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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dupré; Duprez; Dupuis

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Dupré - Dupuis.

1865); "La conspiration contre les petits états en Europe" (1867); "Les révolutions" (1870); "Frédéric Bastiat" (neue Ausg. 1878); "L'esprit des révolutions" (1879, 2 Bde.).

Dupré (spr. dü-), 1) Jules, franz. Maler, geb. 1812 zu Nantes, folgte anfänglich dem Beruf seines Vaters, eines Porzellanfabrikanten, wandte sich aber dann der Landschaftsmalerei zu und debütierte zuerst 1831 im Pariser Salon mit fünf Landschaften nach Motiven aus dem Departement Obervienne. Er brachte seitdem fast nur französische Landschaften, doch von 1835 bis 1839 auch einige aus England zur Ausstellung. Nach langer Zwischenzeit sah man auf der Weltausstellung von 1867 zwölf Bilder von D. Dann hielt er sich wieder von den Ausstellungen fern, bis er auf der nationalen Ausstellung von 1883 durch acht Landschaften daran erinnerte, daß seine Kraft noch nicht geschwächt ist. Er ist einer der Hauptvertreter des sogen. Paysage intime, d. h. der neuen Richtung der französischen Landschaftsmalerei, nicht die "schöne Ansicht" oder einen allgemeinen Idealismus zu pflegen, sondern jedem Stückchen Landschaft seine eigentümliche Stimmung in Farbe, Luft und Licht abzugewinnen. Die Wahrheit des Tons ist ihm die Hauptsache, und um diese zu erreichen, malt er so stark pastos, daß seine Bilder bisweilen wie Reliefs aussehen. Die Beleuchtung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, und namentlich weiß er den Sonnenuntergang mit starkem poetischen Reiz zu schildern. Er ist Offizier des Ordens der Ehrenlegion. - Sein Bruder Léon Victor D., geboren zu Limoges und Schüler von ihm, ist ebenfalls Landschaftsmaler.

2) Giovanni, ital. Bildhauer, geb. 1. März 1817 zu Siena als Sohn eines Holzschneiders, widmete sich in Florenz der Bildhauerei und errang 1842 mit einem toten Abel (Bronzefigur im Palazzo Pitti) den ersten Erfolg. 1845 modellierte er als Gegenstück den Kain, der in Bronzeguß ebenfalls in den Palazzo Pitti kam. In den folgenden Jahren entstanden die Marmorfiguren: Giotto und Sant' Antonio für die Uffizien und ein Pius II. für San Domenico in Siena. Auf einer Reise nach Neapel begriffen, sah D. 1856 in Rom das Monument Pius' VI. von Canova, welches seinem Streben eine andre Richtung gab. Dieselbe führte ihn zu einer allegorischen Auffassung, die der Harmonie seiner Werke nicht gerade förderlich wurde. Das erste derselben war eine Sappho, welche mit zersprungener Leier in melancholischem Nachdenken auf einem Felsen sitzt. 1859 vollendete D. das große Grabdenkmal der Gräfin Ferrari Corbelli auf San Lorenzo zu Florenz. Architektur und Gesamtaufbau sind unharmonisch; an den allegorischen Figuren sind einzelne sorgfältige Naturstudien zu loben, die jedoch von der konventionellen Behandlung andrer Teile abstechen. Ein weiteres größeres Werk aus dieser Zeit ist das Relief in der Lünette des Hauptportals von Santa Croce in Florenz, das den Triumph des Kreuzes darstellt. Historische Figuren aus allen Jahrhunderten des Christentums sind hier um den in der Mitte liegenden Genius der Menschheit gruppiert. Zu den edelsten und empfindungsreichsten Werken Duprés zählt seine Pietà, die er 1860-65 im Auftrag des Marchese Ruspoli für den Kirchhof der Misericordia in Siena vollendete, und in welcher seine Kunst feiner naturalistischer Durchbildung ihren Höhepunkt erreicht (s. Tafel "Bildhauerkunst X", Fig. 13). Duprés umfangreichste Arbeit ist das 1872 enthüllte Monument Cavours in Turin. Zehn allegorische Kolossalfiguren umgeben das Postament, auf dem Cavour, Italia erhebend, steht. An den meist nackten allegorischen Figuren sind ernstes Naturstudium und Streben nach monumentaler Würde zu bemerken; nur stören auch hier einige Härten der Komposition und die unharmonische Verquickung von Realismus und Allegorie. Träumerische Melancholie, die hier und da in Starrheit des Ausdrucks übergeht, kennzeichnet die Mehrzahl seiner Werke; der Künstler hat vielfach die menschliche Figur zu sehr als allegorische Trägerin abstrakter philosophischer, politischer oder religiöser Ideen behandelt, anstatt die Aufgabe der Kunst in der Darstellung menschlicher Schönheit und menschlichen Charakters zu suchen. Er starb 10. Jan. 1882 in Florenz. Er war auch als Schriftsteller thätig und gab heraus: "Pensieri sull' arte e ricordi autobiografici".

Duprez (spr. düpre), Gilbert Louis, Opernsänger (Tenor), geb. 6. Dez. 1806 zu Paris, ward auf dem dortigen Konservatorium und später im Musikinstitut Chorons ausgebildet, sang von 1828 bis 1837 mit Erfolg auf verschiedenen Bühnen Italiens und wurde im letztgenannten Jahr nach einem glänzenden Debüt in Rossinis "Tell" zuerst neben Nourrit (s. d.), dann an dessen Stelle an der Großen Oper zu Paris als erster Tenor engagiert. In dieser Stellung blieb er bis in die 50er Jahre als Sänger wie als Schauspieler in der hohen Gunst des Publikums. Dann nötigte ihn das Schwinden seiner Stimme, die Bühne zu verlassen. Schon von 1842 bis 1850 war er am Konservatorium als Gesanglehrer wirksam gewesen, nun aber warf er sich mit verdoppeltem Eifer auf dieses Fach und gründete eine eigne Gesangschule, welche bald durch die von ihm ausgebildeten Künstler (darunter die Sängerinnen Miolan-Carvalho und Marie Battu) zu hohem Ruf gelangte. Auch als Komponist hat sich D., wenigstens in Künstlerkreisen, bekannt gemacht durch sieben Opern, ein Oratorium: "Le jugement dernier" (aufgeführt 1868), eine Gesanglehre: "Art du chant" (Par. 1846), und eine große Zahl kleinerer Kompositionen. Neuerdings ist er mit seinen "Souvenirs d'un chanteur" (1880) auch als Schriftsteller aufgetreten. - Seine Tochter Caroline D., geb. 1832 zu Florenz, seit 1856 mit dem Musiker van den Heuvel vermählt, trat 1850 zu Paris als dramatische Sängerin auf und fand besonders seit 1852 in der Opéra comique großen Beifall. Später ging sie zum Théâtre lyrique, 1860 zur Großen Oper über. Sie starb 17. April 1875 in Pau.

Dupuis (spr. düpüi), Charles François, franz. Gelehrter, geb. 16. Okt. 1742 zu Trye-Château (Oise), Sohn eines Dorfschullehrers. Durch Verwendung des Herzogs de la Rochefoucauld in das Collège d'Harcourt aufgenommen, wurde er schon 1766 Professor der Rhetorik am Collège de Lisieux in Paris, wandte sich dann unter Lalandes Einfluß der Astronomie zu und erregte durch sein "Mémoire sur l'origine des constellations et sur l'explication de la fable par le moyen de l'astronomie" (Par. 1871), worin er die Mythen und Religionen als astronomische und physikalische Allegorien deutete, allgemeines Aufsehen. Er erhielt hierauf 1787 den Lehrstuhl der lateinischen Beredsamkeit am Collège de France, 1788 die Mitgliedschaft der Akademie der Inschriften und wurde während der Revolution in den Konvent deputiert, dann in den Rat der Fünfhundert, endlich auch in den Gesetzgebenden Körper (bis 1802), dessen Präsident er sogar wurde. Er starb 29. Sept. 1809 auf seinem Landgut in Is sur Til bei Dijon. Sein mit Spannung erwartetes, leider zur Parteisache gemachtes Hauptwerk: "L'origine de tous les cultes, ou