoch nicht leer, sondern von vollkommen durchsichtigem und daher unsichtbarem Ätherdampf erfüllt. Wäre nämlich dieser Raum leer, so müßte die in der Röhre stehen gebliebene Quecksilbersäule so hoch sein, daß sie dem äußern Luftdruck, welcher auf die Oberfläche des Quecksilbers im Gefäß drückt, das Gleichgewicht halten könnte, also so hoch wie die Quecksilbersäule in einem gleichzeitig beobachteten Barometer. Sie steht aber viel niedriger und zeigt dadurch an, daß im Innern der Röhre ein Gegendruck ausgeübt wird, der nur von dem Ausdehnungsbestreben oder der Expansivkraft (Spannkraft, Tension) eines über dem Quecksilber befindlichen gasförmigen Körpers, nämlich des Ätherdampfes, herrühren kann. Da dieser Druck im Verein mit der in der Röhre stehenden Quecksilbersäule dem durch den Barometerstand gemessenen äußern Luftdruck das Gleichgewicht hält, so braucht man nur die Höhe dieser Quecksilbersäule von der Barometerhöhe abzuziehen, um den Druck des Ätherdampfes, durch die Höhe einer Quecksilbersäule ausgedrückt, zu erfahren. Bleibt die Temperatur der Umgebung (aus welcher die Flüssigkeit die zu ihrer Verdampfung erforderliche Wärme entnommen hat) unverändert, so bildet sich kein weiterer D. mehr, obgleich noch flüssiger Äther über dem Quecksilber vorhanden ist; der Raum über dem Quecksilber vermag also bei dieser Temperatur nur eine begrenzte Dampfmenge aufzunehmen, und wir sagen deshalb, er sei mit D. gesättigt oder mit gesättig-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 1. Dampfbildung über Quecksilber.]

^[Abb.: Fig. 2. Ermittelung der Spannkraft des Wasserdampfes.]

^[Abb.: Fig. 3. Ermittelung der Spannkraft des Dampfes bei Temperaturen über dem Siedepunkt.]