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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: De la Bèche; Dekurs; Dekursion; Dekussiert; Del.; Delaborde

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Dekurs - Delaborde.

ihnen aufgetragen wurde, und die bei den zerrütteten finanziellen Verhältnissen der Städte schwer aufzubringen waren, aus eignen Mitteln aufkommen mußten. Daher pflegte man allerlei Mittel anzuwenden, um sich dieser Last zu entziehen, und es mußten harte Strafen angeordnet werden, um der Entvölkerung der Munizipalsenate vorzubeugen. Heiden und Juden mußten unter christlichen Kaisern ebenso gut Dekurionen werden wie Christen unter heidnischen Regenten; es kam sogar vor, daß Aufnahme in den Senat als Strafe diktiert wurde. Trotz dieser Herabsetzung und Entwürdigung überlebte der Dekurionenstand die römische Herrschaft im Abendland und ist für die Erhaltung der römischen Verfassung in verschiedenen Städten während des Mittelalters von bedeutendem Einfluß gewesen.

Dekurs (lat.), Verlauf.

Dekursion (lat.), das Herab-, Abwärtslaufen (eines Flusses); dekursiv, abwärts laufend.

Dekussiert (lat.), gekreuzt, Anordnung gegenständiger Blätter, bei welcher die aufeinander folgenden Blattpaare rechtwinkelig sich kreuzen (vgl. Blatt).

Del., Abkürzung für Delaware (Staat).

Del., auf Korrekturbogen Abkürzung für das lat. dele (tilge) oder deleatur (es werde getilgt); unter Kupferstichen s. v. w. delineavit, er hat (es) gezeichnet.

De la Bèche (spr. bähsch), Sir Henry Thomas, Geolog, geb. 1796 zu London, widmete sich, nachdem er eine Zeitlang im Militärdienst gestanden, ausschließlich seinen Studien, machte 1819 eine geologische Reise durch die Schweiz und Italien, unternahm dann in Verbindung mit Conybeare in England geologische Untersuchungen und entdeckte den Plesiosaurus. In Jamaica begütert, benutzte er 1825 einen Aufenthalt daselbst zur Untersuchung der geognostischen Struktur der Insel. Er schrieb: "Geological notes" (Lond. 1830), "Sections and views of geological phenomena" (1830), "Geological manual" (1831; deutsch von H. v. Dechen, Berl. 1832), "Researches in theoretical geology" (1834; deutsch, Quedlinb. 1836), "How to observe" (1835), "Geological observer" (1853; deutsch von Dieffenbach, Braunschw. 1853) u. a., lieferte treffliche geognostische Karten und gründete das Museum der praktischen Geologie in London. Er starb 13. April 1855. England verdankt ihm eine genaue geologische Durchforschung und Beschreibung des Landes, welche er zum großen Teil auf eigne Kosten ausführte. Als Direktor der Geological Survey arbeitete er aber auch im Auftrag der Regierung und erhielt 1848 die Ritterwürde.

Delaborde (spr. -bórd), 1) Jean Joseph, franz. Finanzmann, geb. 1724 zu Jacca in Spanien, gewann zu Bayonne im Handel mit Westindien und Spanien ein außerordentliches Vermögen, ward hierauf von Ludwig XV. zum Hofbankier ernannt und erwarb sich besonders des Ministers Choiseul Vertrauen. Seine Besitzung Laborde wurde zum Marquisat erhoben, doch machte er nie Gebrauch von dem Titel. Nach dem Sturz Choiseuls zog auch D. sich aus den meisten Geschäften zurück. Als aber beim Ausbruch des amerikanischen Freiheitskriegs die französische Regierung in Geldverlegenheit war, schaffte er durch persönlichen Kredit in kurzer Zeit 12 Mill. Livres in Gold und machte dadurch das Auslaufen der Expedition unter Rochambeau möglich. Später führte er eine Menge großer und prachtvoller Bauten aus; er gab jährlich 24,000 Frank zur Unterstützung der Armen und 1788 zur Errichtung von vier großen Hospitälern in Paris 400,000 Fr. her. Während der Schreckenszeit lebte D. in der Stille auf seinem Schloß Méreville, bis er seines Reichtums wegen vor das Revolutionsgericht gebracht wurde. Auf die Anschuldigung hin, mit Wucherern in Verbindung gestanden zu haben, wurde er 18. April 1794 zum Tod verurteilt und noch an demselben Tag hingerichtet. - Von seinen vier Söhnen hatten zwei, die in der Marine dienten und den unglücklichen Lapérouse begleiteten, noch ehe dessen Schiff verloren ging, ihren Tod an der Küste von Kalifornien gefunden. Der älteste, François Louis Joseph, Graf D., diente ebenfalls in der Marine, wurde später königlicher Schatzmeister und Mitglied der Nationalversammlung und wanderte nach deren Schluß nach England aus, wo er 1801 in London starb.

2) Alexandre Louis Joseph, Marquis, jüngster Sohn des vorigen, franz. Staatsmann und Kunstschriftsteller, geb. 15. Sept. 1774 zu Paris, ging beim Ausbruch der Revolution nach Wien und machte in österreichischen Kriegsdiensten die ersten Feldzüge gegen die französische Republik mit. Nach dem Friedensschluß von Campo Formio 1797 kehrte er in sein Vaterland zurück, bereiste aber sodann England, Holland, Italien und Spanien; die Früchte dieser Reise waren: "Itinéraire descriptif de l'Espagne" (Par. 1808, 5 Bde.; 3. Aufl., mit Zusätzen von Humboldt und Bory de Saint-Vincent, 1827-28, 6 Bde.) und "Voyage pittoresque et historique en Espagne" (das. 1807-15, 4 Bde.; 2. Aufl. 1823). Wegen seiner genauen Kenntnis Spaniens und Österreichs nahm ihn Napoleon I. auf seinem Zug nach Madrid 1808 und 1809 nach Österreich als Begleiter mit, und nach der Einnahme Wiens erhielt er für die Dauer der Okkupation die Verwaltung der kaiserlichen Domänen. Später wurde er zum Requetenmeister beim kaiserlichen Staatsrat zu Paris ernannt; dann befand er sich bei der Gesandtschaft nach Wien, welche in Napoleons Namen um die Hand Marie Luisens anhielt. Seit 1822 mehrmals zum Deputierten der Stadt Paris erwählt, zeichnete er sich in der Kammer durch freimütige und geistreiche Reden aus. An der Julirevolution nahm er lebhaften Anteil, wie er denn auch den Protest der Deputierten gegen die Unrechtmäßigkeit der Ordonnanzen Karls X. mit unterzeichnet hatte. Er war darauf eine Zeitlang Seinepräfekt, dann Adjutant bei Ludwig Philipp, seit 1834 wieder Deputierter für Paris, 1837 und 1839 für das Departement Seine-et-Oise, legte aber 1841 sein Mandat nieder. Er starb 19. Okt. 1842 in Paris. Von seinen Schriften sind noch zu erwähnen die "Description des nouveaux jardins de la France et de ses anciens châteaux" (Par. 1808, 2 Bde.), der sich ein andres Prachtwerk: "Les monuments de la France, classés chronologiquement" (1815-36, 2 Bde.), anschloß, und "Versailles ancien et moderne" (1840).

3) Léon, Marquis, franz. Archäolog und Reisender, Sohn des vorigen, geb. 12. Juni 1807 zu Paris, machte 1825 mit seinem Vater eine Reise nach dem Orient, über die er in der "Voyage dans l'Arabie pétrée" (Par. 1830-33) berichtete, kam 1828 als Sekretär zur französischen Gesandtschaft nach Rom, war während der Julirevolution Adjutant des Generals Lafayette, 1831 Talleyrands Sekretär in London, 1832 in gleicher Eigenschaft bei der Gesandtschaft im Haag und 1834 zu Kassel und wurde 1841 zum Deputierten und 1842 in die Akademie gewählt. Später ward er Konservator der modernen Skulptur im Louvre und 1856 Direktor der Reichsarchive und Senator. Er starb 25. März 1869. Von seinen Werken sind noch zu erwähnen: "Flore de l'Arabie pé-^[folgende Seite]