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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: De hodĭerno diĕ; Dehors; Dehortieren; Dehra-Dun; Dei; Deïaneira; Deich

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De hodierno die - Deich.

zahlreichen Familienporträten eine andre Seite seines Schaffens. Das in Tanger gemalte Bild: Hinrichtung einer Jüdin in Tanger, wurde von einer empörten Volksmenge in seinem Atelier zerstört. Er starb 3. Jan. 1882 in Paris.

De hodĭerno diĕ (lat.), vom heutigen Tag an.

Dehors (franz., spr. dö-ōr, meist in der Mehrzahl gebraucht), die Außenseite, auch der äußere Anstand.

Dehortieren (lat.), abmahnen, abraten; Dehortation, Abmahnung.

Dehra-Dun, ein Distrikt der englisch-ind. Nordwestprovinzen, 3089 qkm (56 QM.) groß mit (1881) 144,070 Einw., im äußern Himalaja, seit 1815 im Besitz der Engländer, die hier in den Höhen von 2100 m und mehr (in Landaur, Masauri etc.) große Heilstationen für leidende, durch das Klima geschwächte Europäer (Zivil und Militär) angelegt haben. Die Stadt Dehra, mit (1881) 18,959 Einw., 692 m ü. M., mit einer mittlern Jahrestemperatur von 21,2° C., ist weltbekannt geworden als Sitz des indischen Vermessungsamtes (Great Trigonometrical Survey), welches hier 1835 die Messung der nördlichen Basis für seine Arbeiten durchführte, die von hier aus veröffentlicht werden. Mit der Eisenbahnstation Saharanpur ist D. durch eine vortreffliche, 66 km lange Kunststraße verbunden.

Dei (Dey, arab., v. Daju, "Prätendent"), von 1600 bis 1830 das Oberhaupt der den Raubstaat Algerien (s. d.) beherrschenden Janitscharenmiliz. Neben diesem besorgte anfangs noch ein von der Pforte ernannter Pascha die eigentliche Regierung des Landes; seit 1710 ward jedoch kein besonderer Pascha mehr ernannt, sondern diese Würde dem jedesmaligen D., der von der Pforte bestätigt werden mußte, erteilt. Der D. selbst nannte sich Wali (Statthalter), Beglerbeg (Fürst der Fürsten) und Seraskier (Oberbefehlshaber). Die Deis wurden durch die Wahl der Janitscharenmiliz zu Algier ernannt, bei der es sehr tumultuarisch herging. Wenn die Minorität sich nicht unterwerfen wollte, so kam es oft zum Blutvergießen, und nicht selten wurde der Gewählte bald wieder von der Gegenpartei ermordet. Der Neugewählte mußte, wenn ihm sein Leben lieb war, die Würde annehmen. Man setzte ihn auf den Thron, bekleidete ihn mit dem Ehrenkaftan, worauf er den Eid leisten und vorzüglich beschwören mußte, für die regelmäßige Bezahlung der Janitscharen zu sorgen. Ein solcher Regierungswechsel war gewöhnlich mit vielen Hinrichtungen verbunden. Die Regierungen der Deis waren selten von langer Dauer, und die meisten starben keines natürlichen Todes. Denn während der D. einerseits durch kein Gesetz am grausamsten Despotismus gehindert war, so war er doch anderseits der Sklave seiner Janitscharen, in deren Willen er sich fügen mußte, und die in ruhigen Zeiten durch einen ihm zur Seite stehenden Diwan, außerdem aber durch Aufruhr und Mord seine Macht beschränkten. Nach der gewöhnlichsten Meinung heißt D. (eigentlich Dai) Oheim von mütterlicher Seite; die Türken betrachteten nämlich den Großherrn als ihren Vater, den Staat Algerien als ihre Mutter und den D. als Bruder des letztern. Auch die Regenten von Tunis und Tripolis, die eigentlich Bei heißen, werden von den Europäern häufig D. genannt.

Deïaneira (Dejanira), nach griechischer Mythe Tochter des Öneus, Königs von Kalydon in Ätolien, und der Althäa, Schwester des Meleagros, entging nach dessen Tod mit Gorge dem Geschick, wie ihre Schwestern in Perlhühner verwandelt zu werden, lockte durch ihre Reize viele Freier an und wurde von Herakles dem Acheloos (s. d.), dem sie verlobt war, in heißem Kampf abgerungen. Sie gebar demselben mehrere Söhne, verursachte aber später wider ihren Willen dessen Tod und erhängte sich aus Schmerz darüber (s. Herakles).

Deich, Erddamm zum Schutz niedrig gelegener Ländereien vor Überflutung. Deiche werden am Meer, an Seen, Strömen und Flüssen angelegt, sind also See- oder Flußdeiche. Nach deren Zweck unterscheidet man Sommer- und Winterdeiche. Die Sommerdeiche sollen das Land und seine Früchte vor den im Sommer vorkommenden Hochwassern schützen, während sie bei den höchsten Wasserständen überflutet werden; die Winterdeiche (Hauptdeiche, Banndeiche, Fig. 1 u. 2) sollen den höchsten Fluten auch in den übrigen Jahreszeiten Widerstand leisten. Geschlossene Deiche lehnen sich an hochwasserfreie Höhen an, wodurch die Niederung von allen Seiten geschützt wird; offene Deiche enthalten Lücken, schützen also nicht vor Überschwemmung, halten aber nachteilige, bei Hochwasser eintretende Ablagerungen und Auskalkungen von den Ländereien ab. Rückdeiche oder Rückstaudeiche (Fig. 1) sind solche, welche sich längs eines Nebenflusses erstrecken. Grodendeich ist ein Hauptdeich, der auf bereits fest gewordenes Land (Groden, Deichgroden) zu liegen kommt u. nur von hohen Fluten erreicht wird. Die Ländereien und Grundstücke, welche durch die Deiche geschützt werden, nennt man Binnendeichsland oder Binnenland; diejenigen aber, welche zwischen dem D. und dem Wasser liegen und zum Schutz des Deiches wesentlich beitragen, Außendeichsland (Butenland, Vorland). Die zum Deichbau dienende Erde wird von dem Vorland entnommen, da ein Ausgraben des Bodens hinter dem D. leicht zum Durchquellen des Wassers Veranlassung geben würde und die vor dem D. ausgehobenen Gruben bei Hochwasser allmählich wieder mit Schlick ausgefüllt werden. Deiche, die kein Vorland mehr haben, und an deren Fuß der Strom dicht hinfließt, oder die auf bösem Wind liegen, nennt man Schaar- oder Gefahrdeiche. Wird dagegen vor dem D. so viel Land gewonnen, daß darauf ein zweiter Hauptdeich errich-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 1. u. 2. Situation der Deiche.]