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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dampfkesselarmatur; Dampfkesselexplosion

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Dampfkesselarmatur - Dampfkesselexplosion.

Eine unmittelbare Folge der gesteigerten Verwendung vorteilhafterer Kesselformen aber ist die erhebliche Zunahme der Kessel mit hohem Atmosphärendruck; es wurden nämlich in Preußen gezählt zu Beginn der Jahre

Kessel mit einem Atmosphärenüberdruck von 1879 1885

unter bis 2 Atmosphären 1165 1084

über 2 bis 5 Atmosphären 27067 31071

über 5 Atmosphären 4179 9013

nicht festgestellt - 253

Zusammen: 32411 41421

Vgl. Rühlmann, Allgemeine Maschinenlehre, Bd. 1 (2. Aufl., Braunschw. 1875); Fallenstein, D., deren rationelle Konstruktion, Anlage und Betrieb (Stuttg. 1861); Bernoulli, Dampfmaschinenlehre (5. Aufl., das. 1865); Scholl, Führer des Maschinisten (10. Aufl., Braunschw. 1883); Reiche, Anlage und Betrieb der D. (2. Aufl., Leipz. 1876); Derselbe, Die D. der Wiener Weltausstellung (das. 1874); Derselbe, D. und Dampfmaschinen auf der Gewerbeausstellung zu Düsseldorf (Aachen 1881); Radinger, Die D., im offiziellen österreichischen Weltausstellungsbericht (Wien 1874); Frantz, Dampfkesselanlage und Betrieb nach der neuesten Gesetzgebung Deutschlands und Österreichs (Waldenburg 1872); Schönflies, Berechnung der Dampfkesselanlagen (Elberf. 1874); v. Gutbier, Hilfsbuch für den Dampfkesselbetrieb, die Gewichts- und Druckvergleichungen (Kiel 1874); Wilson, Die D., deren Festigkeit, Konstruktion und ökonomischer Betrieb (deutsch, Braunschw. 1878); Thielmann, Handbuch über vollständige Dampfkesselanlagen (2. Aufl., Leipz. 1880); Derselbe, Die neuesten Forschungen über Dampfkesselanlagen (das. 1882); Beretta und Desnos, Die neueren Dampfkesselkonstruktionen (deutsch von Uhland, das. 1880 ff.); Jicinsky, Behelfe zur richtigen Beurteilung der Dampfkesselfeuerungen (Wien 1881); Flimmer, Dampfkesselzerstörungen und deren Verhütung (Leipz. 1884); Meißner, Die neuesten Vorschriften über D. in Preußen (2. Aufl., das. 1884); Münter, Dampfkesselrevisionsbuch (4. Aufl., Halle 1884).

Dampfkesselarmatur, s. Dampfkessel, S. 454.

Dampfkesselexplosion, ein fast momentanes Zerreißen oder Zerspringen eines Dampfkessels, welches eintritt, wenn das Material desselben dem inwendigen Dampfdruck nicht mehr genügenden Widerstand leistet, und wobei Teile oder Bruchstücke in der Regel mit geschoßartiger Heftigkeit auf weite Entfernungen fortgeschleudert, mächtige Ergießungen siedenden Wassers erzeugt und oft erschreckende Verheerungen angerichtet werden. Obgleich es nicht bei allen Explosionen möglich ist, die Ursachen genau zu ermitteln, so ist doch festgestellt worden, daß in den meisten Fällen entweder der Erbauer (durch schlechte Konstruktion oder schlechtes Material), der Wärter (durch nachlässige Wartung) oder der Besitzer des Kessels (durch Sorglosigkeit) an der D. schuld hatte. Hervorgerufen kann die D. werden entweder dadurch, daß der Kessel zu schwach ist, um dem normalen Dampfdruck zu widerstehen, oder daß die Kesselwandungen von einem bedeutend über das normale Maß angewachsenen Druck gesprengt werden, oder aber daß beide Umstände zusammentreffen. Daß ein Kessel von vornherein zu schwach gewesen sei, um dem normalen Dampfdruck widerstehen zu können, kann wegen der vor der Benutzung ausgeführten Wasserdruckproben kaum angenommen werden; dagegen kann ein Kessel bei fehlerhafter Konstruktion, Anwendung schlechten Materials oder unverständiger Wartung so geschwächt und abgenutzt werden, daß er schon beim gewöhnlichen Dampfdruck explodiert. Derartige Schwächungen des Kessels sind Risse, die er durch wiederholte Biegungen der Bleche, wie sie mit Temperaturschwankungen verbunden sind, erhalten kann, sowie Zerfressung durch Rosten von innen oder außen. Hat sich erst einmal ein großer Riß gebildet, so kann durch denselben plötzlich eine Menge Dampf austreten, und es entsteht im Kessel eine momentane Druckverminderung, welche bei der verhältnismäßig hohen Wassertemperatur eine kolossale, plötzliche Dampfentwickelung, verbunden mit mächtigem Aufwallen des Wassers, zur Folge hat, so daß der Kessel zerrissen wird.

Durch einfache allmähliche Spannungssteigerung wird ein Kessel nur bei grober Unachtsamkeit des Heizers oder bei einer unglücklicherweise gleichzeitig eintreffenden Unbeweglichkeit der Sicherheitsventile und des Manometers explodieren können. Dagegen sind sehr gefährlich die plötzlichen Spannungssteigerungen, wie sie auf verschiedene Weise herbeigeführt werden können. Vor allem ist hier das Glühendwerden der Kesselwandungen zu erwähnen, welches insofern doppelt gefahrbringend ist, als es einerseits leicht zu einer rapiden Dampfentwickelung Veranlassung geben kann, anderseits aber auch die Festigkeit des Kessels vermindert (da glühendes Eisen viel weniger widerstandsfähig ist als kaltes). Die Kesselwände können nun dadurch stellenweise oder ganz überhitzt oder glühend werden, daß entweder der Wasserstand bis unter die obere Grenze der Heizkanäle sinkt (Wassermangel, tritt am häufigsten durch zu lange verzögerte Speisung, also durch die Schuld des Wärters, aber auch durch unvorhergesehenes Undichtwerden oder Lecken des Kessels ohne Verschulden des Wärters ein), oder dadurch, daß sich auf der Kesselwandung eine dicke, die Wärmeleitung stark hemmende Kesselsteinschicht gebildet hat, oder auch dadurch, daß sich unter einer Schicht von losgelösten Kesselsteinstücken eine Dampfblase entwickelt hat, welche den Wasserzutritt verhindert. Gewöhnlich reicht das bloße Glühen von Teilen der Kesselwände noch nicht aus, um eine Explosion hervorzurufen, oder wenigstens kann eine solche durch rechtzeitiges Eingreifen in der Regel noch vermieden werden. Dagegen ist eine D. unvermeidlich, wenn auf diese entblößten Stellen plötzlich Wasser gelangt, weil dann eine so kolossale und plötzliche Dampfentwickelung eintritt, daß die schon durch das Glühen geschwächten Kesselwände unmöglich widerstehen können. War Wassermangel die Ursache des Erglühen, so bringt daher das Nachspeisen von frischem Wasser unfehlbar eine Explosion hervor. Dieselbe tritt auch ein, wenn der Kesselstein, welcher die Ursache des Erglühens der Kesselwand war, plötzlich Sprünge bekommt, durch welche das Kesselwasser zu dem glühenden Eisen treten kann, oder wenn die erwähnte Dampfblase zufällig einen Abzug erhält und dadurch dem Wasser Platz macht. Die einzige Möglichkeit, einen schon glühenden Kessel zu retten, ist dadurch gegeben, daß man durch Herausreißen des Feuers und Öffnen der Feuerthüren und der Reinigungsthüren der Feuerzüge (wobei kalte Luft unter dem Kessel hinwegstreicht) eine Abkühlung des Kessels herbeiführt, indem man zugleich jede Dampfabführung vermeidet und dem Sicherheitsventil die Abführung des noch entstehenden Dampfes überläßt. Vor allen Dingen darf man, auch wenn das Glühen durch Wassermangel herbeigeführt ist, unter keinen Umständen Wasser einführen, bevor der Kessel gehörig abgekühlt ist.