Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eichenrindenlaus; Eichens; Eichenschälwald; Eichenwerftkäfer; Eichhase; Eichhoff; Eichhorn

360

Eichenrindenlaus - Eichhorn.

beste aber soll die englische sein, dann folgen die des Moselgebiets, des Rheingaues, Saargebirges und Odenwaldes. Bei der Ernte ist die Rinde vor Beschädigung sorgfältig zu schützen. In bergigen Gegenden liefert die Traubeneiche, in der Ebene die Stieleiche die beste Rinde; ganz im allgemeinen sind beide Eichen gleichwertig, doch herrscht thatsächlich die Stieleiche in Schälwäldern vor. Im Mittel enthält die Rinde der untern Hälfte der Lohden 15,5, die der obern 13,3 Proz. Gerbstoff.

Von der süd- und südwesteuropäischen Kermeseiche (Q. coccifera L.) werden die Stammrinde und die viel gerbstoffreichere Wurzelrinde, letztere unter dem Namen Garouille oder Rusque in Algerien gewonnen, als Gerbmaterial benutzt. Ferner liefern die Innenrinde der Korkeiche (Q. suber L.), in Algerien, Sardinien, Spanien und Südfrankreich, die Steineiche (Q. Ilex L.), in Algerien und Südeuropa, wertvolles Gerbmaterial. Letztere wird in Südfrankreich im Niederwaldbetrieb mit kurzer Umtriebszeit kultiviert und die gerbstoffreiche Rinde besonders zum Gerben des Sohlleders benutzt. Die Rinden andrer europäischer Eichen sind von geringer Wichtigkeit, während in Nordamerika zahlreiche Eichen wertvolle Rinden liefern. Am häufigsten benutzt man die Rinde von Q. Prinus, aber nur mittlere und ältere Rinden, aus denen auch Extrakte bereitet werden. Vgl. Neubrand, Die Gerbrinde (Frankf. 1869).

Eichenrindenlaus, s. Reblaus.

Eichens, Friedrich Eduard, Kupferstecher, geb. 27. Mai 1804 zu Berlin, bildete sich unter Buchhorn auf der Berliner Akademie, dann in Paris und später in Parma unter Toschi. Nach seiner Rückkehr nach Berlin ward er Professor und starb 5. Mai 1877 daselbst. Von seinen Werken, die sich durch Korrektheit der Zeichnung und Eleganz der Behandlung auszeichnen, sind hervorzuheben: die Anbetung der heiligen drei Könige, nach Raffael (1836); die heil. Magdalena, nach Domenichino (1837); Friedrich d. Gr. als Kronprinz, nach Pesne (1846); Porträte berühmter Zeitgenossen nach Photographien, mehrere Blätter nach Kaulbachs Wandgemälden im Neuen Museum zu Berlin und aus dessen Shakespeare-Galerie.

Eichenschälwald, s. Eiche und Eichenrinden.

Eichenwerftkäfer, s. Holzbohrer.

Eichhase, s. Polyporus.

Eichhoff, Friedrich Gustav, franz. Philolog und Sprachgelehrter, geb. 17. Aug. 1799 zu Havre als Sohn eines Hamburger Kaufmanns, studierte in Paris die Klassiker, vertauschte dann aber dieses Studium mit dem der orientalischen Sprachen und wurde infolge einer öffentlichen Vorlesung vom damaligen Herzog von Orléans (spätern König Ludwig Philipp) zum Erzieher von dessen Kindern ernannt. 1830 wurde er Bibliothekar des Königs, 1842 Professor für fremde Litteratur in Lyon, 1855 Generalinspektor an der Universität zu Paris. Seit 1847 auch Mitglied des Instituts, starb er 10. Mai 1875. Die hauptsächlichsten seiner Schriften sind: "Études grecques sur Virgile" (1825, 3 Bde.); "Parallèle des langues de l'Europe et de l'Inde" (1836); "Histoire de la langue et de la littérature des Slaves" (1839); "Tableau de la littérature du Nord au moyen-âge en Allemagne, en Angleterre et en Scandinavie" (1850); "Études sur Ninive, Persépolis et la mythologie de l'Edda" (1855); "Poésie héroïque des Indiens comparée à l'épopée grecque et romaine" (1860); "Concordance des quatre Évangiles" (1861) und "Grammaire générale indo-européenne" (1867). Mit Suckau zusammen gab er das "Dictionnaire étymologique des racines allemande" (1840, neue Ausg. 1855) heraus.

Eichhorn, 1) Johann Gottfried, Orientalist und Historiker, geb. 16. Okt. 1752 zu Dörrenzimmern im Fürstentum Hohenlohe-Öhringen, studierte in Göttingen, ward Rektor zu Ohrdruf, 1775 Professor der orientalischen Sprachen zu Jena und 1788 zu Göttingen, wo er namentlich auch über die politische Geschichte alter und neuer Zeiten und über Litteraturgeschichte las. Er ward daselbst 1813 Mitdirektor der königlichen Societät der Wissenschaften, 1819 Geheimer Justizrat und starb 25. Juni 1827. Von seinen Werken sind zu nennen: "Urgeschichte" (hrsg. von J. Ph. ^[Johann Philipp] Gabler, Nürnb. 1790-93, 2 Bde.); "Die hebräischen Propheten" (Götting. 1816-20, 3 Bde.); "Allgemeine Geschichte der Kultur und Litteratur des neuern Europa" (das. 1796-99, 2 Bde.; unvollendet); "Übersicht der französischen Revolution" (das. 1797, 2 Bde.); "Litterärgeschichte" (das. 1799; Bd. 1, 2. Aufl. 1813; Bd. 2, 1814); "Geschichte der Litteratur von ihrem Anfang bis auf die neuesten Zeiten" (das. 1805-13, 6 Bde.; Bd. 1, 2. Aufl. 1821, unvollendet); "Weltgeschichte" (das. 1799-1814, 5 Bde.; 3. Aufl. 1818-20); "Geschichte der drei letzten Jahrhunderte" (das. 1803-1806, 6 Bde.; 3. Aufl. 1817-18); "Geschichte des 19. Jahrhunderts" (das. 1817) u. a. In seinen Bearbeitungen der "Historisch-kritischen Einleitung in das Alte Testament" (Leipz. 1780-83, 3 Bde.; 4. Aufl., Götting. 1824, 5 Bde.) und der "Einleitung in das Neue Testament" (das. 1804-14, 3 Bde.; neue Aufl. 1820-27, 5 Bde.) lieferte er das erste Beispiel einer rein litterarhistorischen, auf Kenntnis des Altertums und Morgenlandes gegründeten Behandlung der biblischen Urkunden im Zusammenhang. Gleichwohl haben seine berühmtesten Entdeckungen, wie die kühne Urevangeliumshypothese, jetzt meist nur noch historischen Wert. Er gab auch das "Repertorium für biblische und morgenländische Litteratur" (Götting. 1777-86, 18 Bde.) und die "Allgemeine Bibliothek der biblischen Litteratur" (Leipz. 1787-1801, 10 Bde.) heraus.

2) Johann Albrecht Friedrich, preuß. Staatsmann und Rechtsgelehrter, geb. 2. März 1779 zu Wertheim a. M. als Sohn eines gräflich Löwensteinschen Kammerrats, studierte 1796-99 die Rechte und Geschichte in Göttingen, ward 1800 Auskultator bei der kleveschen Regierung, 1801 Auditeur und Regimentsquartiermeister in Hildesheim, 1806 Assessor beim Kammergericht zu Berlin, 1810 Kammergerichtsrat und zugleich Syndikus bei der neuerrichteten Universität zu Berlin. Er gehörte zu dem Kreis patriotischer Männer, welche an Preußens Wiedergeburt arbeiteten und seine Erhebung vorbereiteten. 1813 war er Mitglied des Ausschusses für Landwehr und Landsturm zu Berlin und folgte im August d. J. als Freiwilliger dem Blücherschen Hauptquartier bis zur Einnahme von Leipzig. Hier wurde er vom Minister vom Stein zum Mitglied der Zentralverwaltung der gegen Frankreich verbündeten Mächte über die eroberten deutschen Lande ernannt. Die Wirksamkeit dieser Verwaltung beschrieb er in der anonym erschienenen Schrift "Die Zentralverwaltung der Verbündeten unter dem Freiherrn vom Stein" (Deutschland 1814). 1815 beauftragt, den Staatsminister Altenstein in der Verwaltung der besetzten französischen Provinzen zu unterstützen, machte er sich sehr verdient um die Wiedererlangung der geraubten deutschen Schätze der Wissenschaft und Kunst sowie um die Liquidation der zahllosen Privatreklamationen aus Preußen und andern deutschen