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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dreißigjähriger Krieg

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Dreißigjähriger Krieg (der französisch-schwedische Krieg).

hatte Wallensteins Rückzug nach Böhmen zur Folge, ward aber mit dem Tod Gustav Adolfs teuer erkauft. Denn derselbe beraubte die deutschen Protestanten der überlegenen, einheitlichen Leitung, welche ihnen nach ihren frühern Niederlagen so rasch das Übergewicht verschafft hatte, und nahm ihnen die Aussicht auf einen entscheidenden Sieg.

Der schwedische Kanzler Axel Oxenstierna, welcher die Leitung der politischen Angelegenheiten übernahm, konnte nur die protestantischen Stände von Schwaben, Franken, Ober- und Niederrhein im Heilbronner Vertrag (23. April 1633) beim Anschluß an Schweden festhalten; dagegen hielten sich wieder Sachsen und Brandenburg beiseite. Namentlich weigerten sich die deutschen Fürsten, ihre Truppen unter schwedischen Oberbefehl zu stellen; an deren Spitze trat also Herzog Bernhard von Weimar, während die schwedischen Streitkräfte sich in mehrere Heere unter verschiedenen Generalen teilten. Auch diese wurden nun gleich den Wallensteinschen Truppen reine Söldnerscharen, die von Beute und Erpressungen lebten und die von ihnen besetzten oder durchzogenen Lande furchtbar verheerten. Der Krieg wurde nicht mehr nach einheitlichem Plan in großartigem Stil geführt, sondern zersplitterte sich in resultatlose Kämpfe auf verschiedenen Kriegsschauplätzen, bei denen es sich mehr um Behauptung oder Eroberung fruchtbarer, reicher Territorien als um den Sieg einer der Kriegsparteien handelte. Von Bedeutung waren nur die Erstürmung Regensburgs durch Bernhard von Weimar (14. Nov. 1633) und die Eroberung Schlesiens durch Wallenstein nach dem Sieg bei Steinau (13. Okt.). Bereits hatte Wallenstein Görlitz und Bautzen mit Sturm genommen und seine Generale ins Brandenburgische zu neuen Eroberungen ausgesandt, als er vom Kaiser zur Rettung Regensburgs aufgefordert wurde. Er zog zwar nach Böhmen zurück, da er aber einen Winterfeldzug nach Bayern für unmöglich erklärte und überhaupt durch seine Unterhandlungen mit den Gegnern sowie durch sein eigenmächtiges Auftreten den Verdacht und den Unwillen des Wiener Hofs erregte (s. Wallenstein), so wurde er in die Acht erklärt und 25. Febr. 1634 in Eger ermordet. Generalissimus der kaiserlichen Heere wurde nun der König von Ungarn, der nachmalige Kaiser Ferdinand III., unter dem Gallas und Piccolomini befehligten. Das Heer wurde durch Werbungen vermehrt, und außerdem führte Herzog Karl III. von Lothringen und aus Italien der Statthalter von Mailand, der Kardinal Infant Don Fernando, dem Kaiser Hilfsvölker zu. Die kaiserlichen Feldherren vertrieben nun die Schweden aus Bayern, eroberten Regensburg, vereinigten sich sodann mit dem bayrisch-ligistischen Heer unter Johann v. Werth und brachten Bernhard und Horn die schwere Niederlage bei Nördlingen (5. und 6. Sept. 1634) bei, in deren Folge Schwaben und Franken von den Kaiserlichen besetzt wurden. Diese Niederlage bestimmte den Kurfürsten Johann Georg von Sachsen zur förmlichen Lossagung von dem protestantischen Bund: er schloß (30. Mai 1635) mit dem Kaiser den Prager Frieden, worin die Ausführung des Restitutionsedikts auf eine ferne Zeit verschoben und Sachsen die bis 1627 eingezogenen geistlichen Güter nebst der ganzen Lausitz zugestanden wurden; die gemeinsam unternommene Vertreibung der Schweden sollte dem Reich den Frieden wiedergeben. Der Tod des fanatischen Kaisers Ferdinand II. (15. Febr. 1637), dem sein versöhnlicher gesinnter Sohn Ferdinand III. folgte, schien eine Einigung der deutschen Stände unter dem Kaiser befördern zu sollen. Dem Prager Frieden traten bald auch andre Stände bei, namentlich Brandenburg, Weimar, Anhalt u. a.; nur Baden, Hessen-Kassel und Württemberg blieben den Schweden treu.

Fünfte Periode: der französisch-schwedische Krieg.

Durch das Übergewicht, welches durch diesen Umschwung der Dinge der Kaiser bekam, sah sich Richelieu veranlaßt, jetzt ganz offen an dem deutschen Krieg teilzunehmen. Schon bisher hatte Frankreich Geldsubsidien bezahlt, jetzt trat es direkt in den Kampf ein, und damit beginnt als fünfte Periode des Kriegs der französisch-schwedische Krieg. Der Krieg nahm jetzt allmählich den Charakter eines politischen und Eroberungskriegs an, das religiöse Interesse trat mehr und mehr in den Hintergrund zurück. Zudem standen jetzt nicht mehr bloß Protestanten und Katholiken sich als Feinde gegenüber, sondern das katholische Frankreich kämpfte, während es im Innern die Hugenotten bekriegte, auf seiten der deutschen Protestanten und der Schweden, während eine Reihe protestantischer Fürsten und Städte Frieden mit dem Kaiser geschlossen hatten. In Norddeutschland und Sachsen bekriegte ein schwedisches Heer die Kaiserlichen: der schwedische General Banér verheerte Kursachsen für seinen Abfall und siegte bei Wittstock (4. Okt. 1636) über die vereinigten Kaiserlichen und Sachsen unter Hatzfeld, die er dann 1637 unter entsetzlicher Verwüstung des Landes nach Böhmen und Sachsen zurückdrängte. Inzwischen operierte Bernhard, seit dem Vertrag von St.-Germain en Laye (Oktober 1635) von Frankreich mit Subsidiengeldern unterstützt, am Rhein, schlug (3. März 1638) den ligistischen General Johann v. Werth bei Rheinfelden und eroberte 17. Dez. 1638 Breisach, nachdem er mehrere zum Entsatz vorrückende Korps geschlagen hatte. Ehe er aber, wie man erwartete, den Schweden zu Hilfe ziehen konnte, starb er plötzlich (18. Juli 1639), worauf sich der französische Hof, dem Bernhards selbständiges Vorgehen lästig geworden war und sein Tod daher sehr gelegen kam, in den Besitz seiner Kriegsvölker und aller seiner Eroberungen im Elsaß zu setzen wußte (s. Bernhard 5).

Der Krieg artete nun in einen wüsten Kampf verwilderter Söldnerscharen aus, in welchem Generale, wie die Schweden Banér, Torstensson, Wrangel, die Franzosen Enghien und Turenne, die Deutschen Werth, Mercy, Holzapfel u. a., zwar glänzende strategische Thaten vollbrachten und die Soldaten unerschütterliche Tapferkeit bewährten, in dem aber die deutschen Lande aufs furchtbarste verheert wurden und die Erschöpfung aller Hilfsmittel in dem teilweise schon gänzlich verödeten Deutschland die Heere selbst an der Ausbeutung ihrer kriegerischen Erfolge hinderte. Zahllos waren die blutigen Schlachten und Gefechte, in welchen die streitenden Parteien um die Palme des Siegs rangen, von großartiger Kühnheit die Feldzüge besonders der schwedischen Generale; aber das schließliche Ergebnis entsprach den kriegerischen Anstrengungen nicht. 1640 verdrängten die Kaiserlichen Banér aus Böhmen und drangen bis nach Hessen und Westfalen vor, während im Lager der verbündeten Schweden, Hessen und Franzosen Zwietracht und Meuterei herrschten. Im Winter aber unternahmen Banér und Guébriant auf Regensburg, wo ein Reichstag zur Beratung des Friedens versammelt war, einen Überfall, der nur durch plötzliches Tauwetter vereitelt wurde. Nach Banérs Tod (20. Mai 1641) trat Torstensson an die Spitze der schwedischen Truppen, der durch die Kühnheit und Schnelligkeit seiner Operationen alle seine Vorgänger übertraf. Er eroberte 1642 Schlesien und