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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Eau Claire - Ebal.

Parfümerien, welche durch Destillation von Spiritus über aromatische Pflanzenteile oder durch Lösen ätherischer Öle in Spiritus dargestellt werden. Man benennt sie nach dem in ihnen enthaltenen Riechstoff, z. B. Lavendelwasser, E. de lavande; andre haben ganz willkürlich gewählte Namen, wie E. de mille fleurs, E. de la reine etc.; andre endlich knüpfen ihren Namen an die Fabrikationsorte oder bestimmte Eigennamen, wie E. de Cologne, E. de Saxe etc. Auch unter Likören und Bleichmitteln (E. de Javelle) kommen derartige Namen vor.

Eau Claire (spr. oh klähr), Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft im NW. des nordamerikan. Staats Wisconsin, am Chippewa, mit zahlreichen Sägemühlen und andern Fabriken und (1880) 10,118 Einw.

Eau de Cologne (franz., spr. oh d'kolonnj, Kölnisches Wasser), eins der beliebtesten spirituösen Parfüme, welches, wie alle ähnlichen Präparate, durch Auflösen ätherischer Öle in Spiritus dargestellt wird. Die Rezepte werden von den ca. 30 Fabrikanten in Köln, die fast sämtlich die Firma Farina führen, geheim gehalten, und wiederholt sind über die "Echtheit" des einen oder des andern Fabrikats Prozesse geführt worden. Die Fachlitteratur besitzt eine Anzahl von Rezepten, welche ähnliche Präparate liefern, ohne mit einer der Handelssorten völlig übereinzustimmen. Über Erfindung und Geschichte des E. s. Farina.

Eau de Javelle (spr. oh d'schawäl, Chlornatron, Fleckwasser, Bleichflüssigkeit), eine Flüssigkeit, in welcher unterchlorigsaures Natron der wirksame Bestandteil ist. Zur Bereitung verreibt man nach der "Pharmacopoea germanica" 20 Teile Chlorkalk (28- bis 30proz.) mit 100 Teilen Wasser, setzt eine Lösung von 2,5 Teilen kristallisierter Soda in 500 Teilen Wasser hinzu und gießt die Flüssigkeit am andern Tag klar ab. Sie enthält im wesentlichen unterchlorigsaures Natron und Chlornatrium, während der Bodensatz aus kohlensaurem Kalk und Ätzkalk besteht. Man erhält E. aber auch, wenn man in eine kalte, höchstens 10proz. Sodalösung Chlor leitet, bis die Lösung aufbraust und energisch Lackmus bleicht. Sie enthält dann Chlornatrium, doppeltkohlensaures Natron und unterchlorige Säure. Bei weiterm Einleiten von Chlor wird auch das doppeltkohlensaure Natron unter Bildung von Chlornatrium zersetzt. Sehr billig erhält man dies Präparat durch Einleiten von Chlor in eine Mischung von Ätzkalk und schwefelsaurem Natron. Wendet man zu E. konzentrierte und warme Lösungen an, so entsteht statt der unterchlorigen Säure chlorsaures Natron, welches nicht bleichend wirkt. E. ist klar, farblos oder grünlichgelb, riecht wie Chlorkalk, schmeckt adstringierend und muß in verschlossenen Gefäßen im Dunkeln aufbewahrt werden. Man benutzt es zum Bleichen, Vertilgen von Flecken etc.; Pflanzenfarben, alte Obst- und Weinflecke etc., auch Stockflecke, Tinte etc. zerstört es schnell und vollständig. Auch benutzt man es in der chemischen Analyse und in der Medizin, mit Wasser verdünnt, bei brandigen, krebsartigen, syphilitischen, stinkig eiternden Wunden, gegen übelriechenden Atem, Quecksilberspeichelfluß, Verbrennungen, als Einspritzung bei veralteten Gonorrhöen etc., innerlich bei typhösen Fiebern. Als Bleichsoda kommt ein Fabrikat in den Handel, welches erhalten wird, indem man Chlor über eine dünne Schicht Soda und das nicht von letzterer absorbierte Gas in eine starke Lösung von Ätznatron treten läßt, dann die Lauge mit dem Salz mischt und erstarren läßt oder durch beständiges Umrühren in ein körniges Pulver verwandelt. Das Präparat riecht nach Chlor, zieht begierig Feuchtigkeit an und soll gegenüber dem Chlorkalk viele Vorteile darbieten. Es besteht aus etwa 80 Proz. kristallisiertem kohlensauren Natron, 8,5 Proz. Chlornatrium und 11,5 Proz. unterchlorigsaurem Natron. Ursprünglich verstand man unter E. ein durch Einleiten von Chlor in Pottaschelösung erhaltenes Präparat, welches als erste Bleichflüssigkeit seit 1792 in Javelle bei Paris dargestellt wurde. Das entsprechende, jetzt gebräuchliche Natronpräparat wurde 1820 von Labarraque angegeben und führte zuerst den Namen Eau de Labarraque, bis es das teurere Kalipräparat vollständig verdrängte.

Eau de Labarraque (spr. oh d'labarräk), s. Eau de Javelle.

Eau de Luce (spr. oh d'lühs), s. Bernsteinsaure Ammoniakflüssigkeit.

Eau forte (franz., spr. oh fórt, Scheidewasser [Salpetersäure], lat. aqua fortis), im weitern Sinn s. v. w. geätzte Kupferplatte, Radierung; danach Aquafortisten, s. v. w. Radierer. Vgl. Kupferstecherkunst.

Eaux-Bonnes (spr. oh-bónn), Badeort im franz. Departement Niederpyrenäen, Arrondissement Oloron, in tief eingeschnittenem Thal, am Zusammenfluß der Soude und des Valentin, 748 m ü. M. gelegen, mit (1876) 750 Einw. Die Heilquellen, sechs an der Zahl, gehören zu den Schwefelwasserstoffgas entwickelnden Thermen, liefern in 24 Stunden 75,570 Lit. Quellwasser, haben eine Temperatur von 12-33° C. und zeichnen sich vor allen andern Pyrenäenquellen durch Reichtum an Chlornatrium und organischen Stoffen aus. Zum Trinken benutzt man jetzt vorzugsweise die sogen. Alte Quelle (33° C.). Das Wasser wird besonders, jedoch wegen seiner stark erregenden Wirkung mit Vorsicht, bei Affektionen der Respirationsorgane angewendet. Die Luft ist rein und belebend, aber häufigen Temperaturwechseln ausgesetzt. Der kleine Kurort wird von der vornehmen Welt sehr bevorzugt und jährlich von 6-10,000 Kurgästen besucht. Auch werden jährlich 300,000 Flaschen versendet. Die Saison beginnt erst im Juni und endet gegen Mitte September. Die Umgebung enthält zahlreiche Wasserfälle, Seen und aussichtsreiche Berge.

Eaux-Chaudes (spr. oh-schóhd), Badeort im franz. Departement Niederpyrenäen, in einer westlich von Eaux-Bonnes (s. d.) gelegenen tiefen und wilden Bergschlucht, an der Gave d'Ossau, 675 m ü. M., hat 7 Schwefelthermen von 10-34° C., die ähnlich wie die Quellen von Eaux-Bonnes, jedoch wegen ihres geringen Gehalts an Schwefelalkalien weniger erregend wirken. Die wärmste und erregendste Quelle ist Le Clot (34,2° C.). Der Aufenthalt in dem eng eingeschlossenen Ort ist indessen kein erheiternder, wenn auch die fortwährend bewegte Luft stärkend auf die Kranken einwirkt. Dagegen enthält die Umgegend schöne Gebirgslandschaften. Vgl. Jam, Guide des Eaux-Bonnes et E. (2. Aufl., Par. 1874); Jourdan, Stations thermales d'E. (Montpellier 1875); Badeschriften von Pietra Santa, Cazenave u. a.

Eauze (spr. ohs'), Stadt im franz. Departement Gers, Arrondissement Condom, an der Gelise, mit einer hübschen gotischen Kirche und (1876) 2062 Einw., welche vorzüglichen Likör (Armagnac) bereiten. E. war das alte Elusa, die um 720 von den Sarazenen zerstörte Hauptstadt von Novempopulania.

Ebal (jetzt Dschel Sulêmîje), 924 m hoher Berg in Palästina (Samaria), gegenüber dem Berge Garizim und wie dieser steil zu dem fruchtbaren Thal von Sichem (Nabulus) abfallend. Auf dem E. sollten nach Moses' Bestimmungen diejenigen, welche dem Gesetz zuwider lebten, verflucht werden.