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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dilman - Diluvium.

Tod (Oktober 1866) vertreten hatte, ins Unterhaus gewählt. Er gehörte hier zu den in ihren Anforderungen am weitesten gehenden Mitgliedern der irischen Partei, indem er die gänzliche Abtrennung Irlands von Großbritannien und die Gründung einer unabhängigen irischen Republik erstrebte, beteiligte sich aber nichtsdestoweniger an der etwas gemäßigtern Opposition Parnells und gehörte auch zu den Führern der Landliga. Ende Mai 1881 wurde er verhaftet, aber nach kurzer Zeit wegen seines Gesundheitszustandes freigelassen; als er nichtsdestoweniger mit seinen Agitationen fortfuhr, ward er im Oktober 1881 abermals verhaftet, und erst Anfang Mai 1882 erhielt er nach dem sogen. Pakt von Kilmainham seine Freiheit zurück. Er beteiligte sich dann eifrigst an der Opposition gegen die neue irische Zwangsbill, wanderte aber 1883 nach Amerika aus.

Dilman, Stadt in der pers. Provinz Aserbeidschân, etwa 25 km westlich vom Nordende des Urmiasees entfernt, ist Hauptort der Landschaft Salmas und zählt 5-6000 Einw.

Diloba, s. Eulen (Schmetterlinge).

Dilogīe (griech.), Zweideutigkeit, Doppelsinnigkeit; dilogisch, zweideutig.

Dilolo, ein von sumpfigen, grasreichen Ufern umgebenes Seebecken im südlichen Zentralafrika, unter 11° 30' südl. Br. und 22° 30' östl. L. v. Gr. und etwa 1500 m ü. M. gelegen, wird als Quelle des Sambesi oder Liba betrachtet.

Dilsberg, Gemeinde im bad. Kreis und Amtsbezirk Heidelberg, am Neckar, auf stumpfem Kegelberg gelegen, mit den Trümmern eines alten Bergschlosses und (1880) 460 Einw., die besonders in den nahen Steinbrüchen beschäftigt werden. - Der Ort war früher Hauptort der Grafschaft D. Die Burg diente später als kleine Festung und wurde 1622 vergeblich von Tilly belagert, fiel dagegen 1633 in die Hände der Schweden. Noch 1799 wurde sie gegen die Franzosen von einem Haufen Invaliden und Bauern glücklich verteidigt. D. war lange Staatsgefängnis.

Dilucĭda intervalla (lat.), die lichten, vernünftigen Augenblicke eines Irrsinnigen.

Dilucidation (lat.), Erläuterung, Erörterung; dilucidieren, ins Licht setzen, aufklären.

Diluéndo (ital.), musikal. Vortragsbezeichnung: verlöschend, allmählich verhallend.

Diluéntia (lat.), s. v. w. Abführmittel.

Diluieren (lat.), auflösen, verdünnen; Dilution, Verdünnung.

Diluvianismus, die Lehre, daß die Erde ihren geschichteten Bau durch eine oder mehrere große Fluten empfangen habe, wobei die versteinerten Pflanzen und Tiere als dabei untergegangene Wesen betrachtet wurden, ja sogar das Gerippe eines großen Salamanders als Sintflutmensch (homo diluvii testis) angesehen wurde. Die berühmtesten Diluvianisten waren Burnet (gest. 1715) und Whiston (gest. 1752), welche abenteuerliche Romane über die Ursachen der Fluten erfanden, während in Deutschland die Lehre durch Werner (s. d.) und andre Geologen, aber mit einer gewissen Einseitigkeit, den Plutonisten gegenüber verteidigt wurde; s. Geologie.

Diluvium (hierzu Tafel "Diluvium"), auch Postpliocän, Pleistocän, Quaternär, Quartär genannt (letztere beiden Worte gewöhnlich für D. und Alluvium gemeinschaftlich gebraucht), das alte Schwemmland, eine ebenso weitverbreitete wie wichtige Bildung, da sie den fruchtbaren Boden der Tiefländer, vieler Hochebenen, Thalböden und Thalränder bildet. Der Name D. hat sich aus der Zeit erhalten, in welcher man in den betreffenden Gesteinen die Produkte der letzten großen Überschwemmung der festen Erde (Sintflut) nach den Traditionen der Bibel und den Sagen vieler Völker erblickte. Die Abgrenzung des D. nach unten gegen das Tertiär ist dort erschwert, wo bei der Ablagerung der Diluvialgebilde ein Aufwühlen des tertiären Untergrundes und ein Einpressen neuzugeführten Gesteinsmaterials in schon vorhandene Sande und Mergel stattgefunden hat. Noch schwieriger ist oft die Grenze zu legen zwischen D. und Alluvium. Gilt hier im allgemeinen der Satz, daß alles als Diluvialbildung zu betrachten ist, was nach Lagerung und Bestandteilen nicht mehr auf die Wirkung der heutigen Gewässer, diese selbst in ihrem leistungsfähigsten Zustand gedacht, zurückführbar ist, so läßt dieses allgemeine Kriterium im einzelnen Fall doch oft im Stiche. Am deutlichsten trägt den Charakter veränderter Bildungsbedingungen dasjenige Gesteinsmaterial an sich, welches in Form kleinerer und größerer Blöcke bis zum Inhalt vieler Kubikmeter auf Hoch- und Tiefebenen abgelagert ist und offenbar durch natürliche Agenzien aus fernen Gegenden dorthin transportiert wurde (Findlinge, Wanderblöcke, nordische Geschiebe, erratische Blöcke, erratische Formation). Ein genaueres Studium der Erscheinungen, wie es vorläufig allerdings nur für Europa und Nordamerika durchgeführt ist, hat als transportierenden Faktor das Eis in Form von Gletschern und Inlandeismassen erkennen lassen, während die früher für die Zufuhr des Blockmaterials der norddeutschen Tiefebene aufgestellte Hypothese eines Transports durch Eisberge (Drifttheorie) fast allgemein verlassen ist. In weiterer Konsequenz der Glazialtheorie (vgl. Eiszeit) hat man für Europa drei Hauptzentren der Vergletscherung (Alpen, Skandinavien, Nordbritannien) neben kleinern, von den Mittelgebirgen (Pyrenäen, Vogesen, Schwarzwald, Harz, Karpathen, Kaukasus, Ural etc.) ausgehenden Eisströmen angenommen, welche ein großartiges Gesteinsmaterial, radial ausstrahlend, transportierten. So bedecken alpine Gesteinsfragmente die östlichen Abhänge des Jura, lassen sich im N. bis zur Donau, im S. bis zu den oberitalienischen Seen verfolgen. Skandinavien entstammende Blöcke lagern im nordeuropäischen Tiefland südlich bis zur Rheinmündung, dem nördlichen Rande des Harzes, des Erzgebirges und der Sudeten; im O. sind sie über Finnland bis tief in das übrige europäische Rußland verbreitet. Wie der Transport der alpinen Blöcke nach Süddeutschland eine vollkommene Vereisung des Bodensees voraussetzt, so beweisen die Verhältnisse im N. Europas eine gleiche für die Ostsee. Das oben für Europa unterschiedene dritte Zentrum lieferte eine totale Vergletscherung der englischen Inseln mit Eisbrücken zwischen ihnen, den Hebriden und den Orkneys. In dem Geschiebelehm (Blocklehm, Geschiebemergel, in Schweden krosstenslera, in Dänemark rollstenslera, in England und Amerika boulder clay), einem rauhen Lehm voller Mineralsplitter (Feldspat, Hornblende etc.) und nordischer Geschiebe, ist das zermalmte Material der Grundmoräne jener Gletscher und Inlandeismassen anzusprechen, bei deren Transport der Untergrund mannigfaltig in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bald wurde er aufgewühlt, und die Blöcke der Grundmoräne blieben in ihm tief eingedrückt liegen (so besonders schön bei den tertiären Sanden Oberschwabens zu beobachten), bald erscheinen härtere Gesteine geglättet und geschrammt (Kulmsandstein bei Gommern unweit Magdeburg, Porphyre bei Halle und