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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: De la Rue; De la Rue books; Delassement; Delāt; Delation

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De la Rue - Delation.

ihn besonders populär gemacht haben: Richelieu, die beiden Verschwörer de Thou und Cinq-Mars auf einem dem seinigen angehängten Schiff die Seine hinauf zum Tod führend, und Mazarin, krank in glänzendem Hofkreis am Kartenspiel teilnehmend, die großen historischen Bilder: Cromwell am Sarg Karls I. (im Museum zu Nîmes) und die Kinder Eduards IV. von England im Tower im Moment vor ihrem Tod (Louvre). Im Salon 1834 trug das Gemälde: Jane Grays Hinrichtung im Tower den Preis davon, 1835 die Ermordung des Herzogs von Guise (im Besitz des Herzogs von Aumale), mit welchem Bild er den Höhepunkt in seinen historischen Darstellungen, die meist tragische Katastrophen schilderten, erreichte. Ehe jedoch das letztere Werk an die Öffentlichkeit gelangte, hatte sich in D. ein Umschwung von der historischen zur idealen Richtung vollzogen, veranlaßt durch den Auftrag, die Madeleinekirche auszumalen, wozu er sich 1834 durch eine Reise nach Italien vorbereitete. Die Ausführung des Werkes ward zwar wegen der Anordnung der Mitbeteiligung Zieglers von ihm abgelehnt; die Früchte seiner Studien aber bekundeten sich besonders in seinem größten, 1841 vollendeten Werk, dem sogen. Hémicycle, einem Wandgemälde im halbrunden Saal der École des beaux-arts, die Apotheose der bildenden Künste darstellend, einer Komposition mit 74 Figuren auf einem Flächenraum von 16 m Länge und 5 m Höhe. D. hat hier eine Reihe von Künstlern, welche drei verschiedenen Jahrhunderten angehören, zu einem malerisch wirkungsreichen Bild gruppiert, welches jedoch aus Mangel an Einheit und Größe des Stils keinen monumentalen Eindruck hervorruft. Auch ist es ihm nicht gelungen, die allegorischen Figuren mit den realistisch-historischen Gestalten harmonisch zu vereinigen. Das Bild ist auf mit siedendem Öl getränktem Stein mit Öl gemalt. Als er 1843 wiederum Italien besuchte, gewann seine Neigung zum Idealen eine religiöse Richtung durch den Tod seiner Gemahlin, so daß die Werke seines letzten Jahrzehnts vorwiegend diesem Gebiet angehören, wie die Pietà, Maria am Kreuzigungstag in ihrer Kammer, Maria am Fuß des Kreuzes, Marias Heimweg von Golgatha, Maria in Betrachtung der Dornenkrone, die im Tiber treibende Leiche einer Märtyrerin. Historie und historisches Genre pflegte er nur noch, wenn der Gegenstand seiner trüben Stimmung entsprach, wie in der Abführung Marie Antoinettes nach dem Urteilsspruch (1852) und in den Girondisten im Gefängnis (1836-1846). Sonst suchte er innige Motive aus dem italienischen Volksleben, wie z. B. die ruhenden Pilger an der Piazza di San Pietro (Galerie Raczynski in Berlin). An zwei Bestellungen: Napoleon, auf dem Maultier gedankenvoll über den St. Bernhard reitend und nach der Schlacht bei Waterloo zu Fontainebleau (Museum zu Leipzig), reihte sich auch eine bedeutsame Thätigkeit als Porträtist: unter andern sind der Papst Gregor XVI., Abel Rémusat, Guizot, Thiers, der General Changarnier, de Salvandy, Pourtalès etc. von ihm gemalt worden. Delaroches Gemälde sind fast alle von den besten Kupferstechern Frankreichs, Mercuri, Henriquel-Dupont, Prudhomme, Prévost, Martinet, Gérard u. a., gestochen und daher in weiten Kreisen bekannt geworden. Seine vier historischen Gemälde zu Versailles sind, wie dies den meisten großen Künstlern Frankreichs bei diesen Aufgaben begegnete, seine untergeordnetsten Werke. Auch in der Plastik hat sich D. mit Erfolg versucht, wie sein heil. Georg in Bronze beweist. Er war seit 1832 Mitglied des Instituts und mehrerer Akademien, Inhaber des preußischen Ordens pour le mérite und starb 4. Nov. 1856. Wie Delacroix das Haupt der romantischen Richtung, so ist D. das Haupt der französischen Geschichtsmalerei. Den von David und seinen Nachfolgern eingeschlagenen Weg verlassend, brach er ihr eine neue Bahn, indem er zwischen der romantischen und klassizistischen Richtung geschickt vermittelte. Ein Genie wie Delacroix war er jedoch nicht, sondern eine kühle, nüchterne Natur ohne Phantasie. Korrektheit der Zeichnung, Wärme und Durchsichtigkeit des Kolorits, wirkungsvolle Kontraste von Licht und Schatten, breite Pinselführung und namentlich große Gewandtheit in der Stoffmalerei zeichnen seine Werke aus. D. war aber weniger der Maler der Ereignisse, der historischen Thatsachen selbst als der Eindrücke, die sie auf die Seele der daran Beteiligten hervorbrachten, wodurch der Beschauer gleichsam Teilnehmer der Handlung wird. Vgl. Jul. Meyer, Geschichte der französischen Malerei (Leipz. 1867); Rosenberg, Geschichte der modernen Kunst, Bd. 1 (das. 1884).

De la Rue (spr. rüh), Warren, Naturforscher, geb. 18. Jan. 1815 auf Guernsey, wurde in Paris erzogen und trat in seines Vaters Geschäft als Kartenfabrikant und Papierhändler. Hier konstruierte er zahlreiche Maschinen und beschäftigte sich auch mit chemischen Prozessen. In diese Zeit fallen z. B. seine Maschinen für Buntpapier, Pappen- und Kouvertfabrikation sowie die Bemühungen zur Verbesserung des photographischen Papiers. Bei den Ausstellungen von 1851, 1855 und 1862 fungierte er als Jurymitglied. Nachdem er bereits seit 1852 auf einem kleinen Observatorium auf seinem Wohnhaus zu Canonbury (London) Doppelsternbeobachtungen angestellt hatte, erbaute er 1857 ein Observatorium zu Cranford in Middlesex und begründete hier seinen Ruhm durch die glänzenden Erfolge, welche er bei der Anwendung der Photographie auf astronomische Erscheinungen erzielte. Im J. 1860 ging er mit der Himalaja-Expedition nach Spanien und gewann eine Reihe ausgezeichneter Photographien von der totalen Sonnenfinsternis 18. Juli. 1874 errichtete er ein physikalisches Laboratorium mit einer elektrischen Batterie von 11,000 Zellen, die er mit Hugo Müller zu wichtigen Experimenten benutzte. Später stellte er mit Balfour Stewart und Loewy Beobachtungen auf dem Kewer Observatorium an und veröffentlichte die Resultate als "Researches on solar physics".

De la Rue books (engl., spr. ru bucks), Notizbücher in festem, aber biegsamem Ledereinband.

Delassement (franz., spr. -laß'māng), Erholung; delassieren, sich erholen, ausruhen.

Delāt (lat.), jemand, dem etwas zuerkannt, besonders ein Eid zugeschoben wird (s. Eid); auch derjenige, gegen den eine Anzeige erstattet ist.

Delation (lat.), Anzeige; im Erbrecht (delatio hereditatis) der Anfall einer Erbschaft im Unterschied von deren Erwerb (Acquisition). Die D. tritt bei der Erbfolge aus einem Testament mit dem Tode des Erblassers ein. Die D. der Intestaterbfolge setzt überdies noch das Nichtvorhandensein eines Testaments voraus. Nach deutschem Recht kann ein Erbe aber auch durch Vertrag bestimmt werden, so daß also noch ein dritter Delationsgrund zu der D. aus dem Gesetz und der D. aus einem Testament hinzukommt. Der Zustand der D. hört mit dem eigentlichen Erwerb, also etwa mit der Erklärung der Annahme oder mit entsprechenden konkludenten Handlungen, auf. Im Prozeß ist Eidesdelation s. v. w. Zuschiebung eines Haupteides.