Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

610

Dee - Defensive.

Dee (spr. dih), Name mehrerer Flüsse in Großbritannien. Die bedeutendsten sind: 1) D. in Nordwales, entspringt in Merionethshire, fließt durch den Balasee und an Llangollen und Chester vorbei und ergießt sich nach 126 km Laufs in weiter Mündung in das Irische Meer; er ist nicht schiffbar, aber an der Mündung kanalisiert. - 2) D. in Schottland, entspringt auf den Cairngormbergen, durchfließt in östlicher Richtung den Südwesten der Grafschaft Aberdeen, scheidet diese dann von der Grafschaft Kincardine und mündet nach 140 km Laufs, nur auf eine kurze Strecke schiffbar, bei Aberdeen in die Nordsee; er bildet mehrere Fälle. - 3) D. in der schott. Landschaft Galloway, mündet nach 74 km langem Lauf unterhalb Kirkcudbright in den Solwayfirth.

Deep, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Stettin, Kreis Greifenberg, an der Mündung der Rega, 12 km vom Bahnhof Treptow a. R., hat eine Rettungsstation für Schiffbrüchige, starke Fischerei, ein besuchtes Seebad und 400 Einw.

Deer Lodge City (spr. dihr lodsch ssitti), Stadt im nordamerikan. Territorium Montana, am obern Hellgate River, in goldreicher Gegend, 100 km südwestlich von Helena, 1418 m ü. M., mit Zuchthaus und (1880) 941 Einw.

Deés (spr. däēsch), Stadt in Siebenbürgen, Sitz des ungar. Komitats Szolnok-Doboka, am Zusammenfluß des Großen und Kleinen Szamos und an der Szamosyölgyer Eisenbahn (Klausenburg-D.), mit Schloßruine, interessantem alten Tökölyschen Palais, 3 Kirchen, Franziskanerkloster, schönem Komitats- und Stadthaus, Spital und (1881) 6191 meist ungar. Einwohnern, die Gewerbe (Leinweberei), Handel und Weinbau betreiben. D. hat einen Gerichtshof und war einst der Sitz der Grafen Bethlen. In der Nähe liegt das ungarisch-rumänische Dorf Deésakna, mit D. durch Eisenbahn verbunden, mit 1879 Einw. und bedeutenden Steinsalzgruben.

Deésakna, Salzbergwerk, s. Deés.

De facto (lat.), der That nach, faktisch, abgesehen davon, ob etwas auch rechtlich begründet (de jure) ist oder geschieht; daher de facto et absque jure, eigenmächtig und widerrechtlich.

Defäkation (lat.), Läuterung, Reinigung.

Defäkationskalk, s. v. w. Gaskalk, der Kalk, mit welchem Leuchtgas gereinigt worden ist.

Defamation (lat.), s. v. w. Diffamation.

Defatigieren (lat.), ermüden, ermatten; Defatigation, Ermüdung, Ermattung.

Défaut (franz., spr. -foh), Mangel, Fehler; Nichterscheinen vor Gericht.

Defavorabel (franz.), ungünstig, abgeneigt.

Defäzieren (lat.), von Hefe reinigen, läutern.

Defékt (lat.), mangelhaft, unvollzählig; als Substantiv s. v. w. Mangel, Fehler; daher Defektbogen, s. v. w. fehlender oder beschädigter Bogen; Kassendefekt, der in der Kasse gegen den buchmäßigen Bestand weniger vorhandene Betrag (Manko); Defekte der Beamten bei Kassen und öffentlichen Verwaltungen werden, was den Betrag und die Ersatzpflicht betrifft, von der Aufsichtsbehörde festgestellt. Solche Beschlüsse sind nach der Gesetzgebung verschiedener Staaten sofort vollstreckbar, so z. B. nach preußischem Recht, welches aber dem Beamten außer dem Rekurs an die höhere Verwaltungsbehörde auch das Betreten des Rechtswegs binnen Jahresfrist gestattet. Dasselbe gilt nach dem deutschen Reichsbeamtengesetz (§ 134 ff.). Hat der Beamte sich Gelder, welche er in amtlicher Verwahrung hatte, rechtswidrig zugeeignet, so trifft ihn die schwere Strafe der Unterschlagung (s. d.); defektieren, eine Rechnung in Beziehung auf etwanige Rechnungsfehler durchsehen.

Defektion (lat.), Abfall, Abtrünnigkeit; Abnahme, Schwinden der Kräfte.

Defektiv (lat.), mangelhaft, unvollzählig; Defektivkirchen, bei den Katholiken alle von der römischen Kirche als der allein wahren abgefallenen Kirchen.

Defektīvum (lat.), ein beugungsfähiges Wort, von dem aber nicht alle Formen im Gebrauch sind.

Defenders (engl., spr. difenn-, "Verteidiger"), eine politische Verbindung in Irland, deren Zweck die Aufrechterhaltung und Erlangung politischer und religiöser Freiheit war, und deren Ursprung auf die Zeit des Siegs Wilhelms III. über die Irländer am Boynefluß (30. Juni 1690) zurückgeführt wird. Mit den Häuptern der presbyterianischen Partei verbanden sich nach jener Schlacht die gedrückten Katholiken, um Schutz gegen politische Verfolgung zu suchen. Doch scheint die Verbindung den Namen D. und den bestimmten Zweck, Irland vom englischen Joch zu befreien, erst gegen Ende des 18. Jahrh. angenommen zu haben. Sie hatte den wesentlichsten Anteil an den Aufständen von 1797 bis 1798. Nach dem unglücklichen Ausgang des letzten Versuchs, die britische Regierung zu politischen Konzessionen zu zwingen, löste sich die Verbindung auf. Aber Geist und Tendenz der D. erhielten sich und bildeten die Grundlage zu des Agitators Daniel O'Connell Repealassociation.

Defendieren (lat.), verteidigen; Defendénd, der zu verteidigende Angeklagte; Defendént, der Verteidiger.

Defension (lat.), Verteidigung, im juristischen wie im militärischen Sinn; insbesondere nach Verfall des Rittertums und Heerbanns bis ins 18. Jahrh. hinein in den deutschen Staaten Bezeichnung der Landmiliz (Defensioner) und der darauf bezüglichen, mit den Ständen abgeschlossenen Verträge (Defensionsrezesse), ferner der dazu zu stellenden Landesverteidigung, zunächst nur Fußvolk, bald auch Ritterpferde und "Artholerey".

Defensionskasematten und Defensionskasernen, zur Gewehr- oder Geschützverteidigung eingerichtete Kasematten im Gegensatz zu Wohnkasematten. Bei den Festungsbauten in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts häufig angewendet, finden sie im neuern Festungsbau der vernichtenden Wirkung der Artillerie gegenüber keine Anwendung mehr.

Defensīve (lat.), diejenige der beiden Hauptformen kriegerischer Thätigkeit, bei welcher es, im Gegensatz zur Offensive (s. d.), auf Verteidigung, nicht auf Angriff abgesehen ist. In der D. erwartet man den Feind in einer Aufstellung und wehrt seinen Angriff ab. Man bedient sich der reinen D. aber nur so lange, als man ihrer der eignen Schwäche wegen bedarf, und gibt sie auf, sobald man sich zum Angriff stark genug fühlt. Eine gute D. muß offensive Momente haben. Es wird deshalb die Stellung zur D. so gewählt, daß sich neben oder innerhalb einer starken Verteidigungslinie ein günstiges Angriffsfeld findet. Ein berühmtes Beispiel dafür bietet die Schlacht bei Austerlitz. Napoleon hielt sich so lange defensiv, bis die Russen und Österreicher sich mit voller Macht auf seinen rechten Flügel, der langsam wich, geworfen hatten. Dann brach er plötzlich gegen das feindliche Zentrum und den rechten Flügel vor, wo die Truppen stark weggezogen waren, und entschied die Schlacht durch die Wegnahme der Höhen von Pratzen. Man unterscheidet zwischen strategischer und taktischer D. Die strategische D. bezweckt Abwarten der Operationen des Gegners. Die taktische D. betrifft das