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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Desmurgie; Desna; Desnoiresterres; Desnoyers

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Desmurgie - Desnoyers.

gab er im Januar 1794 seinen "Vieux cordelier" heraus, ein Blatt voll Geist, Witz und beißender Satire, in dem er die Tyrannei der Schreckensmänner schilderte und zur wahren Freiheit, zur Mäßigung und vernünftigen Handhabung der Gesetze aufforderte. Hébert, den er besonders angriff, klagte ihn an, die Wiederherstellung des Königtums zu beabsichtigen, und Robespierre, nachdem er seinen Freund vorher anscheinend verteidigt, trug in voller Versammlung auf die Verbrennung aller Nummern des "Vieux cordelier" an. Als D. trotzdem die Männer des Terrorismus und die Jakobiner nur noch heftiger angriff, ließ Robespierre 31. März 1794 D., Danton u. a. verhaften, worauf namentlich Saint-Just, D. persönlich verfeindet, dessen Verurteilung betrieb. Auf dem Blutgerüst 5. April 1794 rief er aus, auf die Guillotine deutend: "Dies ist also der Lohn für den ersten Apostel der Freiheit! Die Ungeheuer, die mein Blut fordern, werden mich nicht lange überleben!" Seine Gattin, die alles aufgeboten, um ihn zu retten, bestieg, erst 23 Jahre alt, 14 Tage nach ihm das Blutgerüst. Außer einer Menge Pamphlete und Flugblätter schrieb D.: "Discours de la lanterne aux Parisiens" (2. Aufl., Par. 1792); "Satires du choix des meilleures pièces de vers qui ont précédé et suivi la révolution" (das. 1792); "Histoire des Brissotins, ou fragments de l'histoire secrète de la révolution et des six premiers mois de la république" (das. 1793, 2. Aufl. 1794). Seine "Opuscules" erschienen Marseille, Straßburg und Paris 1790. Eine neue Ausgabe seiner Schriften besorgte Claretie (Par. 1874, 2 Bde.), welcher auch seine Biographie (das. 1875) schrieb.

Desmurgie (griech.), derjenige Teil der chirurgischen Therapie, welcher mit Verbänden, Apparaten etc. ausgeführt wird.

Desna (Deßna), Fluß im südwestlichen Rußland, entspringt in der Nähe der Stadt Jelnja im Gouvernement Smolensk, durchfließt die Gouvernements Orel und Tschernigow und ergießt sich nach einem Laufe von 890 km mit einer beträchtlichen Wasserfülle Kiew gegenüber in den Dnjepr. Von Brjansk an ist er auf fast 400 km schiffbar. Unter den Nebenflüssen ist links der fast 600 km lange Sem und rechts die flache, meilenweit übertretende Snow hervorzuheben. Die D. selbst hat niedrige Ufer, die im Frühjahr großen Überschwemmungen ausgesetzt sind, ist fischreich und wird von vielen Schiffen und Flößen befahren. Der Handel geht meist nach Jekaterinoslaw, Cherson, Nikolajew, Otschakow und Odessa und von hier aus zur See nach O. und W.; auch Deutschland bezieht einen großen Teil russischer Produkte und Manufakturen auf diesem Weg, namentlich Talg, Wolle, Hanf und Flachs, Fischleim, Kaviar etc.

Desnoiresterres (spr. dänŏartähr), Gustave, franz. Kultur- und Litterarhistoriker, geb. 20. Juni 1817 zu Bayeux, lebt als Mitarbeiter verschiedener Journale in Paris. Von seinen Schriften sind besonders diejenigen, welche sich mit dem Kulturleben des 18. Jahrh. beschäftigen, als Seitenstücke zu den verwandten Studien der Brüder Goncourt bemerkenswert. Sein von der Akademie preisgekröntes Hauptwerk in dieser Richtung ist: "Voltaire et la société française au XVIII. siècle" (Par. 1867-75, 8 Bde.). Außerdem nennen wir: "Les cours galantes" (1859-64, 4 Bde.); "La musique française au XVIII. siècle. Gluck et Piccini" (2. Aufl. 1875); "Grimod de la Reynière et son groupe" (1877); "Iconographie voltairienne" (1878); "Épicuriens et lettrés. XVII. et XVIII. siècles" (1879); "Les étapes d'une passion" (1882) und "La comédie satirique au XVIII. siècle" (1884).

Desnoyers (spr. dänŏajeh), 1) Auguste Gaspard Louis Boucher, Baron, franz. Kupferstecher, geb. 19. Dez. 1779 zu Paris, bildete sich seit 1791 bei Lethière, dann in der Akademie und arbeitete seit 1799 im Atelier Tardieus. Seinen Ruf begründete er 1804 mit dem Stich von Raffaels Madonna im Louvre, genannt la belle jardinière, und widmete seitdem seinen Grabstichel vornehmlich Raffaelschen Werken, deren Reihe er 1846 mit der Sixtinischen Madonna beschloß, die aber ganz mißverstanden und in moderne französische Eleganz und Koketterie übersetzt ist. Zu seiner Zeit hochgerühmt war das von ihm nach Gérard gestochene Bildnis Napoleons I. im Krönungskostüm (1808), das zur Verteilung an fremde Fürsten bestimmt war. 1825 wurde er zum ersten Kupferstecher des Königs ernannt, 1828 zum Baron erhoben und starb 16. Febr. 1857 in Paris. Treffliche Blätter sind: La vierge au linge, die Madonna da Foligno, die Madonna mit dem Fisch, die Madonna della Sedia, die Madonna aus dem Haus Alba, die Madonna Tempi, die heil. Katharina von Alexandria, die Heimsuchung der Elisabeth, alle nach Raffael. Sein Hauptwerk ist die Transfiguration nach Raffael, mit großer Freiheit und Sicherheit des Grabstichels bearbeitet. D. gab auch eine Sammlung von Kupferstichen nach antiken Gemälden, Bildern italienischer Meister etc. heraus, nach Zeichnungen, die er 1818 und 1819 in Italien angefertigt hatte, betitelt "Recueil d'estampes gravées d'après des peintures antiques italiennes, etc." (34 Blätter, Par. 1821).

2) Jules, franz. Geschichtschreiber und Geolog, geb. 8. Okt. 1800 zu Nogent le Rotrou, widmete sich dem Studium der Naturwissenschaften und der Archäologie, wurde 1825 Sekretär der Naturwissenschaftlichen und 1830 der Geologischen Gesellschaft in Paris und 1834 Bibliothekar des naturhistorischen Museums. Auch war er Sekretär der Gesellschaft für die Geschichte Frankreichs seit ihrer Gründung und Mitglied des Komitees für die Herausgabe der "Documents inédits relatifs à l'histoire de France". 1862 wurde er zum Mitglied der Akademie erwählt. Er schrieb: "Histoire du décroissement et de la destruction totale du paganisme dans les provinces de l'empire d'Occident" (1832); die preisgekrönte Schrift "Histoire des différentes incursions des Arabes d'Asie et d'Afrique en Italie" (1838); "Bibliographie historique et archéologique de la France" (1854); "Topographie ecclésiastique de la France jusqu'en 1790" (1854). Von seinen geologischen Schriften erwähnen wir: "Mémoire sur la craie et les terrains tertiaires de Cotentin" (1825); "Sur quelques systèmes de la formation oolithique du Nord-Ouest de la France" (1825); "Sur les cavernes et brèches à ossements des environs de Paris" (1842); "Observations sur les terrains tertiaires du Nord-Ouest et de l'Ouest de la France" (1852-53).

3) Louis, franz. Journalist und Schriftsteller, geb. 1805 in dem Dorf Replonges (Departement Ain), arbeitete zuerst auf einem Notariatsbüreau, ehe er (1828) nach Paris kam, um sich hier der Opposition anzuschließen. Der Reihe nach an den hervorragendsten Blättern liberaler Richtung thätig, gründete er 1832 den "Charivari", wurde Mitbegründer des "Siècle", und nachdem er sich auch als Schriftsteller (zuerst unter dem Pseudonym Derville) schon einen bedeutenden Namen gemacht hatte (durch Vaudevilles, besonders aber durch die mehrfach aufgelegten Romane: "Aventures de Jean-Paul Choppart", 1836; "Aventures de Robert Robert", 1840; "Mémoires d'une pièce de cent sous", 1837), rief er das Blatt