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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dirceu - Dirhem.

lustris L. (Sumpflederholz, Sumpfseidelbast, Mäuseholz), ein 1 m hoher Strauch mit breit elliptischen, kurzgestielten, krautigen, 6 cm langen, kahlen Blättern, unscheinbaren gelblichen Blüten und einsamiger Steinfrucht, in Kanada und Virginia in Sümpfen und an schattigen Ufern. Die außerordentlich zähen Zweige werden zu Riemen benutzt und liefern Bastfasern zu Tauen, die Rinde wirkt wie Seidelbastrinde, die Samen sind giftig.

Dirceu, Pseudonym, s. Gonzaga.

Dirckinck-Holmfeld, Konstantin, Freiherr von, dän. Staatsmann, geb. 24. Febr. 1799 zu Bocholt, war bis 1840 Beamter im Herzogtum Lauenburg und machte sich, 1819 in die deutsche Kanzlei eingetreten und 1829 als Beamter nach Schwarzenbeck versetzt, seit 1827 durch deutsche und dänische Schriften bekannt. Als Gründer der dänischen Gesamtstaatstheorie verteidigte er dieselbe gegen den schleswig-holsteinischen Separatismus, unter anderm als Herausgeber des alten Hamburger "Politischen Journals" bis 1840, und ward daher von König Christian VIII. seines Dienstes enthoben, um seine vom König adoptierte Theorie, namentlich gegen die Augustenburgischen Erbansprüche, wissenschaftlich begründen zu können. Nach der Anerkennung seiner Theorie durch das Londoner Protokoll bekämpfte er in der von ihm redigierten "Kopenhagener Zeitung" und zahlreichen Flugschriften ebenso entschieden die eiderdänischen Pläne. Ein auf seine Behausung in Roeskilde gerichteter Angriff veranlaßte ihn zur Flucht (1861). Seitdem lebte er in Hamburg, wo er 3. Juni 1880 starb. Er lieferte auch verdienstliche Beiträge zur Sprachkunde und Philosophie. -

Von seinen beiden Brüdern stand der ältere, Ulysses, Baron von D., geb. 1801 zu Osnabrück, längere Zeit als Seeoffizier in französischen und auch in russischen Seediensten, fungierte seit 1848 als dänischer Gesandter in Hamburg und Hannover, dann in Belgien und seit 1856 in Paris, schließlich als Bundestagsgesandter 1863-64 in Frankfurt und starb 22. Juli 1877 in Kiel, während der jüngere, Edwin, Baron von D., geb. 1802 zu Osnabrück, Chef der preußischen Navigationsschule wurde, als solcher die Amazone auf ihrer ersten Reise befehligte, seit 1856 aber in Zurückgezogenheit lebt.

Dircks, Henry, engl. Zivilingenieur und belletristischer Schriftsteller, geb. 26. Aug. 1806 zu Liverpool, trat als Lehrling in ein Kaufmannsgeschäft, verwandte aber seine Mußezeit auf das Studium der Mechanik, Chemie und der allgemeinen Litteratur. Noch vor dem 21. Jahr hielt er Vorlesungen über Chemie und Elektrizität und schrieb Essays, Kritiken und Erzählungen für verschiedene Journale. Im J. 1837 ward er lebenslängliches Mitglied der British Association, 1840 Ehrensekretär einer litterarischen Gesellschaft und Mitbegründer eines mechanischen Instituts. 1842 trat er als Ingenieur für Eisenbahn-, Kanal- und Bergbau auf und entfaltete eine fruchtbringende Thätigkeit; seit 1858 aber wirkte er nur noch als beratender Ingenieur. Auf größern Reisen durch Frankreich und Belgien studierte er die Hauptmittelpunkte der Industrie, Wissenschaft und Litteratur. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Perpetuum mobile, or search for self-motive power" (1861, 2. Ausg. 1870); "Contributions to a history of electro-metallurgy" (1863); "The ghost, as produced in the spectre drama" (1863, die eigentliche Erfindung dieser sehr populär gewordenen "optischen Täuschungen" fällt aber schon in eine weit frühere Periode seines Lebens); "The life, times and scientific labours of Edward Somerset, marquis of Worcester" (1865); "Worcesteriana" (1866); "Memoir of Samuel Hartlib, Milton's familiar friend" (1865); "Inventors and inventions" (1867). Auch veröffentlichte er die Novelle "Joseph Anstey" (1863) sowie "Nature-study as applicable to the purposes of poetry and eloquence" (1869, 2. Aufl. 1870) und "Naturalistic poetry" (1872). Er starb 1873.

Directorium (D. divini officii, lat.), in der katholischen Kirche der Kirchenkalender, worin die Ordnung der kirchlichen Feste, der Messen etc. für jeden Tag des Jahrs verzeichnet ist.

Dirékt (lat.), gerade, geradezu, unmittelbar; in der Astronomie s. v. w. rechtläufig, d. h. in Ordnung der ekliptischen Zeichen, von W. nach O., im Gegensatz zu retrograd oder rückläufig (s. d.).

Direkte Rede (lat. oratio directa), Redeweise, bei welcher die Worte eines Dritten geradezu, wie er sie gesprochen, also unabhängig von einem andern Satz, angeführt werden (z. B. Cäsar sagte: ich kam, sah und siegte), im Gegensatz zur indirekten Rede (Cäsar sagte, daß er ... gesiegt habe).

Direkter Schuß, ein direkt auf das Ziel gerichteter Schuß mit flacher Flugbahn aus einer Kanone mit voller Gebrauchsladung (vgl. Indirekter Schuß).

Direktion (lat.), Richtung; Leitung, Oberaufsicht (auch als Behörde); Direktionslinie, Richtungslinie für die Bewegung eines Körpers, einer Truppenabteilung etc.; Direktionswinkel, Richtungswinkel.

Direktīve (neulat.), Leitung, Richtung, Richtschnur, Verhaltungsregel; im militärischen Sinn Befehl, welcher dem Ausführenden weitern Spielraum läßt als die Disposition (s. d.) und daher nur selbständigen Kommandobehörden (Armeekorps oder Armeen) für ihre Operationen, ebenso auch mit besondern Aufgaben entsendeten Detachements (s. d.), im Frieden auch Truppenteilen, z. B. den Artillerieregimentern für ihre Schießübungen, gegeben wird.

Direktor (lat.), Vorsteher, Leiter einer Anstalt, Behörde etc.; Direktorat, Amt oder Amtslokal eines Direktors; direktorial, vom D. ausgehend, dazu gehörig.

Direktorium (lat.), eine oder mehrere Personen (Ausschuß), welchen durch Wahl oder höhere Bestimmung die Leitung eines Geschäfts, einer Anstalt, Gemeinschaft etc. übertragen ist. Historisch merkwürdig ist das D. (Directoire) in Frankreich, eine auf die Verfassung vom 22. Sept. 1795 gegründete und 27. Okt. eingesetzte Behörde von fünf Mitgliedern, welche bis zum 9. Nov. (18. Brumaire) 1799 die Oberherrschaft in Frankreich innehatte. Auch das Programm, nach welchem eine offizielle Feier oder ein sonstiger öffentlicher Akt vor sich gehen soll, wird D. genannt.

Direktrice (franz.), Leiterin, Vorsteherin, besonders eines kaufmännischen Geschäfts etc., in der Fortifikation die gedachte Mittellinie einer Schießscharte, welche die Richtung bezeichnet, in der ein Geschütz hauptsächlich feuert.

Direktrix (lat.), Richtungslinie; bei einer Parabel die die Achse rechtwinkelig schneidende Gerade, von deren Punkten jeder Punkt der Parabel so weit entfernt ist wie vom Brennpunkt.

Diremtion (lat.), Absonderung, Trennung.

Diren (lat. dirae), die "Schrecklichen", als Bezeichnung der Furien oder Erinnyen (s. d.).

Direption (lat.), Plünderung, Beraubung.

Dirge (engl., spr. dördsch), Grablied, Totenklage.

Dirhem (Derime, Drahem, Dramm), Gold-, Silber-, Münz-, Edelstein- und Medizinalgewicht, in der Türkei = 1 g, früher = 1/400 Oka = 3,203 g, als Münzgewicht 3,207 g. Ebenso in Rumänien (Dra-^[folgende Seite]