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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Eisenmennige - Eisenoxyduloxyd.

Eisenmennige, dunkel rotbraune oder violettrote Anstrichfarbe, wird durch Brennen, Pulvern und Schlämmen eines thonigen Eisenoxyds oder aus abgeröstetem Eisenkies gewonnen, enthält 60-90 Proz. Eisenoxyd und dient als billiges Surrogat der Mennige zu Anstrichen, welche Eisen vor Rost schützen sollen. Die E. wird in England, Belgien und Deutschland dargestellt und kann auch zu Kitt benutzt werden.

Eisenmohr, s. Eisenoxyduloxyd.

Eisenmulm, s. Magneteisenerz.

Eisennickelkies, Mineral aus der Klasse der Kiese, kristallisiert tesseral, findet sich derb in körnigen Aggregaten, ist hell tombakbraun, von der Härte 3,5-4, spez. Gew. 4,6, besteht aus Schwefeleisen mit Schwefelnickel 2FeS+NiS und enthält 22 Proz. Nickel; Fundort: Lillehammer in Norwegen.

Eisenniere, s. Brauneisenerze.

Eisenocker, brauner, s. v. w. erdiger Brauneisenstein; gelber E., s. v. w. Gelbeisenstein; roter E., s. v. w. unreiner Roteisenstein.

Eisenoolith (Eisenrogenstein, Linsenerz, oolithisches Eisenerz), Gestein, welches aus hirsekorngroßen oder pulverartigen, linsenförmigen, grünlichblauen oder dunkel rotbraunen magnetischen Körnern von Roteisenerz in einer oft sandig-kalkigen, thonmergelartigen oder thonigen Grundmasse besteht. Es findet sich in bedeutenden Lagern besonders der Juraformation Englands, Frankreichs, Württembergs und Rußlands.

Eisenopal, s. Opal.

Eisenoxyd (Eisensesquioxyd) Fe2O3 ^[Fe_{2}O_{3}] findet sich in der Natur als Eisenglanz, Roteisenstein und als Bestandteil vieler Mineralien und Gebirgsarten, welche durch Eisenoxydgehalt gewöhnlich gelb, rot oder braun gefärbt werden. Man erhält es durch Glühen von Eisenhydroxyd oder salpetersaurem E., mit Schwefelsäure verunreinigt auch aus Eisenvitriol, in dieser letztern Form als Nebenprodukt bei der Darstellung der rauchenden Schwefelsäure, wo es als Totenkopf (Caput mortuum, Colcothar vitrioli) in den Retorten zurückbleibt. Je nach der Darstellungsweise ist das E. kristallinisch oder amorph, rot, braun, violett bis fast schwarz. E. ist unlöslich im Wasser und wird nach starkem Glühen auch von Säuren nur schwer angegriffen. Am besten löst es sich in Salzsäure zu Eisenchlorid. Im Porzellanofen verwandelt sich das E. in eine schwarze Masse von Oxyduloxyd; bei 3000° verflüchtigt es sich in geringer Menge. Durch Wasserstoff, Kohle und Kohlenoxyd wird es leicht reduziert, und hierauf beruht die Gewinnung von Eisen aus seinen Erzen. Beim Glühen mit brennbaren Körpern überträgt es an diese Sauerstoff und nimmt aus der Luft von neuem Sauerstoff auf, so daß es die Verbrennung sehr beschleunigt. Man benutzt E. zum Schleifen und Polieren von Glas und Metall, als Porzellanfarbe, zum Färben von Glas und als Anstrichfarbe (Englischrot, Eisenrot, Berliner Rot). Früher war es als Eisensafran (Crocus Martis adstringens) offizinell.

Eisenoxydhydrat, s. Eisenhydroxyd.

Eisenoxydsaccharat (Eisenzucker, Ferrum oxydatum saccharatum solubile), Verbindung von Eisenhydroxyd mit Zucker. Zur Darstellung derselben mischt man 20 Teile Liquor ferri sesquichlorati (Eisenchloridlösung) mit 20 Teilen Syrupus simplex (weißer Sirup) und 40 Teilen Liquor natri caustici (Ätznatronlösung), erhitzt nach 24 Stunden mit 300 Teilen Wasser, wäscht das abgeschiedene Eisenhydroxyd, trocknet es mit 90 Teilen Zucker im Wasserbad und setzt so viel Zucker hinzu, daß das trockne Pulver 100 Teile wiegt. Das bräunliche Pulver gibt mit 5 Teilen Wasser eine süß, wenig nach Eisen schmeckende Lösung, die schwach alkalisch reagiert, Verdünnung und Siedetemperatur erträgt und mit sehr wenig Kochsalz einen in Zuckerwasser löslichen Niederschlag gibt. Dies Präparat ist ein sehr beliebtes Eisenmittel. Wird der oben erwähnte, mit Zucker versetzte Niederschlag im Wasserbad 2 Stunden digeriert und dann mit weißem Sirup versetzt, so daß die Mischung 300 Teile wiegt, so erhält man den offizinellen Syrupus ferri oxydati solubilis (Eisensirup).

Eisenoxydsalze (Ferrisalze) finden sich zum Teil in der Natur in zahlreichen Mineralien, sie entstehen sehr allgemein beim Lösen von Eisenoxyd in den Säuren, die unlöslichen aber durch Wechselzersetzung; die normalen, wasserfreien E. sind meist farblos, die basischen gelb oder rot. Die Lösungen sind meist gelb oder gelbrot; nur die Lösungen des salpetersauren Eisenoxyds und des Eisenfluorids sind farblos, die des essigsauren, mekonsauren Eisenoxyds und des Eisenrhodanids blutrot. Die löslichen E. reagieren sauer und schmecken adstringierend, tintenartig, ihre Lösungen zerfallen beim Erhitzen häufig in unlösliche basische und lösliche saure Salze oder in Hydroxyd und freie Säure; beim Glühen geben die E. Eisenoxyd und Säure, wenn letztere flüchtig ist; durch Zink, Eisen, schweflige Säure werden sie zu Oxydulsalzen reduziert. Ammoniak fällt aus den Lösungen Eisenhydroxyd, nicht flüchtige organische Säuren und Zucker verhindern die Fällung vollständig. Schwefelwasserstoff reduziert unter Abscheidung von Schwefel die E. zu Eisenoxydulsalzen; Schwefelammonium wirkt, in geringer Menge zugesetzt, ebenso; bei Anwendung größerer Mengen wird schwarzes Schwefeleisen gefällt. Gelbes Blutlaugensalz erzeugt einen blauen Niederschlag (Berliner Blau), rotes Blutlaugensalz färbt die E. braun. Rhodankalium färbt saure Lösungen der E. blutrot, Gerbsäure erzeugt in neutralen Lösungen einen schwarzen Niederschlag. Mehrere E. finden in der Technik und als Arzneimittel Verwendung.

Eisenoxydul FeO findet sich im freien Zustand nicht in der Natur, wohl aber in einigen Verbindungen, wie Magneteisenerz, Spateisenstein, und gelöst in Quellen, die einen größern Eisengehalt durch tintenartigen Geschmack verraten. Es entsteht als schwarzes, an der Luft sich entzündendes Pulver, wenn man oxalsaures E. bei Abschluß der Luft erhitzt. Ganz rein erhält man es durch Behandeln von Eisenoxyd mit Wasserstoff bei mäßig hoher Temperatur. Aus Lösungen von Eisenoxydulsalzen fällt Kalihydrat bei sorgfältigem Ausschluß der Luft weißes Eisenhydroxydul (Eisenoxydulhydrat) FeO,H2O ^[FeO,H_{2}O], welches aber sehr bald grün, dann schwarz und endlich braun wird, indem es sich schließlich in Eisenhydroxyd verwandelt. Es oxydiert sich sogar unter ausgekochtem Wasser, wobei letzteres zersetzt wird. Bei sorgfältiger Bereitung bildet es nach dem Trocknen ein grünliches Pulver, welches sich an der Luft sogleich unter starker Erhitzung, ja selbst unter Erglühen, oxydiert und rot wird. Auch Kohlensäure wird unter starker Erhitzung absorbiert. Es ist unlöslich in Wasser, löst sich aber leicht in Säuren und bildet mit denselben die Eisenoxydulsalze.

Eisenoxyduloxyd Fe3O4 ^[Fe_{3}O_{4}] oder FeO,Fe2O3 ^[FeO,Fe_{2}O_{3}] findet sich in der Natur als Magneteisenstein und entsteht beim Erhitzen von Eisenoxydul in Chlorwasserstoffgas und beim Schmelzen von schwefelsaurem Eisenoxydul mit Chlorcalcium oder kohlensaurem Natron. In diesen Fällen entstehen stets Verbindungen aus