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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Desf.; Desfontaines; Desh.; Deshabillé; Deshayes; Deshima; Deshonnett; Deshonneur; Deshoulières

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Desf. - Deshoulières.

Antoinette im Halsbandprozeß zur Seite stand und 1789 die Freisprechung des Generals der Schweizergarde, Besenval, bewirkte, der wegen Hochverrats angeklagt war. Er war einer der drei Verteidiger Ludwigs XVI. vor den Schranken des Nationalkonvents und lieferte in seiner Verteidigungsrede, die er in vier Nächten vollendete und 26. Dez. 1792 hielt, ein Meisterstück der Rechtsgelehrsamkeit. Später ward er als verdächtig verhaftet und erhielt erst nach dem 9. Thermidor die Freiheit wieder. Ludwig XVIII. überhäufte ihn mit Ehrenbezeigungen, ernannte ihn 1814 zum ersten Präsidenten des Kassationshofs und zum Großschatzmeister der königlichen Orden und, nachdem D. während der Hundert Tage dem Hof nach Gent gefolgt war, nach der zweiten Restauration zum Grafen, Pair von Frankreich und Mitglied der Akademie. D. starb 2. Mai 1828 in Paris.

Desf., Desfont., bei botan. Namen Abkürzung für R. L. Desfontaines (s. d.).

Desfontaines (spr. däfongtähn), 1) Pierre François Guyot, Abbé, franz. Litterator, geb. 1685 zu Rouen, wurde in einem Jesuitenkollegium erzogen, in seinem 15. Jahr in diesen Orden aufgenommen und zum Professor der Rhetorik zu Bourges befördert. In seinem 30. Jahr verließ er den Orden wieder, widmete sich den schönen Wissenschaften, ward Mitarbeiter am "Journal des Savants" und gab mit Fréron, Destrée, Granet u. a. periodische kritische Schriften heraus: "Le Nouvelliste du Parnasse" (1731-34, 5 Bde.), "Observations sur les écrits modernes" (1735 ff.), die oberflächlich und plump, aber sehr giftig geschrieben waren. Besonders durch letztere Schrift geriet er in überaus heftige Streitigkeiten mit Voltaire, dem er eigentlich zu tiefster Dankbarkeit verpflichtet gewesen wäre. Auf Voltaires "Critique des Observations, etc." (1738) antwortete er mit dem skandalösen und verleumderischen Libell "Voltairomanie" (1738). Nur durch diesen Streit hat D. Bedeutung erlangt und verdient er erwähnt zu werden. Er starb 16. Dez. 1745 in Paris. Außer den genannten Schriften veröffentlichte er eine Übersetzung des "Gulliver" von Swift (1727) und des Vergil (in Prosa, 1743) und schrieb: "Racine vengé" gegen die Bemerkungen d'Olivets (1739).

2) D., René Louiche genannt, Botaniker, geb. 14. Febr. 1750 zu Tremblay (Ille-et-Vilaine), studierte in Paris Medizin, wendete sich aber später der Botanik zu und ward Direktor des botanischen Gartens. 1783-85 bereiste er Tunis und Algerien bis auf den südlichen Abhang des Atlas. Die Ausbeute dieser Reise lieferte die Grundlage zu seiner "Flora atlantica" (Par. 1798-1800, 2 Bde. mit 261 Tafeln). Nach seiner Rückkehr ward er Professor der Botanik am Jardin des Plantes. Er starb 16. Nov. 1833. D. lieferte Untersuchungen über den Bau der Monokotyledonenstengel in seinen "Mémoires sur l'organisation des Monocotyledonées" ("Mémoires de l'Institut national") und schrieb außerdem: "Fragments du cours de botanique et de physique végétale" in der "Décade philosophique" 1794-96, dann auch besonders gedruckt; "Tableau de l'école botanique du Museum d'histoire naturelle de Paris" (1804; 3. Aufl. u. d. T.: "Catalogus plantarum horti regii parisiensis", 1829; Nachtrag 1832); "Histoire des arbres et des arbrisseaux, qui peuvent être cultivés en pleine terre sur le sol de la France" (1809, 2 Bde.). Nach seinem Tod erschien: "Voyage dans les régences de Tunis et d'Alger" (1833).

Desh., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für G. P. Deshayes (s. d.).

Deshabillé (franz., spr. desabijē), bequemes Hauskleid für Frauen; deshabillieren, entkleiden.

Deshayes (spr. dä-äh), Gérard Paul, Naturforscher, geb. 13. Mai 1795 zu Nancy, studierte in Straßburg, kam 1819 nach Paris und widmete sich vorzüglich der Erforschung der fossilen Mollusken. Er nahm teil an mehreren wissenschaftlichen Expeditionen, wurde Professor der Naturgeschichte am Museum in Paris und starb 9. Juni 1875 in Boran (Oise). Seine wichtigsten Arbeiten beziehen sich auf die Tertiärformation, für welche er mit Lyell die Einteilung in Eocän, Miocän und Pliocän gab. D. schrieb: "Description des coquillages fossiles des environs de Paris" (Par. 1824-37, 3 Bde.); "Description des coquilles caractéristiques des terrains" (1831); "Traité élémentaire de conchyliologie" (1834-1858, 3 Bde.); "Description des animaux sans vertèbres, decouverts dans le bassin de Paris" (1857 bis 1865, 5 Bde.); "Conchyliologie de l'île de la Réunion-Bourbon" (1863). Auch gab er mit Milne Edwards die "Histoire naturelle des animaux sans vertèbres" von Lamarck (1836-46, 11 Bde.) neu heraus, bearbeitete die Mollusken zu der wissenschaftlichen Reise nach Morea, zu Cuviers Tierreich, zur "Encyclopédie méthodique" und lieferte eine Fortsetzung zu der "Histoire des mollusques terrestres et fluviatiles" von Ferussac (1838-51). Für die "Exploration scientifique de l'Algérie" schrieb er die "Histoire naturelle des mollusques" (1845).

Deshima (Desima, Decima, "Vorinsel"), ein künstlich geschaffenes Inselchen an der Südseite der Stadt Nagasaki in Japan, von dieser nur durch einen überbrückten Kanalgraben getrennt. Es hat die Gestalt eines ausgebreiteten japanischen Fächers ohne Griff, ist 200 m lang und 70 m breit und war anfangs zur Aufnahme der portugiesischen Kaufleute bestimmt, 1641 aber als Handelsfaktorei den Holländern überwiesen, von denen hier 16-20 Personen im Dienste der Ostindischen Kompanie unter einem Residenten bis 1854 den beschränkten Handel mit Japan vermittelten. Der Gewinn an den Exportartikeln: Gold, Silber, Kupfer, Bronze, Porzellan, Lackwaren, Seide, Kampfer (jährlich für 660,000 Pfd. Sterl.), war ein enormer. Von den Ärzten der Faktorei haben Kämpfer, Thunberg, v. Siebold sich um die Erforschung Japans die größten Verdienste erworben.

Deshonnett (franz. déshonnète, spr. desŏnät), unanständig, unschicklich.

Deshonneur (franz., spr. desŏnör), Unehre, Schimpf; deshonorieren, entehren, beschimpfen.

Deshoulières (spr. däsulĭähr), Antoinette, geborne De Ligier de la Garde, berühmte franz. Dichterin, geboren um 1637 zu Paris, erhielt eine gelehrte (besonders sprachliche) Erziehung, beschäftigte sich später auch mit Philosophie und ward Mitglied mehrerer gelehrter Gesellschaften. In den Unruhen der Fronde folgte sie ihrem Gatten, der sich dem Prinzen von Condé angeschlossen hatte, nach Holland, wurde dort wegen ihrer Schönheit und ihres Geistes viel gefeiert, dann aber für die Kühnheit, mit der sie den rückständigen Sold ihres Gatten forderte, im Schloß Vilvorde bei Brüssel gefangen gesetzt, woraus sie ihr Gemahl mit Gewalt befreite. Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich spielte sie unter dem Namen Amaryllis eine große Rolle in der Litteratur und starb 17. Febr. 1694. Madame D. war erzogen worden im Geiste des Hôtel de Rambouillet; sie war eine "Preziöse" vom reinsten Wasser. Das zeigt nicht nur ihr Auftreten gegen Racine und der Tadel Boileaus; ihre kleinern