Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dunkel; Dunkelarrest; Dünkelberg; Dunkeld; Dunkelgraf; Dunkelschlag; Dunkelstarre; Dunker; Dünkirchen

224

Dunkel - Dünkirchen.

Dunkel werden in der Logik diejenigen Begriffe genannt, die sich nicht voneinander unterscheiden lassen und daher leicht verwechselt werden. In der Psychologie heißen so diejenigen Vorstellungen, welche unter die sogen. Schwelle des Bewußtseins (s. Bewußtsein) gesunken, d. h. vergessen worden sind, deren Vorhandengewesen- oder Nochvorhandensein im Bewußtsein wir nicht wissen. Auf dem Wiederklarwerden der dunkeln Vorstellungen beruht die Erinnerung.

Dunkelarrest, Arrest in einem dunkeln Kerker, kommt heutzutage nur noch im Strafensystem der Militärstrafgesetzbücher vor (s. Arrest).

Dünkelberg, Wilhelm Friedrich, Kulturingenieur, geb. 4. Mai 1819 zu Schaumburg a. d. L., bildete sich auf dem landwirtschaftlichen Institut Hof-Geisberg bei Wiesbaden, der Universität Gießen und in dem Laboratorium von Fresenius in Wiesbaden, wurde 1847 Lehrer der Naturwissenschaften und der Mathematik an der Ackerbauschule zu Merchingen, 1849 Privatdozent zu Poppelsdorf, ging 1850 als Lehrer der Landwirtschaft an das Institut Hof-Geisberg und wurde 1858 zum Professor ernannt. 1856 übernahm er das Generalsekretariat des Landwirtschaftlichen Vereins für Nassau und redigierte von 1857 bis 1871 das "Landwirtschaftliche Wochenblatt für Nassau". 1857 war er Regierungskommissar für die Melioration des Hohen Westerwaldes, die er bis 1866 leitete. 1871 wurde er Direktor der landwirtschaftlichen Akademie zu Poppelsdorf. Der Zentralausschuß der Tiroler Landwirtschaftsgesellschaft engagierte ihn 1871 und 1872 zur Bereisung Tirols, um Vorschläge zur Landesmelioration zu machen; ebenso bereiste er auf Ansuchen des Landesausschusses von Österreichisch-Schlesien 1873 die Kleinen Karpathen, um Vorschläge zur Regulierung der denselben entsprießenden Wildbäche zu machen. D. hat das früher so vernachlässigte Kulturingenieurwesen in seiner Wichtigkeit für die Landesmelioration gehoben und in Aufnahme gebracht; auch richtete er in Hof-Geisberg besondere Wiesenbaukurse ein und wandelte sie später in eine Geometerschule um. Er machte auch eifrig Propaganda für die Dampfbodenkultur sowie für die Desinfektion des Kanalwassers in den Städten und Berieselung mit demselben, wie er auch das erste Rieselfeld bei Berlin anlegte und eine Zeitlang leitete. Er schrieb: "Die Landwirtschaft und das Kapital" (Wiesb. 1860); "Kulturtechnische Skizzen über meine Bereisung Tirols" (Innsbr. 1871); "Kulturtechnische Skizzen über eine zweite Bereisung Tirols" (das. 1872); "Der Wiesenbau in seinen landwirtschaftlichen und technischen Grundzügen" (Braunschw. 1865, 2. Aufl. 1877); "Die Technik der Berieselung mit städtischem Kanalwasser" (Bonn 1876); "Die Schifffahrtskanäle in ihrer Bedeutung für die Landesmelioration" (das. 1877); "Die Kulturtechnik in ihrer systematischen Anwendung auf Vorarlberg und die Melioration seiner Rheinebene" (das. 1878); "Encyklopädie u. Methodologie der Kulturtechnik" (Braunschw. 1883, 2 Bde.). Auch gab er 1868-70 die Zeitschrift "Der Kulturingenieur" (Braunschw., 3 Bde.) heraus.

Dunkeld (spr. dönnkeld), Dorf in Perthshire (Schottland), am Tay und am Fuß der Hochlande, mit Ruine der 1318-1477 erbauten Kathedrale und (1881) 768 Einw. Dabei Birnamwald (aus Shakespeares "Macbeth" bekannt) und Park des Herzogs von Atholl.

Dunkelgraf, s. Eishausen.

Dunkelschlag, s. Samenschlag.

Dunkelstarre, derjenige durch längeres Verweilen im Dunkeln herbeigeführte Zustand der Pflanzen, in welchem die periodischen Bewegungen und die auf einen Reiz eintretenden sogen. Reizbewegungen gewisser Pflanzenteile unterbleiben (vgl. Pflanzenbewegungen).

Dunker, Wilhelm, Geolog und Paläontolog, geb. 21. Febr. 1809 zu Eschwege in Kurhessen, widmete sich zuerst dem praktischen Berg- und Hüttenfach und studierte dann in Göttingen. Hierauf als Praktikant beim Bergamt zu Obernkirchen beschäftigt, erhielt er die Berufung als Lehrer der mineralogischen Wissenschaften an die neugegründete polytechnische Schule zu Kassel, 1854 als Professor an die Universität Marburg, wo er 13. März 1885 starb. Er schrieb: "Beiträge zur Kenntnis des norddeutschen Oolithgebildes" (mit Koch, Braunschw. 1837); "Monographie der norddeutschen Wealdenbildung" (das. 1846); "Index molluscorum guineensium" (Kassel 1853); "Mollusca japonica" (Stuttg. 1861); "Index molluscorum maris japonici" (Kassel 1882). 1846 gründete er mit Herm. v. Meyer die Zeitschrift "Palaeontographica".

Dünkirchen (franz. Dunkerque, spr. dong- oder döngkerk), Seestadt und Arrondissementshauptort im franz. Departement Nord, an der Nordsee, von der sie durch eine Dünenreihe geschieden ist, 45 km nordöstlich von Calais, der Themsemündung fast gegenüber in öder, sandiger Umgebung, durch Eisenbahnen mit Paris, Calais und Furnes in Belgien verbunden, wichtiger Handelshafen Frankreichs sowie Kriegsplatz erster Klasse. Der Hafen umfaßt einen Vorhafen und drei Bassins mit einer Ausdehnung von 18 Hektar. Die Kais haben eine Länge von 2570 m. Zur Verbesserung des Hafens, welcher nach dem Projekt 8 km Kais erhalten soll, werden nach dem Gesetz vom Jahr 1879: 50 Mill. Frank aufgewendet. Als Kriegsplatz ist D. sehr fest, sowohl durch seine neuerrichteten Befestigungswerke als durch die große Leichtigkeit, mit der die Umgegend weithin (bis Bergues) 1,5 m tief unter Wasser gesetzt werden kann. D. zerfällt in drei Teile: die eigentliche Stadt, reinlich, luftig und belebt, Sitz des Handels; die Unterstadt, mit breiten, sich rechtwinkelig schneidenden Straßen, Sitz der Industrie, und die Citadelle (Docks und Entrepots), Wohnsitz der Arbeiter und Seeleute. Unter den öffentlichen Plätzen sind hervorzuheben: das gepflasterte Champ de Mars und der Große Platz mit dem Denkmal des Seemanns Jean Bart (dessen Vaterstadt D. ist) von David d'Angers; unter den öffentlichen Gebäuden: das Rathaus (seit 1642), die St.-Eloikirche, die als Wallfahrtsort der Seeleute bekannte Kapelle Notre Dame des Dunes (1405 gegründet, 1815 neuerbaut), ferner der Belfried (60 m hoch, mit berühmtem Glockenspiel). Die Zahl der fast durchweg vlämischen Bewohner beträgt (1881) 37,307. Die Erwerbszweige derselben sind: Schiffbau und alles, was zur Ausrüstung von Schiffen gehört, Leinen-, Baumwoll- und Hanfspinnerei, Gerberei, Seifensiederei, Zucker- und Salzraffinerie, Fabrikation von Leberthran, Austernzucht und die im großen betriebene Fischerei, die vorzugsweise D. reich gemacht hat. Jährlich gehen viele Schiffe (1883: 122 mit 11,283 Ton. und einer Bemannung von 1799 Personen) nach Island, Neufundland etc. auf den Stockfisch- und Heringsfang. Das Ergebnis war 1883 über 5,5 Mill. kg Stockfisch samt Nebenprodukten und 100,000 kg Heringe. Die Bewohner selbst sind als die furchtlosesten Seeleute bekannt. D. treibt einen bedeutenden Handel. Im J. 1883 betrug die durch die Schifffahrt vermittelte Warenbewegung 1,555,409 Ton., wovon auf den internationalen Handel 1,3 Mill. T. und zwar auf die Einfuhr 1,2 Mill. T. im Wert von