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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Davidskorn; Davidson; Davies; Davila; Davillier; Davioud

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Davidskorn - Davioud.

als Major im bayrischen Erbfolgekrieg (mit Auszeichnung bei Habelschwerdt), seit 1783 als Grenzeroberst und ward 1788-90 gegen die aufständischen Belgier geschickt. Im darauf folgenden Kriege gegen die Franzosen zeichnete er sich besonders bei Neerwinden, Marchiennes und Wattignies aus, ward 1796 Feldmarschallleutnant und kommandierte im November unter Alvinczy das Armeekorps, welches durch das Etschthal bis Mantua vordringen und diese Stadt entsetzen sollte, eine Aufgabe, deren Lösung ihm nicht gelang. Er focht jedoch wieder mit Auszeichnung besonders bei Novi, Caldiero und auf dem ganzen Rückzug des Erzherzogs Karl nach Ungarn 1805. Im J. 1807 ward er mit der Besichtigung der festen Plätze in Serbien beauftragt, erhielt dann das Kommando in Komorn und starb 18. Febr. 1814 daselbst.

Davidskorn, s. Gerste.

Davidson, 1) Samuel, gelehrter Theolog, geb. 1808 zu Ballymena in Irland, trat in die presbyterianische Geistlichkeit und wurde 1835 Professor der biblischen Kritik zu Belfast, 1842 Professor der biblischen Litteratur und der Kirchengeschichte an dem neuerrichteten Independenten-Kollegium zu Manchester. Außer Übersetzungen von Werken deutscher Gelehrten schrieb er: "Sacred hermeneutics" (Lond. 1843); "Ecclesiastical polity of the New Testament" (1848); "Treatise of biblical criticism" (2. Aufl. 1855, 2 Bde.); "The canon of the Bible" (3. Aufl. 1880); "Introduction to the New Testament" (1848 bis 1851, 3 Bde.); "An introduction to the study of the New Testament" (2. Aufl. 1882, 2 Bde.) und "The doctrine of last things" (1882). Sein Lehramt bei den Independenten mußte er infolge des durchaus freien Charakters seiner Forschungen 1857 aufgeben und wurde 1862 zum Examinator an der Universität London gewählt.

2) Thomas, Geolog u. Paläontolog, geb. 17. Mai 1817 zu Edinburg, verlebte seine Jugend in Frankreich und Italien, ward 1858 Ehrensekretär der Geological Society, später Vizepräsident der Paläontographischen Gesellschaft zu London. Er starb 16. Okt. 1885. Hauptwerke: "On British fossil Brachiopoda" (3 Bde. mit 171 Tafeln; deutsch von Süß, Wien 1856); "Illustrations and history of Silurian life" (1868).

Davies (spr. dehwis), 1) Sir John, ausgezeichneter engl. Jurist, Staatsmann und Dichter, geb. 1570 zu Westbury in Wiltshire, am Queen's College zu Oxford gebildet, studierte die Rechte und trat nach einer bewegten Jugend 1601 als Mitglied für Corf Castle in das Parlament. Jakob I. wurde ihm sehr gewogen und ernannte ihn zum Solicitor, dann zum Attorney General in Irland; 1607 ward D. zum Ritter geschlagen und 1612 zum Sprecher des ersten irischen Parlaments ernannt. Nach England 1615 zurückgekehrt, sollte er das Amt eines Oberrichters (Lord chief justice) bekleiden, starb jedoch noch vor seiner Installation, vom Schlagfluß getroffen, 7. Dez. 1616. Als Poet machte sich D. in seiner Jugend durch ein Gedicht über die Tanzkunst: "Orchestra", und ein andres über die Unsterblichkeit der Seele bekannt, das er "Nosce te ipsum" überschrieb und 1599 der Königin Elisabeth widmete. Eine Sammlung von Lobgedichten auf letztere erschien unter dem Titel: "Hymns to Astraea". Seine Epigramme ließ die geistliche Zensur verbrennen. Eine vollständige Sammlung seiner Dichtungen, die sich durch elegante Diktion und Korrektheit auszeichnen, gab Grosart heraus (Lond. 1876, 2 Bde.).

2) John (Joannes Davisius), Philolog, geb. 1679 zu London, studierte in Cambridge, wurde 1711 Geistlicher zu Fan Ditton, später Kanonikus zu Ely und Professor zu Cambridge, wo er 22. März 1732 starb. Wir verdanken ihm Ausgaben des Maximus Tyrius (Cambridge 1703), Cäsar (das. 1706 u. 1727), Minucius Felix (das. 1707 u. Glasgow. 1805) und von mehreren philosophischen Werken Ciceros, auch eine Gesamtausgabe der "Opera philosophica" desselben (das. 1736, 6 Bde.).

Davila, Enrico Caterino, ital. Staatsmann und Geschichtschreiber, geb. 30. Okt. 1576 zu Pieve di Sacco bei Padua, kam als Page an den französischen Hof und stand dann seit 1594 in französischen Kriegsdiensten. 1599 kehrte er nach Italien zurück, setzte seine Studien zu Padua fort, lebte eine Zeitlang in Parma, wo er Mitglied der Akademie der Innominati ward, und trat hierauf in venezianische Dienste. Die Republik übertrug ihm wichtige militärische Ämter auf Kreta, in Dalmatien und Friaul und gestand ihm die Auszeichnung zu, im Senat zur Seite des Dogen zu sitzen. Auf einer Berufsreise ward er 1631 zu San Michele bei Verona meuchelmörderisch erschossen. Seine "Storia delle guerre civili di Francia" (1559-98, Vened. 1630 u. öfter; zuletzt Mail. 1807, 6 Bde.), mehrfach übersetzt, ins Französische von Mallet und Grosley (Par. 1757, 3 Bde.), ins Englische von Cotterel (Lond. 1666), ins Deutsche von Reith (Leipz. 1792-95, 5 Bde.), ist eine der besten Quellen für die Geschichte jenes Zeitraums.

Davillier (spr. -wilje), Jean Charles, Baron de, franz. Kunsthistoriker, geb. 27. Mai 1823 zu Rouen, widmete sich, in unabhängigen Verhältnissen lebend, dem Studium der bildenden und vornehmlich der gewerblichen Künste. Auf mehreren Reisen nach Spanien betrieb er speziell die Erforschung spanischer Kunst. Er starb 3. März 1883 in Paris. Seine Hauptwerke sind: "Histoire des faiences hispano-moresques à reflets métalliques" (1861); "Histoire des faïences et porcelaines de Moustiers, Marseille, etc." (1863); "Cabinet du duc d'Aumont et les amateurs de son temps" (1870); "Les porcelaines de Sèvres de Madame du Barry" (1870); "L'Espagne" (1874), mit 309 Zeichnungen von G. Doré (in verschiedene Sprachen übersetzt); "Fortuny, sa vie, son œuvre, sa correspondance" (1875); "Les arts décoratifs de l'Espagne" (1879); "Recherches sur l'orfèvrerie en Espagne, etc." (1880) und "Les origines de la porcelaine en Europe" (1883).

Davioud (spr. dawjuh), Gabriel Jean Antoine, franz. Architekt, geb. 30. Okt. 1823 zu Paris, studierte in der École des beaux-arts und der Zeichenschule und arbeitete dann für die Präfektur von Paris an dem neuen Plan von Paris. 1849 erhielt er den zweiten großen Preis von Rom. Sein erstes größeres Werk war das Theater von Etampes (1850). Nachdem er eine Reihe von Baubeamtenstellen innegehabt, wurde er 1855 Straßen- und Gartendirektor. Nach seinen Plänen wurden mehrere Bauten zur Verschönerung im Bois de Boulogne ausgeführt. Auch der Longchamp verdankt ihm zahlreiche Anlagen, ebenso die Plätze von Paris. 1859 errichtete er die Fontäne St.-Michel und vollendete das Panorama der Champs Elysées, 1860-62 die Arbeiten auf der Place des Arts et Métiers. Am Kanal St.-Martin, im Park Monceaux und im Akklimatisationsgarten dirigierend, vollendete D. später auf der Place du Châtelet zwei Theater, welche durch ihre zweckmäßige Einrichtung für den modernen Theaterbau typisch geworden sind. Ihm verdankt man auch den Trocadéropalast für die Pariser Weltausstellung, den er mit Bourdais ausführte. D. starb 6. April 1881 in Paris.