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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Elektrische Organe - Elektrisches Licht.

Quecksilbersäule von 1 qmm Querschnitt bei 0° dargestellt werden. Die damals vorhandenen Messungen ergaben jedoch noch nicht den notwendigen Grad der Übereinstimmung, um auf Grund derselben zur Herstellung eines Normalmaßes schreiten zu können; die Konferenz, welche eine Genauigkeit bis auf 1 mm als erforderlich erachtete, empfahl deshalb die Fortsetzung der Untersuchungen und behielt die Bestimmung des Ohm einer internationalen Kommission vor. Infolge dieses Beschlusses lagen nun zwar bei der zweiten Elektrikerkonferenz 1884 eine Reihe weiterer sorgfältiger Beobachtungen vor, doch war auch damals die beanspruchte Genauigkeit noch nicht erreicht worden. Die Konferenz hielt aber diesmal den erreichten Grad der Übereinstimmung als ausreichend für die Bedürfnisse der Praxis und definierte auf Grund der vorliegenden Messungen das "legale Ohm" als den Widerstand einer 1,06 m langen Quecksilbersäule von 1 qmm Querschnitt bei 0°. Das legale Volt wurde als die elektromotorische Kraft angenommen, welche in einem Stromkreis vom Widerstand eines Ohm die Einheit der Stromstärke, also ein Ampère, erzeugt. Was die Definition dieser letztern Einheit betrifft, so ist dieselbe auf die oben gegebene wissenschaftliche Erläuterung beschränkt worden, weil die direkte Bestimmung ihres theoretischen Wertes leichter erscheint als ihre Herleitung aus den Begriffen für Ohm und Volt. Über Apparate, welche eine leicht ausführbare Messung der elektrischen Größen nach praktischen Maßeinheiten gestatten, s. Galvanometer und Elektrodynamometer. Vgl. Ludewig, Elektrische Meßkunde (Dresd. 1878); Everett, Units and physical constants (Lond. 1879); Herwig, Physikalische Begriffe und absolute Maße (Leipz. 1880); Blavier, Des grandeurs électriques (Par. 1881); Kempe, Handbook of electrical testing (3. Aufl., Lond. 1884; deutsch von Baumann als "Handbuch der Elektrizitätsmessungen", Braunschw. 1883); v. Waltenhofen, Die internationalen absoluten Maße, insbesondere die elektrischen Maße (das. 1885); Serpieri, Absolute Maße (Wien 1885).

Elektrische Organe, s. Zitterfische.

Elektrische Pistole, s. Elektrisiermaschine.

Elektrische Polarisation, s. Polarisation, galvanische.

Elektrischer Aufzug, s. Aufzug.

Elektrischer Funke, s. Elektrizität, S. 532.

Elektrischer Geruch. In der Nähe einer Reibungselektrisiermaschine nimmt man, solange die Maschine gedreht wird, einen eigentümlichen Geruch wahr, welcher etwas an den Phosphorgeruch der Zündhölzchen erinnert. Derselbe breitet sich in dem ganzen geschlossenen Raum aus und verschwindet bald wieder, wenn die Maschine in Ruhe kommt. Derselbe Geruch entwickelt sich am positiven Pol, wenn verdünnte Schwefelsäure durch einen galvanischen Strom zwischen Platinpolen zersetzt wird. Schönbein wies nach, daß dieser Geruch von einer eigentümlichen Modifikation des Sauerstoffs, dem Ozon, erzeugt wird. Ozon bildet sich unter anderm auch beim Einschlagen des Blitzes, und schon Homer spricht von dem "Schwefelgeruch" in dem vom Blitz getroffenen Schiff des Odysseus; s. Ozon, Sauerstoff.

Elektrischer Strom, s. Galvanismus, Galvanische Batterie.

Elektrischer Wind, s. Elektrizität, S. 531.

Elektrische Säule, s. Galvanische Batterie.

Elektrisches Boot, ein Boot, welches durch Elektrizität fortbewegt wird. Die Electrical Power Storage Company in London hat ein 8 m langes Boot gebaut, auf welchem 45 Akkumulatoren (System Sellon u. Volckmar) zwei Siemenssche dynamoelektrische Maschinen betreiben, die eine gewöhnliche Schiffsschraube in Umdrehung versetzen. Bei der Probefahrt bewegte sich das Boot gegen die Flußströmung mit einer Geschwindigkeit von 8 Knoten in der Stunde. Ein größeres Boot, von Yarrow u. Komp. in London erbaut, faßt 40 Personen und wurde bei der Wiener elektrischen Ausstellung durch 76 Akkumulatoren auf dem Donaukanal betrieben.

Elektrisches Ei, s. Elektrizität, S. 532.

Elektrisches Feld, der Raum, auf welchen sich die Wirkung eines elektrischen Körpers erstreckt.

Elektrisches Flugrad, s. Elektrizität, S. 531.

Elektrisches Glockenspiel, s. Elektrisiermaschine.

Elektrisches Glühlicht, s. Elektrisches Licht.

Elektrisches Licht, jede durch den elektrischen Strom hervorgebrachte Lichterscheinung. Der elektrische Strom erzeugt in den von ihm durchflossenen Leitern Wärme und zwar bei ungleichem Widerstand in den einzelnen Teilen des Leiters die größere Wärmemenge dort, wo er den größern Widerstand zu überwinden findet. Schaltet man in den Stromkreis eines kräftigen Elements, z. B. eines Bunsenschen, einen kurzen, möglichst dünnen Eisendraht ein, so wird derselbe heiß, und wenn er genügend fein ist, gerät er ins Glühen und schmilzt ab. Das Licht, welches der glühende Draht hierbei ausstrahlt, heißt mit Rücksicht auf die Art seiner Erzeugung elektrisches Glühlicht. Statt des Metalldrahts läßt sich jeder beliebige Körper von passender Leitungsfähigkeit mit gleicher Wirkung einschalten, z. B. Kohle in Form eines dünnen Stabes oder Bandes. Auch diese wird von einem starken Strom ins Glühen versetzt und verbrennt an offener Luft. Schließt man dagegen die Kohle in einen luftleeren Glasballon ein, so verbrennt sie wegen Mangels an Sauerstoff nicht und kann längere Zeit im Glühen erhalten werden. Hierauf gründet sich das System der elektrischen Glühlampen.

Eine andre durch den elektrischen Strom bewirkte Lichterscheinung ist der sogen. Davysche Lichtbogen, welchen Davy 1813 zuerst beobachtete. Davy leitete den Strom einer Voltaschen Säule von 2000 Plattenpaaren durch zwei einander berührende Kohlenstifte und entfernte dann die Kohlen allmählich voneinander, wobei er eine glänzende Lichterscheinung in Gestalt eines ununterbrochenen Funkenstroms zwischen den beiden Kohlen erhielt. Die genauere Untersuchung des Davyschen Lichtbogens hat ergeben, daß der Funkenstrom die Richtung vom positiven zum negativen Pol verfolgt, indem glühende Kohlenteilchen von der positiven Kohlenspitze zur negativen übergeführt werden. Die positive Kohle stumpft sich infolgedessen ab und nimmt eine kraterförmige Aushöhlung an, während die negative ihre zugespitzte Form behält. Zugleich verbrennen beide Kohlenpole durch den Sauerstoff der Luft. Der positive wird dabei rascher aufgezehrt als der negative und zwar erfahrungsgemäß bei mittlerer Stromstärke etwa doppelt so schnell als dieser.

Der Flammenbogen, welcher die Leitung des Stroms zwischen den beiden Polen vermittelt, setzt derselben einen Widerstand entgegen, der um so beträchtlicher wird, je mehr sich der Abstand der Kohlenspitzen infolge ihrer Aufzehrung vergrößert; im gleichen Maß vermindert sich die Stärke des Stroms, bis derselbe nicht mehr imstande ist, den Flammenbogen zu bilden, und mithin das Licht erlischt. Will man daher das elektrische Bogenlicht zur Beleuch-^[folgende Seite]