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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Desintegrator

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Desintegrator.

gleich nach dem Gebrauch in Seifen- oder Karbollösungen und läßt sie dann durch Dampf desinfizieren. Benutzte Verbandstücke verbrennt man. Die Krankenräume selbst desinfiziert man, nachdem die Kranken evakuiert und alle transportabeln Gegenstände entfernt sind, durch Chlor oder Brom und thut gut, bei länger dauernden Epidemien öfters die Krankenräume wechseln zu lassen und die geleerten zu desinfizieren. Bettstellen, Matratzen, Decken, Teppiche u. dgl. werden durch Wasserdämpfe desinfiziert. Ärzte und Wärter schützen sich durch möglichste Reinhaltung ihres Körpers, regelmäßiges Baden und Waschen, auch mit Sublimat, häufiges Wechseln der Kleider und Wäsche, kräftige Ernährung und regelmäßiges Leben; auch muß darauf geachtet werden, daß die Wärter nicht mit andern Personen verkehren. Die Dejektionen, besonders von Cholera-, Ruhr- und Typhuskranken, sind womöglich zu verbrennen; ist dies nicht möglich, so verhindert man die Entwickelung von Gasen durch Eisenvitriol, Ätzkalk und Chlorkalk sowie durch Bestreuen mit Kohle, Torf, Sägespänen, Gips oder Erde und begießt Senkgruben, Abtritte u. dgl. mit starken Karbol- und Sublimatlösungen. Trinkwasser wird abgekocht oder mit übermangansaurem Kali so lange versetzt, bis es eben deutlich schwach rot erscheint. Trübes oder beim Stehen sich trübendes Wasser klärt man durch etwas Alaun oder reine Soda. Sehr empfehlenswert ist das Ansäen schnell wachsender Pflanzen in der Nähe von Brunnen. Vgl. "Mitteilungen des kaiserlichen Gesundheitsamtes" (Berl. 1883); Reichardt, D. und desinfizierende Mittel (2. Aufl., Stuttg. 1881); Wernich, Desinfektionslehre (2. Aufl., Wien 1882).

Desintegrator (Schleudermühle), von Carr erfundene Maschine zur Zerkleinerung aller Arten nicht faserigen Materials, besteht aus zwei gegenübersitzenden Scheiben ab (Fig. 1 u. 2), welche sich mit großer Geschwindigkeit in entgegengesetzter Richtung um eine horizontale Achse c drehen und mit in konzentrischen Kreisen stehenden Stäben dd versehen sind, die fast von einer Scheibe bis zur andern reichen, aber nur an dem einen Ende befestigt sind. Das zu zerkleinernde Material wird der Maschine nahezu im Mittelpunkt der Scheiben zugeführt und alsbald durch die Zentrifugalkraft nach außen getrieben. Dabei langt es nach immer wiederholtem heftigen Zusammenprallen mit den Stäben zerkleinert an der Peripherie der Scheiben an. Der D. wirkt also lediglich durch Stoß, denn da die Stäbe sich nicht gegenseitig berühren, so kann von einem Mahlen durch Reibung zwischen zwei Flächen nicht die Rede sein. In einem D. von 1,25 m Durchmesser ist bei 400 Umdrehungen in der Minute die Geschwindigkeit jedes Schlagstabes im innersten Ring 16 m, im zweiten 19, im dritten 22 und im vierten 25 m pro Sekunde. Trifft nun ein Teilchen, von einem Schlagstab des innern Ringes zurückgestoßen, auf einen Schlagstab des zweiten Ringes, der in entgegengesetzter Richtung sich bewegt, so wird es mit einer Geschwindigkeit von 19-16, also 3 m, auf den dritten wieder in entgegengesetzter Richtung sich bewegenden Stab prallen und von diesem mit einer Geschwindigkeit von 22-3, also 19 m, auf den vierten Stab geschleudert werden, von welchem es endlich mit 25-19, also 6 m, Geschwindigkeit die Maschine verläßt und von der hölzernen Umhüllung aufgefangen wird. Durch diese wiederholte teilweise Aufhebung der Geschwindigkeiten wird die Kohäsion des in die Maschine gebrachten Materials überwunden. Die Leistung ist eine so außerordentliche, daß man den D. in vielen Fällen verwenden kann, wo gewöhnliche Mühlen versagen. Am häufigsten findet er Benutzung zum Zerkleinern von Quarz, Thon, Knochen, Erzen, Kohlen (zur Fabrikation von Briketten), Zucker, Zement, Schamotte, Porzellanerde, in der Düngerfabrikation, aber auch als Mahlmühle für Getreide. Durch manche Verbesserung hat man dem Apparat größere Stabilität und Dauerhaftigkeit zu verleihen gewußt. Indem man den Trommeldurchmesser vergrößerte, ward es möglich, die Umdrehungszahlen für die stark beanspruchten Wellen zu reduzieren; immerhin aber machen die größten bis jetzt gebauten Desintegratoren von 1,5 ^[richtig: 1,5 m] Durchmesser 400-500 Touren in der Minute; sie erfordern dann 15-20 Pferdekräfte zum Antrieb, leisten aber auch 20,000 kg pro Stunde selbst von sehr hartem Material. Desintegratoren der gewöhnlichen Größe von 1 m Durchmesser verarbeiten mit einer Betriebskraft von 7 Pferdekräften durchschnittlich 7000 kg Rohmaterial zu Pulver von ganz bedeuten-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 1. u. Fig. 2. Desintegrator.]