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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Depouillieren; Deppe; Depping; Deprädieren; Depravieren; Deprehension; Deprekation; Deprekatūr; Depressaria; Depression

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Depouillieren - Depression.

Darlehns- oder Depositalforderungen D. gegeben werden. Ein solcher Wechsel, meist ein eigner Wechsel, ist allerdings zunächst nicht zur Weiterbegebung bestimmt, sondern vielmehr zur Hinterlegung bei dem ersten Empfänger, zu dessen Sicherung er dienen soll, solange das Kontokorrentverhältnis oder die Forderung besteht. Der Umstand, daß es sich um einen D. handelt, schließt jedoch an und für sich die wechselmäßige Begebung desselben nicht aus, selbst dann nicht, wenn der Wechsel in seinem Kontext oder in der Überschrift ausdrücklich als D. bezeichnet ist. Die in kaufmännischen Kreisen vielfach verbreitete gegenteilige Annahme ist nicht richtig, wenn auch der D. seiner Bestimmung nach nur ein Sicherungsmittel sein, so daß der Empfänger von dem D. nur dann Gebrauch machen soll, wenn der Aussteller oder der Acceptant seiner Hauptverbindlichkeit nicht nachkommt. Übrigens werden die D. nicht selten durch die Klausel "nicht an Order" ausdrücklich als Rektawechsel bezeichnet, d. h. von der Begebbarkeit ausgeschlossen.

Depouillieren (franz., spr. -puji-), plündern, berauben.

Deppe, Ludwig, Komponist und Dirigent, geb. 7. Nov. 1828 zu Alverdissen (Lippe), studierte in Detmold Violin- und Klavierspiel sowie Komposition und ließ sich 1857, nachdem er unter Leitung Marxsens in Altona und Lobes in Leipzig seine Studien abgeschlossen, in Hamburg als Musiklehrer nieder. Hier an die Spitze eines Gesangvereins berufen, zeichnete er sich bald als Dirigent so sehr aus, daß ihm die größten Aufgaben übertragen wurden, namentlich Aufführungen Händelscher Oratorien in der Michaeliskirche, welche zu den Glanzpunkten des Hamburger Musiklebens der letzten Dezennien gehören. Nach größern Reisen übernahm D. 1871 die Leitung der Berliner Symphoniekapelle, gab dieselbe jedoch nach Jahresfrist wieder auf, um seine Thätigkeit vorwiegend größern Oratorienaufführungen sowie dem Unterricht zuzuwenden. Daneben hat er sich als Dirigent der 1876 ins Leben gerufenen schlesischen Musikfeste verdient gemacht. Unter seinen Kompositionen sind hervorzuheben: die Ouvertüren zu "Zriny" und "Don Karlos", eine Symphonie in F und Chorlieder. Auch hat D. durch seine Instrumentierung mehrerer Händelscher Oratorien die richtige Würdigung dieses Meisters wesentlich gefördert.

Depping, Georg Bernhard, deutsch-franz. Geschichtschreiber, geb. 11. Mai 1784 zu Münster, begleitete 1803 einen französischen Emigranten nach Frankreich, wo er in Paris anfangs als Lehrer an einigen Erziehungsanstalten Anstellung fand, dann die neuern Sprachen studierte und für französische und deutsche Zeitschriften Beiträge lieferte. Er starb 6. Sept. 1853 in Paris, seit 1827 in Frankreich naturalisiert. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Merveilles et beautés de la nature en France" (Par. 1811; 9. Aufl., das. 1845); "Les soirées d'hiver" (3. Aufl. 1833; deutsch, Krefeld 1831); "Voyages d'un étudiant dans les cinq parties du monde" (1822, 2 Tle.); "La Grèce" (1823, 4 Bde.); "La Suisse" (2. Aufl. 1824, 4 Bde.); "Histoire des expéditions maritimes des Normands et de leur établissement en France au X. siècle" (1826, 2 Bde.; 2. Aufl. 1844; deutsch, Hamb. 1829); "Histoire du commerce entre l'Europe et le Levant depuis les croisades jusqu'à la fondation des colonies d'Amérique" (1832, 2 Bde.); "Erinnerungen aus dem Leben eines Deutschen zu Paris" (Leipz. 1832); "Les juifs dans le moyen-âge" (1834, neue Ausg. 1844; deutsch, Stuttg. 1834); "Geschichte des Kriegs der Münsterer und Kölner gegen Holland 1672-74" (Münst. 1840). Er setzte auch Liquets "Histoire de la Normandie" (Rouen 1835, 2 Bde.) fort und bearbeitete für die Sammlung historischer Dokumente die ältesten Statuten der Handwerke der Stadt Paris (1837) und eine Zusammenstellung der wichtigsten auf die Staatsverwaltung Ludwigs XIV. bezüglichen Aktenstücke (1850-55, 4 Bde.). Seine zuerst 1817 erschienene "Sammlung spanischer Romanzen" erschien in zweiter Auflage unter dem Titel: "Romancero castellano" (Leipz. 1844, 2 Bde.; Bd. 3 von F. Wolf, 1846).

Deprädieren (lat.), berauben, plündern; Deprädation, Beraubung, Plünderung.

Depravieren (lat.), verschlechtern, verderben; auch schlechter werden; Depravation, Verschlechterung.

Deprehension (lat.), Ergreifung, Festnehmung eines Verbrechers. Deprehensionis forum ist im Strafprozeß der Gerichtsstand des Ortes der Ergreifung oder der Betretung des Verbrechers. Nach gemeinem Recht konkurrierte dieser Gerichtsstand mit dem Gerichtsstand des Wohn- oder Aufenthaltsorts des Verbrechers (forum domicilii) sowie mit dem Gerichtsstand des begangenen Verbrechens (forum delicti), d. h. die Untersuchung und Bestrafung eines Verbrechers konnte ebenso gut von dem Gericht, in dessen Sprengel der Verbrecher ergriffen, wie von dem Gericht, in dessen Sprengel die That verübt wurde, oder auch von dem Gericht des Wohnorts des Verbrechers beansprucht werden. Die deutsche Strafprozeßordnung (§ 9) erklärt das Gericht, in dessen Bezirk der Beschuldigte ergriffen wurde, dann für zuständig, wenn die strafbare Handlung im Ausland begangen worden und ein sonstiger Gerichtsstand nicht begründet ist. Dasselbe gilt für den Fall, wenn die strafbare Handlung zwar im Inland begangen, jedoch weder der Gerichtsstand der begangenen That noch derjenige des Wohnorts ermittelt ist.

Deprekation (lat. Deprecatio injuriae, "Abbitte"), eine dem deutschen Recht eigentümliche beschämende Privatstrafe, auf welche früher bei Ehrverletzungen, entweder allein oder neben einer Geldstrafe oder einer Ehrenerklärung und Widerruf, erkannt werden konnte (s. Abbitte). - In der Rhetorik ist D. die Figur, wobei der Redner, statt mit Gründen zu wirken, sich bittweise an die Richter oder andern Zuhörer wendet. - In der Dogmatik versteht man darunter Fürbitte Christi für die Gläubigen bei Gott.

Deprekatūr (mittellat.), das bei einer Schenkung an Klöster und Kirchen von dem Schenkenden reservierte Anrecht auf die Einkünfte zeit seines Lebens; auch eine bis ins dritte Glied dauernde Erbpacht.

Depressaria, s. Motten.

Depression (lat.), in der Astronomie s. v. w. negative Höhe, d. h. die unter den Horizont fortgesetzte Verlängerung eines Höhenkreises. Von einem Stern, der 10° unter dem Horizont steht, sagt man, seine D. betrage 10°. Unter D. des Horizonts (Kimmtiefe) versteht man den Winkel, den die von dem Auge eines in einiger Höhe über dem Meeresspiegel befindlichen Beobachters aus nach dem scheinbaren Horizont gezogene gerade Linie mit der horizontalen Ebene einschließt. Diese D. kommt namentlich bei Höhenbeobachtungen zur See in Betracht, weil hier der scheinbare Horizont als Anfang für die Höhe genommen werden muß, da die schwankende Bewegung des Schiffs die Anwendung des Niveaus nicht gestattet. Durch die D. wird die Höhe eines Sterns vergrößert. - In der Physik heißt D. die Senkung des Flüssigkeitsspiegels in Haarröhrchen, welche