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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Delgado - Deligny.

lingen führt als eine 104 km lange Schiffahrtslinie für Trekschuiten. D. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Delgado, Vorgebirge an der Ostküste von Südafrika, am nördlichen Eingang in die Straße von Mosambik, an der Mündung des Rowuma. Das Land südlich davon bildet den portugiesischen Distrikt Cabo D. mit dem Hauptort Ibo.

Delhi, Stadt, s. Dehli.

Deli (türk., "Narr, Tollkühner, Wagehals"), in den frühern türkischen Heeren Name einzelner Wagehälse der türkischen Kavallerie, die im Kampf blind auf den Feind losgingen, wobei sie meist von Opium berauscht zu sein pflegten. Ihr Befehlshaber hieß Delibaschi. Die Großwesire hatten sonst 400-500, ja die beiden Köprili 2000 solcher Delis als Leibwache, die im Feld beritten war, in Konstantinopel aber zu Fuß vor dem Großwesir hermarschierte, wenn er sich nach dem Diwan begab.

Delia, Beiname der Artemis, von ihrer Geburt auf Delos; auch Name der daselbst gefeierten Feste. Die kleinen Delien wurden jährlich am 6. Thargelion (Ende Mai) gefeiert und besonders von den Athenern beschickt, die großen Delien, die Hauptversammlungen der ionischen Amphiktyonen, alle fünf Jahre am 6. und 7. Thargelion gehalten und, wie auch die kleinen Delien, mit Spielen verbunden. Auch die in dem böotischen Delion dem Apollon zu Ehren gefeierten Feste hießen D.

Delibāl (türk.), betäubender Honig, der in Kleinasien von den Bienen aus dem Honigsaft des pontischen Seidelbastes (Daphne pontica) bereitet wird.

Delibation (lat.), Wegnahme, Verminderung.

Deliberation (lat.), Beratschlagung, Erwägung.

Deliberationsfrist, s. Bedenkzeit.

Deliberieren (lat.), beratschlagen, erwägen.

Delibes (spr. dölihb), Léon, franz. Komponist, geb. 1836 zu St.-Germain du Val (Sarthe), wurde 1848 Schüler des Pariser Konservatoriums (speziell von Le Couppey, Bazin, Adam und Benoist), 1853 auf Adams Empfehlung Akkompagnateur am Théâtre lyrique und wenig später Organist an der Kirche St.-Jean et St.-François. 1855 kam seine erste einaktige Operette: "Deux sacs de charbon", auf dem Théâtre des Folies-Nouvelles zur Aufführung, welcher bald andre in den Bouffes parisiens folgten. Das Théâtre lyrique brachte zwei einaktige komische Opern: "Maître Griffard" (1857) und "Le jardinier et son maître" (1863). Mehr und mehr zeigte sich D.' Talent für eine feine, graziöse, heitere Musik; doch kam derselbe erst in sein eigentliches Element, als sich ihm die Pforten der Großen Oper öffneten, an welcher er 1865 als zweiter Chordirektor angestellt wurde. 1866 brachte diese das Ballett "La source" (in Wien als "Naila, die Quellenfee" gegeben), zu dem D. in Gemeinschaft mit einem Polen (Minkus) die Musik geschrieben hatte; der Erfolg der von D. komponierten Nummern war ein entscheidender. 1870 folgte das Ballett "Coppélia", das seinen Ruf als Komponist endgültig feststellte, 1876 das Ballett "Sylvie, ou la nymphe de Diane". Inzwischen war auch die komische Oper "Le roi l'a dit" 1873 mit großem Erfolg zur Aufführung gelangt und ist seitdem auch über deutsche Bühnen gegangen. Für D'. bestes Werk gilt "Coppélia"; bei den übrigen schädigt nicht selten das mangelhafte Libretto den Erfolg der Musik. D. hat späterhin seine Chordirektorstelle aufgegeben und ist seit 1880 Professor der Komposition am Pariser Konservatorium.

Delicāto (ital., delicatamente, con delicatezza), musikal. Vortragsbezeichnung: "geschmackvoll", fein, d. h. durchsichtig und zart.

Delice (franz., spr. -ihs), Wonne, Behagen.

Deliciae (lat., "Ergötzlichkeiten"), in älterer Zeit beliebter Titel für dichterische Sammelwerke, z. B. D. poetarum italorum, D. poet. gallorum, D. poet. germanorum etc. (sämtlich in 14 Bdn., Frankf. a. M. 1608-19). Bei den Römern hießen D. auch gewisse Sklaven (meist Kinder, Zwerge und Mißgeburten), die zur Unterhaltung ihrer Herren dienten. - D. generis humani ("Zierde des Menschengeschlechts"), Ehrenbeiname des römischen Kaisers Titus.

Delictum (lat.), Verbrechen (s. d.).

Delieren (lat.), auslöschen, wegwischen, tilgen.

Deligeorgis, Epaminondas, griech. Minister, geb. 1829 zu Missolunghi, trat zuerst bei der Revolution von 1862 und der Begründung des neuen Throns Georgs I. in den Vordergrund der Politik. Er war in der Kammer, in welcher er sich durch glänzende Rednergabe auszeichnete, bald der Führer einer Partei, welche nach außen eine friedliche Politik, namentlich Freundschaft mit der Türkei, erstrebte, nach innen freiheitliche Grundsätze in Gesetzgebung und Verwaltung verwirklichen wollte. Nachdem er 1870 nach dem Rücktritt von Zaimis kurze Zeit Ministerpräsident gewesen, übernahm er 1872 wieder die Bildung eines Kabinetts und brachte eine Vereinbarung mit der italienisch-französischen Gesellschaft, welche die Laurionbergwerke besaß, zu stande, infolge deren die Bergwerke auf Griechenland übergingen. 1874 gestürzt, war er 1876 drei Tage Ministerpräsident, übernahm aber im März 1877 von neuem das Ministerium und befolgte während des russisch-türkischen Kriegs eine friedliche Politik, da er durch eine gütliche Verständigung mit der Pforte mehr zu erreichen hoffte als durch Krieg. Im Koalitionsministerium vom Juni 1877 erhielt er die Finanzen, trat aber zurück, als im Januar 1878 die Regierung sich zur Teilnahme am Krieg entschloß. Er starb 27. Mai 1879. Seine politischen Reden erschienen 1880 in Athen (2 Bde.).

Deligiannis (Delyannis), Theodor P., griech. Staatsmann, aus einer der angesehensten Familien des Peloponnes zu Gortynia geboren, studierte in Athen die Rechte und rückte im praktischen Staatsdienst schnell bis zu den höchsten Stellungen auf. Dem König Otto befreundet, mißbilligte er als Unterstaatssekretär die Angriffe, in deren Folge der König resignierte. Die konstituierende Nationalversammlung betrachtete ihn als eins ihrer hervorragendsten Glieder und bestimmte ihn zum Minister des Äußern. 1867, während des Aufstandes in Kreta, war er Gesandter in Paris und seitdem wiederholt Minister des Äußern, Kultus und der Finanzen. In dem sogen. ökumenischen Ministerium von 1877 stimmte er für den Krieg. Als Minister des Äußern neben Komunduros wurde er erster Bevollmächtigter bei dem Berliner Friedenskongreß, wo seine Gewandtheit trotz der schwierigen Situation für Griechenland Thessalien und einen großen Teil von Epirus gewann. Doch ward nach seinem Rücktritt aus dem Ministerium nicht das ganze Gebiet besetzt, welches D. errungen hatte. Seit dem Tod Komunduros' war D. das Haupt der Opposition, im April 1885 trat er an die Spitze des neuen Ministeriums.

Deligny (spr. dölinji), Edouard Jean Etienne, franz. General, geb. 12. Dez. 1815 zu Ballan (Indre), trat 1835 als Leutnant in das 13. leichte Infanterieregiment und diente über 20 Jahre in Algerien, wo er sich sowohl bei den kriegerischen Unternehmungen als in den arabischen Büreaus auszeichnete. Er ward 1844 zum Kapitän befördert, 1848 zum Bataillonschef, 1852 zum Obersten und 1855 zum Brigadegene-^[folgende Seite]