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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dolman; Dolmar; Dolmen; Dolmetsch; Dolny; Dolo; Dolo malo; Dolomieu

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Dolman - Dolomieu.

Dolman (türk.), frühere Bekleidung der Husaren, eine eng anliegende, dicht mit Schnüren besetzte, meist kurzschößige Jacke; ungarischen Ursprungs, ist der D. von da auch in andre Heere übergegangen, seit 1849 in Österreich und bald darauf in Deutschland durch den mehr waffenrockartigen Attila ersetzt, wird jedoch, mit Pelz besetzt, als Geschenk ihrer fürstlichen Chefs noch von mehreren Husarenregimentern getragen. Einen dem Attila ähnlichen, D. genannten Waffenrock trägt jetzt die französische Infanterie.

Dolmar, ein isoliert stehender Berg am südwestlichen Rande des Thüringer Waldes, im preuß. Kreis Schleusingen, nordöstlich von Meiningen gelegen, 747 m hoch, besteht größtenteils aus Flözkalk, der Gipfel aber, der eine breit gewölbte, kahle Fläche bildet und eine lohnende Rundsicht gewährt, aus Basalt. Der Boden ist überall mit Dammerde bedeckt und reich an Ammonshörnern.

Dolmen (gäl.), Steintisch, häufig verwechselt mit Cromlech (Steinkreis) und Menhir (Steinsäule), ein aus großen Steinblöcken errichtetes ("megalithisches") Monument der Vorzeit, bestehend in einer oder mehreren Steinplatten, bisweilen von riesigen Verhältnissen, welche, einer Tischplatte ähnlich, auf mehreren andern als Stützen dienenden Steinblöcken ruhen. Ihrer tischähnlichen Form wegen sind sie auch häufig, aber wohl meist mit Unrecht, als Opfertische, Altarsteine, Druidenaltäre (in Anhalt "Speckseiten") bezeichnet worden. Vielfach sind die als Stützen der horizontalen Platten dienenden Steinblöcke so zahlreich und nahe aneinander stehend, daß der tischähnliche Charakter verschwindet und vielmehr, namentlich bei den größern Monumenten, ein zimmer- oder kammerähnlicher Raum (Steinkammern) hergestellt ist, der zur Beisetzung der Toten diente (Grabkammer). Wegen der oft kolossalen Dimensionen der verwendeten Steinblöcke nannte man dieselben Riesenkammern, Riesenkeller, Riesenstuben (dänisch: Jaettestuer), Steinkirchen, Teufelskammern, Teufelsküchen. Die Grundfläche bildet meist ein Rechteck, nicht selten auch ein Oval. In der Bretagne erreicht manchmal die Lange eine solche Ausdehnung, daß die Anlage mehr einem Gang als einer Kammer gleicht. Man nennt diese Form: Allée couverte, bedeckte Steinreihe, Steingang. Die Größe dieser Bauten wechselt, je nachdem das Material vorhanden ist; die größten sind in Wales, in der Bretagne und in Spanien. In der Provinz Viscaya in Spanien hat man das bei Arrichinaya belegene Monument durch Aufrichtung eines großen Altars mit dem Standbild des heil. Michael in eine Kapelle verwandelt. Die eigentlichen D. sind frei stehend; nicht selten aber ragen sie nur zur Hälfte aus einem um sie angeschütteten Hügel hervor, oder sie sind auch ganz mit einem Stein- oder Erdhügel bedeckt und haben im letztern Fall einen oder zwei enge, kanalartige Ausgänge (Gangbauten, Ganggräber; schwedisch: Gånggrifter). Hierdurch verraten sie eine gewisse Ähnlichkeit mit den Winterhäusern der Eskimo. Zuweilen ist der den D. überdeckende Hügel oder auch der frei stehende D. mit einem Kranz von Steinen eingefaßt, und nicht selten bilden eine oder mehrere frei stehende D., welche in einer Reihe stehen, Begräbnisstätten auf einem sogen. Hünenbett oder Riesenbett, einem rechteckigen oder ovalen, von großen Steinen eingefaßten Begräbnis von sehr bedeutender Längenausdehnung (s. Gräber). Unzweifelhaft dienten die D. in den meisten Fällen als Begräbnisse. In den Grabkammern fand man an den Wänden herum, selten in der Mitte die Skelette von Männern, Frauen und Kindern, in einer Grabkammer auf Seeland an 50 Skelette. Es ist anzunehmen, daß die Grabkammern vielfach als fertig dastehende Monumente vorhanden waren zu dem Zweck, die Toten einer Familie oder eines Stammes aufzunehmen, daß sie also eine Art Familienbegräbnisse bildeten. Die in den D. gefundenen Gegenstände bestehen in groben Thongefäßen, Steinwerkzeugen und Bronzen. Sie gehören wesentlich der Steinzeit an und reichen bis in die ältere Metallzeit. Sie finden sich in Westeuropa sehr häufig, außerdem in Skandinavien. In Deutschland kommen sie namentlich auf Rügen, in Mecklenburg, Schleswig-Holstein und Nordwestdeutschland vor und reichen südlich etwa bis in die Gegend von Dessau. In letzter Zeit hat man megalithische Grabbauten auch in Posen und Polen gefunden. Außerdem finden sie sich in Europa auf der Krim. Sie sind aber auch in Tunis und Palästina vorhanden, und in Indien, in Assam (bei den Khassia), werden noch heute zur Beisetzung der Toten D. errichtet. S. Tafel "Steinzeit".

Dolmetsch (Dolmetscher, in der Levante Dragoman, v. arab. Terguman, auch Terdschuman, "Übersetzer"), jeder, der aus einer fremden Sprache in eine bekannte übersetzt, besonders ein zu diesem Zweck vereidigter Beamter bei Konsulaten und Gesandtschaften in fremden Ländern. Er kann ohne Erlaubnis des Konsuls oder Gesandten seine Vermittelung niemand leihen und darf selbst weder Handel noch Geldgeschäfte treiben etc.; dagegen versehen die Dolmetschen oft Maklergeschäfte. Auch im Gerichtswesen müssen öfters Dolmetschen zugezogen werden, sei es, daß in Zivilprozessen eine Partei, in Strafsachen der Angeschuldigte oder in beiderlei Rechtssachen ein Zeuge oder Sachverständiger der Gerichtssprache nicht kundig ist. Nach dem deutschen Gerichtsverfassungsgesetz kann die Zuziehung eines Dolmetschen unterbleiben, wenn die beteiligten Personen sämtlich der fremden Sprache mächtig sind. Zur Verhandlung mit Tauben oder Stummen ist, sofern nicht eine schriftliche Verständigung erfolgt, eine geeignete Person als D. zuzuziehen. Der D., dessen Dienst übrigens auch von dem Gerichtsschreiber wahrgenommen werden kann, hat als Sachverständiger einen Eid dahin abzuleisten, daß er treu und gewissenhaft übertragen werde. Das bei uns in Europa gebrauchte D. stammt vom türkischen Tilmedschi, "Sprecher", und war unter diesem Namen schon im Mittelalter bekannt. Unter den europäischen Großstaaten bildet Frankreich seine offiziellen Dolmetschen an der École des jeunes de langue in Paris, Österreich in der Orientalischen Akademie, Rußland in der sogen. Wostotschnij-Fakultät (Orientalischen Fakultät). Nur Deutschland und England haben bisher noch keine speziellen Schulen für dieses Fach (s. Terdschuman).

Dolny (Donji, slaw.), in zusammengesetzten Ortsnamen oft vorkommend, bedeutet "unten".

Dolo, Distriktshauptstadt in der ital. Provinz Venedig, an der Eisenbahn Venedig-Padua und an der Brenta gelegen, von der hier ein nach SO. geleiteter schiffbarer Kanal, der Brentone, die größere Wassermasse ableitet und westlich von Chioggia in die Lagunen führt, mit moderner Kirche, Mühlen und Werften, lebhaftem Handelsverkehr und (1881) 2575 Einw.

Dolo malo (lat.), mit Arglist, mit widerrechtlicher Absicht, mit böswilligem Vorsatz; s. Dolus.

Dolomieu (spr. -mjö), Déodat Guy Sylvain Tancrède Gratet de, Geolog und Mineralog, geb. 24. Juni 1750 zu Dolomieu in der Dauphiné, wurde schon als Kind in den Malteserorden aufgenommen.