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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Egelseuche; Egenolff; Eger; Egeran; Egeria; Egerieren; Egerminieren; Egersund

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Egelseuche - Egersund.

und Bergbau auf Braunkohlen betrieben. - E., zuerst 941 erwähnt, bildete im Mittelalter eine Herrschaft, die 1659 an Brandenburg kam; das ehemalige Cistercienser-Nonnenkloster Marienstuhl gründete 1262 die Gräfin Gutta von Blankenburg.

Egelseuche, s. Leberegelkrankheit.

Egenolff, Christian, Buchdrucker, geb. 26. Juli 1502 zu Hadamar, trieb seit 1516 humanistische Studien in Mainz, erlernte später die Buchdruckerkunst, ließ sich 1529 in Straßburg nieder und betrieb von 1531 bis zu seinem Tod, 9. Febr. 1555, Buchdruckerei und Schriftgießerei in Frankfurt a. M. Seine Lettern waren sehr gesucht, und für die Illustrationen seiner Bücher wußte er Hans Sebald Beham, Virgil Solis u. a. zu gewinnen. 1535 druckte er eine deutsche Bibel und eine von ihm selbst zusammengestellte Chronik. Sein Insigne war ein Altar mit einem brennenden Herzen. Vgl. Grotefend, Chr. E. (Frankf. 1881).

Eger, 1) (tschech. Ohře, spr. ochrsche, lat. Agra) Nebenfluß der Elbe in Böhmen, entspringt auf dem Fichtelgebirge in Bayern, unweit des Schneebergs, in 720 m Meereshöhe und durchfloß sonst den Weiher von Weißenstadt, der jetzt entwässert ist. Selb, Rößla und andre Bäche des Fichtelgebirges verstärken den jungen Fluß. Auf der innern Hochebene des Gebirges fließt er in flacher Thalmulde, bildet dann bei Hohenberg ein tief eingeschnittenes, malerisches Thal und tritt aus demselben in das flache Egerland, das, ringsum von Höhen der hier endenden Gebirge Böhmerwald, Erz- und Fichtelgebirge umsetzt und von einem Schichtenkomplex der mannigfachsten tertiären Süßwassergebilde erfüllt, 15-22 km im Durchmesser hat. Weiter abwärts hat die E. von Elbogen bis Kaaden ein tiefes, felsiges Bett, von Kaaden an links bedeutende Höhen, aber von Klösterle abwärts ganz niedrige Ufer, die sie überschwemmt und sumpfig macht. Sie mündet unterhalb Theresienstadt, Leitmeritz gegenüber, in 128 m Meereshöhe. Bis Eger beträgt das Gefälle 46 m auf 10 km, von da bis zur Mündung 10 m. Von einigen nach N. gerichteten Strecken abgesehen, behält die E. östliche Hauptrichtung bei und während ihres ganzen Laufs auch ihre rötliche Farbe, die aus dem Ocker der Quellen entsteht. Der Fluß ist 310 km lang und sehr fischreich; die Schiffahrt wird durch sein starkes Gefälle und zahlreiche Felsblöcke im Bett verhindert. Unter seinen Nebenflüssen sind noch zu nennen: rechts die Tepl, links die Zwoda. Das sogen. Egerland, mit deutschen Einwohnern, die sich durch Lebensweise, Tracht und Sitten auszeichnen, fällt im wesentlichen mit der böhmischen Bezirkshauptmannschaft E. zusammen. -

2) Fluß im Württembergischen, entspringt im Oberamt Ellwangen, fließt an Nördlingen vorüber und mündet nach 52 km langem Lauf in die Wörnitz.

Eger (tschech. Cheb), Stadt im nordwestlichen Böhmen, auf einer Anhöhe am rechten Ufer der Eger, 410 m ü. M., im fruchtbaren Egerland gelegen, aus der eigentlichen Stadt und drei Vorstädten bestehend, hat 5 Kirchen (darunter die prächtige zweigetürmte Stadtpfarr- und eine evang. Kirche), eine Kommende des Kreuzherrrenordens ^[richtig: Kreuzherrenordens] und Klöster der Dominikaner (seit 1296) und Franziskaner (vor 1256 gegründet), ein Stadthaus (1600 erbaut) mit Museum (verschiedene Kuriositäten und Erinnerungen an Wallenstein enthaltend), ein Rathaus (von 1728), ein neues Stadttheater, ein Zentralschulhaus, einen Zentralbahnhof für die sechs einmündenden Eisenbahnlinien (Sächsische Staatsbahn, Bayrische Staatsbahn mit 3 Linien, Buschtiehrader und Franz-Josephsbahn) und (1880) 17,148 Einw., welche starken Handel und Gewerbe treiben. In der Stadt befinden sich eine Dampfmühle, Bautischlerei und Schlosserei, Maschinenfabrik und eine große Bierbrauerei; auch sind Zinnfolienerzeugung, Weberei, Wirkerei und Schuhwarenfabrikation hier vertreten. An merkantilen Anstalten bestehen in E. eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, eine Eskomptegesellschaft und eine Sparkasse (6,7 Mill. Gulden Einlagen). E. ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts, einer Finanzbezirksdirektion, eines Hauptzoll- und Hauptsteueramts, einer Handels- und Gewerbekammer und hat ein Obergymnasium, eine Lehrerbildungsanstalt, eine Gewerbeschule und ein Gewerbemuseum, ein Kranken- und ein Waisenhaus. Von der alten kaiserlichen Burg (in welcher Wallensteins Gefährten Terzky, Illo, Kinsky und Neumann fielen) sind die prächtige, unten romanische, oben frühgotische Doppelkapelle, der "schwarze Turm" und Ruinen des Saalbaues übrig. 2 km von E. liegt der Kammerbühl (497 m), ein ausgebrannter Vulkan, und 2 km weiter Franzensbad (s. d.). -

Die Entstehung von E. ist unbekannt. Es war Sitz der Markgrafen des Nordgaues (zuletzt der von Vohburg). Von ihnen kam die Stadt 1149 durch Heirat an Friedrich Barbarossa, der sie 1179 zur Reichsstadt erhob. 1270 brannte sie, damals im Besitz Ottokars II. von Böhmen, ganz ab. Nachdem sie schon König Adolf und nochmals Ludwig der Bayer 1322 an Böhmen verpfändet hatten, blieb sie böhmisch. König Wendel verkündete hier 1389 einen Landfrieden, und 1432 fanden Verhandlungen zwischen den Hussiten und Gesandten des Baseler Konzils statt, welche den Ausgleich vorbereiteten. Georg Podiebrad nötigte hier 1459 die sächsischen Fürsten, Böhmens Lehnshoheit für mehrere meißnische Besitzungen anzuerkennen. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde E. 1631 und nochmals 1647 von den Schweden genommen und auf dem dortigen Stadthaus 25. Febr. 1634 Wallenstein ermordet. Im österreichischen Erbfolgekrieg wurde die Stadt 19. April 1742 von den Franzosen unter Moritz von Sachsen genommen, aber schon 1743 wieder an die Österreicher übergeben. 1809 wurden die Festungswerke geschleift. Vgl. Drivok, Ältere Geschichte der deutschen Reichsstadt E. (Leipz. 1874); Grueber, Die Kaiserburg zu E. (Prag 1864); "Die Chroniken der Stadt E." (hrsg. von Gradl, das. 1885).

Egeran, s. Idokras.

Egeria, eine Quell- und Geburtsgöttin der alten Latiner, welche auch die Gabe der Weissagung besaß, und aus deren Quell vor der Porta Capena zu Rom die Vestalinnen das Wasser zu den täglichen Reinigungen zu schöpfen pflegten. Nach der römischen Sage war sie die Gemahlin und Beraterin des Königs Numa, der sich in geheimen nächtlichen Zusammenkünften von ihr über Staats- und Religionswesen belehren ließ. Nach Numas Tod floh sie in den Hain am Heiligtum der Diana bei Aricia und beweinte jenen, bis sie von Diana in eine Quelle verwandelt wurde. Die Reste eines antiken Brunnenheiligtums im Thal des Almo bei Rom (mit der verstümmelten Statue des Wassergottes über der frisch sprudelnden Quelle) führen noch jetzt, wiewohl irrtümlich, den Namen "Grotte der E."

Egerieren (lat.), aus-, abführen.

Egerminieren (lat.), aufkeimen, sprossen; Egermination, Aufkeimung.

Egersund (Ekersund), Hafenstadt im norweg. Amt Stavanger, südlich von der Stadt Stavanger, mit der E. durch Eisenbahn verbunden ist, hat einen guten, durch die vorliegende Insel Egerö gebildeten