Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

230

Duplex - Dupont.

Duplex (lat.), doppelt.

Duplieren (lat., doublieren), verdoppeln; im militärischen Sinn: zwei Rotten oder zwei Mann, welche nebeneinander stehen, hintereinander setzen oder umgekehrt; auch eine Truppenabteilung in die Zwischenräume einer Gefechts- oder Frontlinie einschieben (letzteres meist eindoublieren genannt); ein Kap d., um dasselbe herumsegeln; im Billardspiel: den Ball des Gegners durch den Rückprall von der Bande machen. Beim Stoßfechten bezeichnet d. das rasche Herumgehen um des Gegners Klinge, in der Metallbearbeitung das Auswalzen zweier übereinander gelegter Bleche, in der Spinnerei und Weberei die Vereinigung mehrerer Fäden, Watten, Bänder durch Dupliermaschinen etc.

Duplīk (neulat.), im Prozeß eine Behauptung, welche die Replik des Klägers entkräften soll. Wie die Einrede der Klage und die Replik der Einrede, so wird die D. der Replik entgegengesetzt, oder mit andern Worten, die D. ist eine Einrede auf die Replik. Im frühern Prozeßrecht bezeichnete man mit D. überhaupt den vierten Schriftsatz im ersten Verfahren, und die Duplikschrift bestand aus zwei Teilen; in dem ersten erfolgte die Einlassung auf die klägerischen Repliken, in dem zweiten die Vorbringung selbständiger Dupliken, d. h. Anführung neuer Umstände, wodurch die Repliken entkräftet werden sollten. Gewöhnlich schloß damit, weil eigentliche Dupliken nur selten vorkommen, der erste Schriftenwechsel ab. Übrigens spricht man auch im Strafprozeß von einer D., wenn der Verteidiger auf die Replik des Staatsanwalts noch einmal zu einer Gegenausführung das Wort ergreift.

Duplikāt (lat.), Doppelschrift; gleichlautende Abschrift oder zweite Ausfertigung einer Urkunde, z. B. eines Wechsels, einer Quittung u. dgl. Eingaben an Behörden, welche zugleich zur Mitteilung an eine Gegenpartei bestimmt sind, müssen in Doppelschrift (in duplo) eingereicht werden. So sind z. B. im preußischen Verwaltungsstreitverfahren allen Schriftstücken Duplikate beizufügen, widrigenfalls deren Anfertigung auf Kosten der zur Beifügung verpflichteten Partei erfolgt. Im Zivilprozeß sind die zur Zustellung an die Gegenpartei durch den Gerichtsvollzieher bestimmten Schriftsätze in dreifacher Ausfertigung einzureichen, indem ein Exemplar dem Prozeßgegner behändigt, das zweite zu den Gerichtsakten genommen wird und das dritte mit dem Behändigungsnachweis an den Extrahenten zurückgeht.

Duplikation (lat.), Verdoppelung.

Duplikator (lat.), s. v. w. Multiplikator.

Duplikatur (lat.), Verdoppelung, doppelte Lage, z. B. in der Anatomie von Häuten gebraucht, die aus zwei aufeinander liegenden Platten bestehen.

Duplizieren (lat.), verdoppeln, in der Rechtssprache: die Duplik (s. d.) einreichen; Duplizität, Doppelheit, Doppelzüngigkeit.

Duployé (spr. düplŏajé), Emile, Erfinder des verbreitetsten französischen Stenographiesystems, geb. 1833 zu Notre Dame de Liesse (Aisne), beschäftigte sich schon während seiner Studienzeit und danach als Geistlicher und Lehrer eingehend mit der Kurzschrift. Nachdem er seinen Beruf aufgegeben, siedelte er nach Paris über und veröffentlichte 1860 in Gemeinschaft mit seinem Bruder Gustave das erste Lehrbuch seines inzwischen ausgebildeten eignen Stenographiesystems: "Sténographie D., ou l'art de suivre, avec l'écriture, la parole, etc." Durch energische Thätigkeit und großartige Reklame hat es D. verstanden, seinem System, welches einem thatsächlichen Bedürfnis bei den gebildeten Franzosen entgegenkam, eine schnelle und große Verbreitung zu verschaffen. Diesem Zweck dient besonders das vom Erfinder geleitete, mit eigner Druckerei versehene Institut sténographique des Deux-Mondes in Paris, welches den Mittelpunkt für alle Angelegenheiten des Systems bildet und eine "Bibliothèque sténographique" herausgibt, die schon mehrere Hundert zum Teil mit besondern stenographischen Typen gedruckte Bände (meist Erbauungs-, Volks- und Jugendschriften) umfaßt und noch fortgesetzt wird. In Paris und den Provinzen erscheinen etwa 30 stenographische Zeitschriften nach dem System D. Dasselbe sieht von der gebräuchlichen Orthographie ab und schreibt fast ganz phonetisch, vermengt aber in phantastischer Weise die Ziele, die der Engländer Pitman (s. d.) mit seiner phonetic short-hand und long-hand gesondert verfolgt. Das Aussehen der Duployéschen Schrift ist unschön, ihre Handgerechtigkeit mangelhaft, weil sie als Elemente nur die mathematischen Linien verwendet; doch besitzt sie den Vorzug leichter Erlernbarkeit. Auch auf fremde Sprachen wurde das System bereits übertragen, z. B. auf das Englische und Spanische, auf das Deutsche durch Weiler (3. Aufl., Luxemb. u. Par. 1883). Vgl. "Institut sténographique des Deux-Mondes" (Par. 1876); Mitzschke, E. D. (im "Archiv für Stenographie" 1878, Nr. 358); Meyer, Das Stenographiesystem von D. (das. 1885, Nr. 436); Weber, Die Stenographie Duployés (im "Magazin für Stenographie" 1884, Nr. 24).

Duplum (lat.), das Doppelte; in duplo ausfertigen, s. v. w. mit einem Duplikat (s. d.) versehen.

Dupont (spr. düpóng), 1) Pierre Samuel D. de Nemours, franz. Nationalökonom, geb. 14. Dez. 1739 zu Paris, widmete sich nach gründlichen klassischen Studien der Nationalökonomie und wurde Anhänger der Lehre Quesnays, zu deren Verbreitung er außerordentlich viel beigetragen hat. Er redigierte das "Journal de l'agriculture", die "Éphémérides du citoyen" und schrieb: "Physiocratie, ou constitution naturelle du gouvernement le plus avantageux au genre humaine" (Par. 1768, 2 Bde.), ein Werk, in welchem die Anschauungen der physiokratischen Schule klar dargelegt sind, und das dieser Schule den Namen gab. Bei der Regierung wegen seiner Thätigkeit mißliebig geworden, mußte er auswandern und kehrte erst nach Turgots Berufung zum Finanzminister nach Frankreich zurück. In untergeordneter Stellung dessen treuer Gehilfe, ward er beim Sturz Turgots von den Geschäften entfernt und erst unter Calonne als Staatsrat wieder angestellt. Als Mitglied der Nationalversammlung gab er besonders bei finanziellen Fragen seine Stimme ab. Dann Herausgeber eines Blattes gemäßigter Richtung, ward er als Reaktionär verschrieen und entging nur durch den Sturz Robespierres dem Schafott. Später Mitglied des Rats der Alten, mußte er als heftiger Gegner der demokratischen Partei in Nordamerika ein Asyl suchen und kehrte erst nach der Revolution vom 18. Brumaire nach Frankreich zurück, wo er das Direktorium mehrerer gemeinnütziger Anstalten, namentlich das der Bank der Handelskammer, übernahm. Im J. 1814 ward er zum Sekretär der provisorischen Regierung und dann von Ludwig XVIII. zum Staatsrat ernannt, begab sich aber bei Napoleons Rückkehr wieder nach Amerika, wo er sich mit seinen Söhnen der Leitung großer industrieller Unternehmungen am Delaware widmete und allgemein geachtet 6. Aug. 1817 starb. Hervorhebung verdient noch seine