Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eisenglanz

475

Eisenglanz.

vor; auf dem letztern bedeutenden Werk waren davon bereits fünf mit ihren Abstichöffnungen auf Eine Dammgrube gerichtet. Es beruht der hohe Ruhm, den die englischen Fabriken jeder Art seit längster Zeit genießen, großenteils auf dem vortrefflichen Zustand ihrer Eisengießereien und der ausgebreiteten Anwendung des Gußeisens zu Bauten und Maschinen. Der Kunstguß aber und insbesondere der Bild- und Reliefguß in Eisen ist bis heute mit wenigen Ausnahmen nur in Deutschland einheimisch, obwohl man bereits in der Mitte des 18. Jahrh. sich des Eisens in Frankreich zur Herstellung ganz feiner Kunstgüsse bediente. Schon damals hat man Medaillen zu Deckeln von Tabaksdosen und andre künstliche Gegenstände von Eisen mit vieler Schärfe gegossen. Die Anwendung dieser Kunst muß aber, namentlich wegen der geringern Haltbarkeit des Eisens der Bronze gegenüber, eine beschränkte gewesen und geblieben sein. Erst in der neuern Zeit hat man den Eisenguß in Frankreich wieder aufgenommen und nach allen Seiten hin zu hoher Vollkommenheit gebracht. In Deutschland kultivierte zuerst der sächsische Staatsminister Graf von Einsiedel in seinem Eisenhüttenwerk zu Lauchhammer den Guß eiserner Statuen, und schon 1782 wurden daselbst Statuen in Eisen gegossen und zur Verzierung von Öfen verwendet. Zum Formen wurde bei diesen Gegenständen noch die Lehmformmethode unter Benutzung von Wachs zur Eisenstärke (Dicke) angewandt. Was Blumhoff ("Versuch einer Encyklopädie der Eisenhüttenkunde", 1816), Hassenfratz (in seiner "Sidérotechnie", 1812), Tiemann (in seiner Abhandlung über Formerei, 1803) über die Kunst-, Bild- und Statuengießerei sagen, betrifft alles die oben angegebene ältere Methode. Sprengel ("Handwerke und Künste", Berl. 1790) gibt eine Beschreibung der Methode, nach welcher die Form zu der von Jacobi gegossenen Statue des Großen Kurfürsten auf der Langen Brücke in Berlin angefertigt ist. Diese Beschreibung stimmt im wesentlichen mit der Methode überein, deren Erfindung 1798 und deren erste Anwendung 1800 dem französischen Gießer Rousseau zugeschrieben wird, und welche, ohne daß man mit dieser und der Sprengelschen Beschreibung bekannt war, 1815 bei der königlichen E. in Berlin versucht und nach und nach vervollkommt worden ist, obwohl schon früher auf dem Eisenhüttenwerk zu Vietz in der Neumark nach einem Modell von Riese ein sitzender Löwe über Wachs geformt und von Eisen gegossen worden war. In der Berliner Gießerei versuchte zuerst Stilarsky 1813, eine in Wachs modellierte Statue von 30 cm Höhe im fetten Sand mit Kernstücken zu formen. Da man das Modell zu erhalten wünschte, so machte Stilarsky 1816 den Versuch, sich zur Formmasse des feinen Fürstenwalder Sandes, den er der größern Bindekraft wegen mit Lehmwasser tränkte, zu bedienen, und der Versuch gelang vollständig. Somit ist Stilarsky der Schöpfer der jetzt zu solcher Vollkommenheit ausgebildeten Sandformerei. Nach dem Gelingen dieser Statuette wurden nun weitere Versuche mit dem Guß von Kruzifixen gemacht, und unterstützt durch Rauch, der die Erlaubnis zum Abguß seiner Meisterwerke in Eisen erteilte, nahm die Formerei in Sand ihren Fortgang. So wurde die Büste des Königs über ein behufs bequemern Formens geteiltes Zinnmodell in eisernem Formkasten in Sand geformt. Der Büstenguß, der in dieser Weise sich mehr und mehr ausbildete, wurde die Schule der Kunstgießerei in Eisen, zunächst für die Berliner E., und man lernte selbst die feinsten Kunstgegenstände in Eisen darstellen. Begünstigt wurde der Kunsteisenguß durch die Befreiungskriege, in welchen die goldenen und silbernen Schmuckgegenstände auf den Altar des Vaterlandes niedergelegt worden waren und nun durch in Eisen gegossene ersetzt werden sollten. Die in Berlin auf der königlichen E. gegossenen Gegenstände machten allgemeines Aufsehen, selbst im Ausland, und noch heute, wo die königliche E. nicht mehr existiert, wird der feine Kunstguß in Eisen mit fonte de Berlin bezeichnet. Von Berlin aus verbreitete sich die Kunstgießerei in Eisen zunächst nach dem oberschlesischen Eisenhüttenwerk Gleiwitz und dem rheinischen Eisenhüttenwerk der Sayner Hütte und wurde dann von dem Einsiedelschen Eisenhüttenwerk zu Lauchhammer, das durch den Statuenguß bereits dazu geschult war, und einzelnen Eisenhüttenwerken am Harz aufgenommen. Das Ausland befaßte sich damit erst später, als die auf den Ausstellungen in London und Paris ausgestellten feinen Erzeugnisse der deutschen Eisengießereien (namentlich der Ilsenburger Gießerei am Harz) dazu aufgefordert hatten. Besonders leistete Durenne in Paris seit 1867 im Statuenguß Vorzügliches. Der Guß feinerer flacher Gegenstände, besonders die Imitation getriebener Arbeiten der Antike und der Renaissancezeit in Eisen, blieb eine Spezialität einzelner deutscher Gießereien, namentlich der Ilsenburger; nur im gröbern Ornament- und Statuenguß wird in England und Frankreich Vorzügliches geleistet. In Rußland hat die Gießerei von Schebanow in Moskau auf der Wiener Weltausstellung 1873 vorzügliche Proben nach Ilsenburger Mustern ausgestellt. Selbst aus Japan ist von dem Bestreben, Kunstguß in Eisen zu erzeugen, zu melden, indem auf derselben Weltausstellung durch ihre eingelegten Silberornamente bemerkenswerte Gußarbeiten von Eisen aus Tschikuma und Kiodo zu sehen waren. Vgl. Dürre, Handbuch des gesamten Eisengießereibetriebs (2. Aufl., Leipz. 1875, 2 Bde.); Schott, Die Kunstgießerei in Eisen (Braunschw. 1873); Liger, La ferronnerie ancienne et moderne (Par. 1873-75, 2 Bde.); Ledebur, Handbuch der E. (Weim. 1883).

Eisenglanz (Glanzeisenerz), Mineral aus der Ordnung der Anhydride, findet sich in rhomboedrischen, pyramidalen, tafelartigen, selten säulenförmigen Kristallen, eingewachsen, häufiger aber aufgewachsen, in Drusen und Gruppen, auch derb in körnigen, schaligen und schuppigen Aggregaten. Es ist eisenschwarz bis dunkel stahlgrau, oft bunt angelaufen, metallglänzend, undurchsichtig, schwach magnetisch, Härte 5,5-6,5, spez. Gew. 5,19-5,28; es gibt einen roten Strich und besteht aus Eisenoxyd, zuweilen mit Titansäure, Eisenoxydul, Magnesia, Chromoxyd, Kieselsäure. Es findet sich im Trachyt, Porphyrit, Felsitporphyr, im Glimmerschiefer, Itakolumit und Melaphyr, in schönen Kristallen auf Elba und am St. Gotthard (Eisenrosen). Das größte Lager von E. besitzt Elba, wo das Mineral als wichtiges Eisenerz gewonnen wird, auch in Böhmen finden sich bauwürdige Lager; außerdem kommt E. weitverbreitet auf Lagerstätten des Spateisensteins und häufig auch des Magneteisensteins vor. In dünnschaligen, feinschuppigen, zerreiblichen Blättchen bildet er den Eisenglimmer, der als Stellvertreter des Glimmers in kristallinischen Gesteinen auftritt und so den Itabirit, den Eisenglimmerschiefer Brasiliens und der Bukowina, bildet. Bei noch feinerer Verteilung in halbmetallisch glänzenden, kirschroten, stark abfärbenden fettig anzufühlenden Blättchen bildet der E. den Eisenrahm, wie er sich in den Kugeln des Kugel-^[folgende Seite]