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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dioryctria; Diós-Györ; Dioscorĕa; Dioskoreen; Dioskorĭdes; Dioskuren

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Dioryctria - Dioskuren.

Quarz (namentlich in mikroskopisch kleinen, aber zahlreichen Partikeln, Quarzdiorit) und, die Hornblende ersetzend, Glimmer (Glimmerdiorit) vor; ferner Chlorit, Apatit, Magneteisen und Titaneisen, und als hin und wieder auftretende accessorische Bestandteile Granat, Epidot (Pistazit), Titanit und Eisenkies. Zahlreiche Pauschanalysen haben folgende Mittelwerte ergeben: 51 Proz. Kieselsäureanhydrid, 18 Thonerde, 11 Eisenoxyd und Eisenoxydul, 7 Kalk, 6 Magnesia, 2,5 Kali, 3 Proz. Natron. Außer den schon erwähnten Varietäten, die durch Aufnahme von dem typischen Vorkommen fremden Mineralbestandteilen entstehen, unterscheidet man noch aphanitischen D. (Aphanit zum Teil, Dioritaphanit), bei welchem die zusammensetzenden Mineralien in sehr kleinen Individuen entwickelt sind, porphyrartigen D. (Dioritporphyr) mit größern Plagioklas- und Hornblende-Individuen in aphanitischer Grundmasse (Varietäten, die Übergänge zu den Porphyriten, s. d., bilden) und endlich schieferigen D. (Dioritschiefer). D. ist ein Eruptivgestein, welches wohl schon während der archäischen Periode dem Erdinnern entflossen ist, aber auch noch Gesteine der paläozoischen Systeme gangförmig durchsetzt. Seine Verbreitung ist keine große und namentlich auch selbst da, wo er auftritt, nicht massenhaft, so daß er seltener Rücken oder Kuppen, häufiger nur Gänge bildet. Im Harz und Thüringer Wald, im sächsischen und böhmischen Erzgebirge, im böhmischen Silur, im rheinischen Devon, in den Alpen, den Vogesen, den Pyrenäen, in der Normandie, in Wales finden sich in Europa die bekanntesten Vorkommnisse. Auch unter den nordischen Geschieben, die von Skandinavien aus über Norddeutschland verbreitet sind (s. Erratische Blöcke), ist D. nicht selten. Vgl. Ophit.

Dioryctria, s. Zünsler.

Dioscorĕa L. (Yamswurzel), Gattung aus der Familie der Dioskoreaceen, tropische, ausdauernde Schlingpflanzen mit knolligem, fleischigem Rhizom, rankenden Stengeln, abwechselnden, gestielten, meist herzförmigen Blättern, kleinen, in Ähren oder Trauben gestellten Blüten und dreifächerigen, sechssamigen Kapseln. Von den zahlreichen Arten werden mehrere wegen der fleischigen, mehlreichen Knollen in den Tropen angebaut, besonders D. alata L., welche die Yamswurzel (Igname) liefert. Diese hat einen geflügelten Stengel, 14-16 cm lange, pfeilförmige Blätter und unscheinbare gelbliche Blüten. Sie wird in vielen Varietäten kultiviert; ihr Vaterland ist nicht bekannt, doch scheint sie sich vom Indischen Archipel und der Südspitze Ostindiens aus verbreitet zu haben. Sie gelangte zuerst nach der Ostküste Afrikas, dann nach der Westküste und von dort nach Amerika. Yam heißt in der Negersprache von Guinea essen. Die Knollen sind mannigfach gestaltet, erreichen ein Gewicht von 15-20 kg, sind zwar weniger schmackhaft als Bataten, bieten aber wegen ihres Gehalts an Stärkemehl ein sehr wichtiges Nahrungsmittel. Sie haben sämtlich weißes Fleisch und geben daher auch ein weißes Stärkemehl, während die Knollen andrer Arten, wie D. sativa L. (D. deltoides Wall.), D. pentaphylla L., D. bulbifera L. und D. aculeata L., sämtlich auf dem Indischen Archipel und in Ostindien heimisch, gelbe oder rote Knollen haben und ein durch Wasser nicht zu entfärbendes gelbes oder rotes Stärkemehl liefern. Knollen von D. sativa L. enthielten 22,6 Stärkemehl, 0,25 Zucker, 6,5 Cellulose, 2,9 Pektin, 67,6 Wasser (Eiweißstoffe sind nicht bestimmt). D. Batatas Decaisn. (s. Tafel "Nahrungspflanzen I") wird in China und Japan kultiviert, und man hat auch versucht, sie in Europa einzuführen. Die Knollen von D. japonica Thunb. enthielten 2,4-2,5 eiweißartige Stoffe, 13-16,8 Stärkemehl, 4-1,5 Cellulose, 0,2-0,3 Fett, 1,8-1,9 Salze, 82,6 bis 77 Wasser. Die Yams halten sich lange und sind deshalb zur Verproviantierung von Schiffen geeignet; man zerschneidet sie auch in Scheiben und trocknet diese. Einige Arten enthalten in den Knollen einen bittern und scharfen Stoff, der vor der Verwendung als Nahrungsmittel durch Waschen, Kochen oder Rösten entfernt werden muß. Bei uns kultiviert man einige Arten in Gewächshäusern.

Diós-Györ (spr. díōsch-djör), Marktflecken im ungar. Komitat Borsod bei Miskolcz (Sekundärbahn dahin), am Fuß des waldigen Bükkgebirges, im wein- und fruchtreichen und sehr romantischen Thal der Szinyva, hat ein verfallenes Schloß, ein großes königliches Eisenwerk, das den besten ungarischen Stahl liefert, Steinkohlenbergbau, eine Papierfabrik und (1881) 4374 Einw. In der Nähe eins der sogen. karpathischen Meeraugen und ein laues Mineralbad, dessen Wasser Kalkerde, Kochsalz und kohlensaures Natron enthält.

Dioskoreen (Yamspflanzen), monokotyle Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Liliifloren, meist Schlingpflanzen mit knolliger Wurzel oder verkürztem Rhizom, oft netzförmig geäderten Blättern, dreizähligen Blüten und Kapsel- oder Beerenfrüchten. Die Familie zählt nur wenige Gattungen mit gegen 150 Arten, welche in den tropischen und den warmen Zonen, vorzüglich der südlichen Hemisphäre, vorkommen. In Europa sind die D. nur durch Tamus communis vertreten. Die mehlreichen Wurzelknollen mehrerer in allen Tropenländern kultivierter Dioscorea-Arten liefern die genießbare Yamswurzel.

Dioskorĭdes (Pedanios), Naturforscher und Arzt, geboren um die Mitte des 1. Jahrh. n. Chr. zu Anazarbos in Kilikien, durchreiste im Gefolge römischer Kriegsheere viele Länder und verfaßte eine Arzneimittellehre ("De materia medica"), worin er sehr zahlreiche Mitteilungen über Arzneipflanzen niederlegte und die Arzneistoffe und ihre Wirkungen besprach. Er galt bis in die neueste Zeit als Autorität und genießt im Orient noch jetzt großes Ansehen. Von seiner Schrift besorgte die beste Ausgabe Sprengel mit Kommentar (Leipz. 1829-30, 2 Bde.); die im 7. und 8. Jahrh. als 6. und 7. Buch hinzugefügten "Alexipharmaca" (über Gifte) und "Theriaca" (über Gegengifte) gehören dem D. nicht an; die Schrift "Euporista" (über Hausmittel) ist wahrscheinlich echt.

Dioskuren ("Söhne des Zeus"), Name der Heroen Kastor und Polydeukes (Pollux), der Zwillingssöhne der Leda und Brüder der Helena und Klytämnestra. Bei Homer heißen sie Tyndariden als die Söhne des Tyndareos, des Gemahls der Leda; bei Hesiod sind sie Söhne des Zeus. Nach der gangbarsten spätern Sage hatte Kastor den Tyndareos zum Vater, Polydeukes dagegen den Zeus, welcher der Leda in Gestalt eines Schwans genaht war; daher ist jener sterblich, dieser unsterblich. Die Heimat der D. wie ihr Grab sind in Lakonien. Die Sage gedenkt besonders ihres Zugs gegen Theseus, um ihre Schwester Helena aus seinen Händen zu befreien, ihrer Teilnahme an dem Argonautenzug und an der Jagd auf den kalydonischen Eber, ihres Kampfes mit den Söhnen des Aphareus und der Entführung der Phöbe und Hilaeira, der Töchter des Leukippos. Als in dem Kampf mit den Aphariden (in welchem man die alte Überlegenheit Lakedämons über Messenien typisch angedeutet findet) Kastor durch Idas fiel, bat Polydeukes, der unsterbliche, aus Liebe zum Bru-^[folgende Seite]