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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: De Quincey; Deputation; Deputatíst; Deputātus; Deputieren; Deputierte; Der; Deradschat

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Deputation - Deradschat.

regelmäßig niedrigen) Preis zu entrichten ist, z. B. Deputatgetreide, Deputatholz etc. Wo diese Leistungen abgelöst und in feste Geldbeträge umgewandelt worden sind, pflegte man sich zur Bestimmung der letztern nach dem Durchschnittspreis der letzten 25 oder 20 Jahre (mit Auslassung der beiden teuersten und der beiden wohlfeilsten Jahre) zu richten. Die Verpflichteten haben dabei fast immer gewonnen, die Berechtigten häufig verloren. - Bei sequestrierten Stammgütern ist D. das, was dem Besitzer daraus zum Unterhalt ausgesetzt ist. Endlich bedeutet, wiewohl seltener, D. s. v. w. Besoldung, Bestallung, auch s. v. w. Apanage.

Deputation (lat.), Abordnung, Entsendung einiger Mitglieder aus einem Kollegium, einer größern Versammlung, Korporation oder sonstigen Genossenschaft zur Betreibung einzelner Angelegenheiten derselben; dann die abgesendeten Personen selbst; ferner eine Abordnung (Ausschuß) von einer Gemeindevertretung zur Verwaltung einzelner Zweige des Gemeindewesens (Armen-, Schul-, Gewerbe-, Steuer-, Einquartierungswesen etc.). In den deutschen Freien Städten ist D. die offizielle Bezeichnung gewisser Verwaltungskollegien. Auch sind in vielen deutschen Staaten Deputationen zu Entscheidungen von Streitigkeiten zwischen Armenverbänden eingerichtet (s. Unterstützungswohnsitz). Ebenso wird der Ausdruck D. zur Bezeichnung parlamentarischer Kommissionen oder Ausschüsse gebraucht, welchen einzelne Vorlagen zur Vorberatung und zur Berichterstattung darüber im Plenum überwiesen werden. Von besonderer Wichtigkeit sind ferner die Deputationen, welche eine parlamentarische Körperschaft an den Monarchen, namentlich zur Überreichung einer Adresse, entsendet. Nach der Geschäftsordnung des deutschen Reichstags wird die Mitgliederzahl einer solchen D. auf Vorschlag des Präsidenten vom Reichstag bestimmt, während die einzelnen Mitglieder der D., welche dem Kaiser eine Adresse überreichen sollen, durchs Los bezeichnet werden. Im ehemaligen Deutschen Reiche gab es allgemeine oder Reichsdeputationstage und besondere Deputationstage, welche in den einzelnen Staaten von den Abgeordneten der Stände gehalten wurden. Beide waren wieder entweder ordentliche oder außerordentliche Deputationstage, je nachdem sie nach der in den Reichs- oder den Provinzialgesetzen vorgeschriebenen Verfassung oder außer der Ordnung wegen eingetretener besonderer Umstände gehalten wurden. Die von den Deputierten und kaiserlichen Kommissaren zu stande gebrachten und in einer Urkunde gesammelten Beschlüsse hießen Deputationsrezesse (Deputationsabschiede); vgl. Reichsdeputation. - Deputationen hießen auch früher die von einem Kollegialgericht abgeordneten Einzelrichter.

Deputatíst, s. Deputat.

Deputātus (lat.), der Abgeordnete, Deputierte, der Angehörige einer Deputation (s. d.).

Deputieren (neulat.), abordnen, absenden.

Deputierte (lat.), "Abgeordnete", die von einer Versammlung, einem Kollegium oder aus der Mitte sonstiger Genossen Abgesandten, welche für jene auftreten und dieselben vertreten sollen. So werden in größern Gemeinden einzelne Mitglieder zur Verwaltung besonderer Zweige des Gemeindewesens (Armen-, Schul-, Gewerbewesen etc.) "deputiert". Nach der preußischen Kreisverfassung sind die "Kreisdeputierten" die Vertreter des Landrats. Namentlich wird die Bezeichnung D. auch für Volksvertreter gebraucht (s. Volksvertretung). In Frankreich ist die Deputiertenkammer (Chambre des députés) die aus allgemeinen Wahlen hervorgehende Zweite Kammer.

De Quincey (spr. kwinnssi), Thomas, engl. Schriftsteller, geb. 15. April 1785 zu Greenhay bei Manchester, Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, der frühzeitig starb, wurde zu Bath erzogen, entlief mit 16 Jahren heimlich nach London, wo er in die bitterste Not geriet, vollendete von 1803 an in Oxford seine Studien und ließ sich dann zu Grasmere in der Seengegend nieder, wo er zu Wordsworth, der dort wohnte, in vertrauliche Beziehungen trat und der Schriftstellerei zugeführt wurde. Schon seine ersten Versuche, Beiträge zum "London Magazine", dem er fortan ein treuer Mitarbeiter blieb, hatten glänzenden Erfolg. Später (1832) siedelte er nach Laßwade bei Edinburg über, wo er sein übriges Leben, zuletzt in ziemlich dürftigen Umständen, verbrachte. Er starb 8. Dez. 1859 in Edinburg während eines Besuchs. Von seinen zahlreichen Schriften, die sich über die verschiedensten Gegenstände verbreiten und sich stets durch vollendeten Stil und geistvolle, wenn auch nicht immer gründliche Behandlung auszeichnen, sind als das bedeutendste seine "Confessions of an English opium-eater" zu nennen, die 1821 im "London Magazine", 1822 als Buch erschienen und seitdem zahlreiche Auflagen erlebten. Dieses ergreifende Werk, das in seiner Eigenartigkeit gewissermaßen eine neue Spielart litterarischer Erzeugnisse bildet, ist eine Art Autobiographie, da der Verfasser selber der Gewohnheit des Opiumessens schon von Oxford her eine Reihe von Jahren hindurch im stärksten Grad frönte (er genoß eine Zeitlang täglich 320 Gran) und sich trotz alles Ankämpfens nie ganz davon befreien konnte. Ein Pendant dazu bilden die pathetisch beredten "Suspiria de profundis". Auch die "Autobiographical sketches" (1853) sind hier anzureihen. Seine sonstigen Schriften bestehen in Essays philosophischen, theologischen, und kritischen Inhalts (auch über deutsche Litteratur), in Biographien, Erzählungen, Skizzen etc. und einigen nationalökonomischen Werken, z. B. "The logic of political economy" (1844), worin die Irrtümer Malthus' u. a. in der Anwendung von Ricardos Theorie des Wertes nachgewiesen werden. Gesamtausgaben seiner Werke erschienen wiederholt, zuletzt in 16 Bänden (Edinb. 1880). Vgl. Page, Thomas De Q. His life and writings (2. Aufl., Lond. 1879, 2 Bde.); Masson, Thomas De Q. (das. 1881).

Der (Derr, Deïr), Hauptort von Unternubien, am rechten Nilufer, 200 km oberhalb Assuân, mit 1000-1200 Einw., welche das Kensi oder Berberi sprechen. In der Umgebung Ruinen eines unter Ramses II., dem Sesostris der Griechen, also im 14. Jahrh. v. Chr. erbauten Tempels.

Dêr (arab.), s. v. w. Kloster (in Ortsnamen vorkommend).

Deradschat, einer der zehn Regierungsbezirke (Commissionerships) der englisch-ind. Provinz Pandschab, 45,781 qkm (814 QM.) mit (1881) 1,137,572 Einw., zerfällt in die drei Distrikte: Dera Ismael Chan, Dera Ghazi Chan und Bannu. Die bedeutendsten Städte sind Dera Ismael Chan (1881: 18,988 Einw.) und Dera Ghazi Chan (18,935 Einw.), beide mit bedeutender Fabrikation von Baumwoll- und Seidenstoffen und lebhaftem Handel mit diesen Fabrikaten, die in noch größerer Menge aus andern Teilen Indiens zugeführt werden, sowie mit Korn und Salz nach Afghanistan. Die Anwohner der Grenze (Afghanen) sind in viele Stämme gespalten und waren ein unruhiges, an Arbeit nicht gewöhntes, raublustiges Volk, das durch mehrfache kriegerische