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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Epilieren; Epilobium

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Epilieren - Epilobium.

mäßiger Cyklus der Aufeinanderfolge der Anfälle kommt niemals vor. Die Anfälle treten bei manchen Individuen während des Tags, bei andern während der Nacht ein. Die nächtliche E. gilt für besonders bösartig und hartnäckig. Die E. ist nur in einer Minderzahl von Fällen auf die Anfälle (status epilepticus) beschränkt, es treten vielmehr in etwa 62 Proz. aller Fälle Störungen in dem gesamten Geistesleben ein, welche man als epileptisches Irresein zusammenfaßt. Hierin gehören zunächst Geistesstörungen, welche den eigentlichen Anfällen kurz vorausgehen oder ihnen unmittelbar folgen. Sie sind oft durch Angst, durch Verfolgungsideen, Delirien ausgezeichnet; die Kranken werden nicht selten zu Mord, Selbstmord, Diebstahl oder Brandstiftungen getrieben, und da alle diese Handlungen bei Mangel des Bewußtseins ausgeführt werden, so bieten sich bei gerichtlichen Verhandlungen oft außerordentliche Schwierigkeiten dar, ob man es mit einem Verbrecher oder einem Irren zu thun hat. Später aber entwickeln sich dauernde Geisteskrankheiten, die in Form von Dämmerzuständen mit Angst (petit mal nach Falret) oder tieferer Bewußtseinsstörung mit entsetzlichen Visionen, Verfolgungswahn und Tobsucht (grand mal nach Falret) auftreten. Nicht selten sind die Delirien religiösen Inhalts, die Kranken halten sich für Gott oder Christus; dann folgt meist eine tiefe geistige Ermattung, welche in eine Periode geistiger Klarheit übergeht. In diesem Stadium der E. müssen die Kranken notwendigerweise in Irrenanstalten oder gleichwertigen, unter ärztlicher Leitung stehenden Spitälern untergebracht werden; jedoch ist es ungemein schwer zu beurteilen, wie lange man die Kranken darin einschließen soll, da mitunter freie Pausen von jahrelanger Dauer eintreten, auf welche dann plötzlich ein Anfall mit impulsiven Trieben zu Mord oder Brandstiftung folgen kann. Wenn man solche Kranke nicht zu dauernder Einzelhaft verurteilen will, wird man die Gesellschaft vor einzelnen Unglücksfällen, wie sie hin und wieder geschehen, nicht wohl bewahren können. Aber abgesehen von der großen Zahl der Epileptiker, welche im Irrenhaus untergebracht werden müssen, wird bei fast allen Kranken nach und nach der ganze geistige und körperliche Habitus geändert. Schärfe des Urteils, Gedächtnis und Einbildungskraft nehmen ab; die rohern Triebe treten mehr hervor und treiben den Kranken nicht selten zu gewaltsamen und verbrecherischen Handlungen. Oft ziehen sie sich scheu vor den Menschen zurück, werden launenhaft, quälen ihre Umgebung und geraten bei unbedeutenden Veranlassungen in maßlosen Zorn. Auch das äußere Aussehen wird bei langem Bestand der E. in der Art geändert, daß die Gesichtszüge grob, der Blick unsicher und nichtssagend werden.

Vollständige Heilung scheint ein seltener Ausgang der E. zu sein. Je bestimmter eine angeborne Anlage oder eine Texturerkrankung des Gehirns als Ursache der E. anzusehen ist, je länger die Krankheit dauert, je heftiger und häufiger ihre Anfälle sind, je stärker der Eindruck ist, den sie hinterlassen, um so geringer gestaltet sich die Aussicht auf Genesung. Wenn aber auch Epileptische nur selten vollkommen von ihrer Krankheit befreit werden, so sterben doch nur sehr wenige während eines Anfalles. Die Kranken gehen schließlich durch die Fortschritte des Gehirnleidens, auf welchem die E. beruhte, oder durch Verletzungen, die sie sich im Anfall zugezogen, und vorzugsweise durch interkurrente Krankheiten zu Grunde, die mit der E. in keinem nähern Zusammenhang stehen.

Was die Behandlung der E. anbelangt, so gelingt es nur selten, der Krankheit dadurch entgegenzutreten, daß man die ihr zu Grunde liegenden Ursachen entfernt. Dies darf jedoch nicht abhalten, den ursachlichen Momenten und ihrer Beseitigung die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. So dürfen z. B. epileptische Kinder nicht durch den Schulunterricht übermäßig angestrengt werden, sondern sie müssen sich im Gegenteil viel im Freien aufhalten und spielend beschäftigt werden. Sorgfältig müssen geschlechtliche Exzesse, übermäßiger Alkoholgenuß u. dgl. vermieden werden. Ist Wurmreiz die wahrscheinliche Ursache der E., so muß eine Kur gegen die Eingeweidewürmer eingeleitet werden. Als spezifische Mittel werden empfohlen und mit wechselndem Erfolg vielfältig angewendet: das Atropin, baldriansaures und blausaures Zink, salpetersaures Silberoxyd, der Baldrian, Artemisia vulgaris. Bei weitem das wirksamste Mittel ist das Bromkalium, welches in Mengen von 3-10 g täglich hindurch lange Zeit gebraucht werden muß und alsdann oft erstaunliche Besserungen zur Folge hat. Es ist übrigens auch in manchen Geheimmitteln der wirksame Bestandteil, sollte aber nur auf genaue ärztliche Vorschrift genommen werden. Epileptische Kranke sollten niemals, auch bei Nacht nicht, ohne Aufsicht und allein gelassen werden, damit sie sich während des Anfalles keinen Schaden zuziehen. Um die E. zu verhüten, empfiehlt Romberg, in Familien, wo die E. erblich ist, die Verheiratung der Mitglieder untereinander nicht zu gestatten. Auch sollen epileptische Mütter ihre Kinder nicht selbst stillen, sondern dieselben einer gesunden und kräftigen Amme anvertrauen. Vgl. Herpin, Du pronostic et du traitement curatif de l'épilepsie (Par. 1852); Russel Reynolds, E., ihre Symptome und Behandlung (deutsch von Beigel, Erlang. 1865); Echeverria, On epilepsy, anatomo-pathological and clinical notes (New York 1870); Nothnagel, Über den epileptischen Anfall (Leipz. 1872); v. Krafft-Ebing, Lehrbuch der Psychiatrie (Stuttg. 1879); Weiß, Kompendium der Psychiatrie (Wien 1881).

E. ist auch bei allen Haustiergattungen, selbst beim Geflügel, beobachtet worden und kommt am häufigsten bei Hunden vor. Bei Pferden wird sie in einigen Teilen Deutschlands als Gewährsmangel mit verschieden langer Gewährszeit in den Gesetzen besonders aufgeführt. Diagnostisch ist von der E. der Pferde der Schwindel (s. d.) zu trennen. Bei letzterm werden die Tiere auch plötzlich bewußtlos, aber es fehlen die klonischen Krämpfe (Zuckungen), welche neben dem Mangel an Bewußtsein den epileptischen Anfall stets begleiten. Die E. gilt als unheilbar. Versuchsweise werden ergiebige Aderlässe und die Verabreichung von Abführmitteln angewandt. Auch Bromkalium ist bei Pferden versucht worden.

Epilieren (lat.), das Ausziehen der Haare.

Epilobium L. (Weidenröschen, Weiderich), Gattung aus der Familie der Onagraceen, Kräuter und Halbsträucher mit wechsel- oder gegenständigen, ganzrandigen oder gezahnten Blättern, meist roten, einzeln in den Achseln stehenden oder große Ähren oder Trauben bildenden Blüten, vierfächeriger, vielsamiger Kapsel und mit einem Haarschopf gekrönten Samen. Etwa 50 meist stark variierende, häufig Bastarde bildende Arten in gemäßigten und kältern Klimaten. E. angustifolium L. (Feuerkraut, St. Antoniuskraut), in Nordeuropa und Nordasien, 1-1,5 m hoch, mit purpurroten Blüten in langen Endtrauben, erscheint namentlich auf Waldblößen oft in sehr dichtem Stand und wird in forstlichen Kul-^[folgende Seite]