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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erdbohrer

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Erdbohrer.

verbindungen, unter denen sich ein Bund zum Abfangen der Stangen während des An- und Abschraubens befindet. An den Holzstangen (wegen des geraden Wuchses meist aus Fichten- oder Lärchenholz bestehend) sind beiderseits Eisenbeschläge angebracht, mittels welcher die Stangenverbindung in derselben Weise hergestellt wird wie bei den Eisengestängen. 1) Für drehendes Bohren bedarf man verhältnismäßig starker, speziell für das Diamantbohren röhrenförmiger Gestänge, um die schon erwähnte Wasserspülung zur Schlammentfernung zu ermöglichen. 2) Beim stoßenden Bohren unterscheidet man das Bohren mit steifem Gestänge (englisches Bohrverfahren), bei welchem der Bohrer einfach am untersten Gestängestück befestigt ist, vom Bohren mit Zwischenstücken (neueres Gestängebohren), bei welchem der Bohrer an einem besondern beweglichen Stück befestigt ist. Das steife Gestänge ist zweckmäßig nur bis 100 m Tiefe zu gebrauchen, weil bei größern Tiefen infolge des großen Gestängegewichts beim Auffallen des Bohrers heftige, mir häufigen Gestängebrüchen verbundene Stöße entstehen. Hölzerne Gestänge sind hierbei wegen ihrer ungenügenden Stabilität überhaupt nicht anwendbar.

Beim neuern Gestängebohren ist das Gestänge gegliedert in das Obergestänge (den ganzen bis beinahe zum Bohrer reichenden Teil des Gestänges), die Zwischenstücke und das Untergestänge (Bär, Bohrklotz, Schlaggewicht). Letzteres ist ein schweres Gestängestück, welches, unmittelbar über dem Bohrer angebracht, den Zweck hat, dem Bohrer, der jetzt in gewisser Begehung vom Gestänge unabhängig ist, die zu einem kräftigen Stoß erforderliche Belastung und zugleich mittels einer am obern Ende angebrachten sogen. Lehre die nötige Führung im Bohrloch zu geben. Die Zwischenstücke haben den Zweck, den Stoß, der beim Auffallen des Bohrers entsteht, zur Verhütung von Brüchen des Obergestänges möglichst auf Bohrer und Untergestänge zu beschränken. Eine wichtige Erfindung in dieser Hinsicht war die Rutsch- oder Wechselschere (von Oynhausen ^[richtig: Öynhausen], modifiziert von Kind), bei welcher sich das Untergestänge mittels einer Führung frei in das Obergestänge hineinschieben kann. Beim Anheben des Gestänges wird das Untergestänge, in der Schere hängend, mit hochgenommen. Beim Niedergehen des Gestänges stößt nur der Bohrer mit dem Untergestänge auf, das Obergestänge rutscht mittels der Schere noch ein Stück frei weiter, bis es ohne Stoß zum Stillstand kommt, um beim nächsten Aufgang das Untergestänge wieder mit anzuheben. Die Rutschschere wird jetzt meist nur beim Löffeln verwendet (Löffelschere), während beim Bohren die noch bei weitem vorteilhaftere von Kind erfundenen Freifallapparate (Freifallinstrumente) gebraucht werden. Diese bestehen im Prinzip aus einer Sperrvorrichtung, welche das Untergestänge beim Aufgang des Obergestänges mitnimmt, jedoch in dem Moment der Bewegungsumkehrung ausgelöst wird und das Untergestänge frei fallen läßt (wovon letzteres hier Abfall- oder Freifallstück heißt); das Obergestänge folgt langsamer nach, bis es in seiner tiefsten Stellung wieder das Abfallstück mittels der Sperrvorrichtung erfaßt hat. Das Fallenlassen oder Abwerfen des Freifallstückes geschieht nach zwei verschiedenen Methoden, entweder selbstthätig durch den Widerstand des im Bohrloch stehenden Wassers oder von der Hand eines Arbeiters (des sogen. Krückelführers) durch ruckweises Drehen des Obergestänges. Nach dem erstern Prinzip wirkt das Kindsche Freifallinstrument (Fig. 4). Beim Senken des Obergestänges gleiten die hakenförmigen Enden der Zange bb über das Köpfchen d des Abfallstückes a fort, um es im ersten Moment des Aufganges zu umfassen, indem der dabei durch den Widerstand des im Bohrloch stehenden Wassers abwärts gedrückte Kolben c mittels der Stange e die Zange zum Schluß bringt. Während des ganzen Aufganges bleibt die Zange geschlossen, nimmt also das Abfallstück mit aufwärts. Sobald aber das Gestänge seinen Niedergang beginnt, drückt das Wasser von unten gegen c und öffnet dadurch die Zange bb, so daß a frei fallen kann. Der neuere, zuverlässiger wirkende Zobelsche Apparat hat statt des Zangenapparats einen sogen. Flügelkeil mit Schieberstück. Der Fabiansche Freifallapparat kommt durch Drehung des Gestänges zur Wirkung, indem dabei ein am Abfallstück angebrachtes System von Vorsprüngen von seinem Sitz abgleitet. b) Statt der Gestänge verwendet man beim stoßenden Bohren auch Seile (Hanf- oder Drahtseile), eine den Chinesen schon seit den ältesten Zeiten bekannte Bohrmethode (chinesisches Seilbohren). Das Umsetzen des Bohrers erfolgt hier zwar selbstthätig infolge der jedesmal beim Anheben des Bohrers entstehenden Aufdrehung des Seils, jedoch sehr unzuverlässig, weshalb das Bohrloch sehr oft unrund wird und nachgebüchst werden muß. Das amerikanische Seilbohren unterscheidet sich vom chinesischen durch Anwendung eines sehr schweren Untergestänges mit Rutschschere und durch einen bedeutend größern Hub des Bohrers. Übrigens werden auch beim Seilbohren Freifallapparate verwendet, auf die hier nicht weiter eingegangen werden kann. Außer der unzuverlässigen Umsetzung sind beim Seilbohren an Nachteilen im Vergleich zum Gestängebohren noch der unsichere Hub und der geringe Bohreffekt zu nennen; dagegen sind als Vorteile besonders die Schnelligkeit, mit welcher der Meißel aufgeholt und eingehängt werden kann, und das geringe Gewicht des Seils anzusehen.

Kopfstücke mit Bewegungsvorrichtung. Beim drehenden Bohren bedient man sich eines Kopfstückes mit Querstange, an welcher die Arbeiter angreifen. Speziell beim Diamantbohren besteht das Kopfstück aus einer das oberste Gestängestück umfassenden Röhre, welche durch konische Räder in Umdrehung versetzt wird. Beim stoßenden Bohren geschieht die Bewegung durch die sogen. Schlagvorrichtung, einem starken hölzernen, zweiarmigen Hebel (Bohrschwengel), dessen eines Ende von Arbeitern oder einer Dampfmaschine bewegt wird, während am andern Ende das Bohrgestänge mittels des Kopfstückes hängt. Fig. 5 zeigt das Ende eines Bohrschwengels mit dem Kopfstück, das letztere besteht aus der Stellschraube a, deren Mutter den obern Teil der Schere b bildet, und welche dazu dient, das Gestänge allmählich etwas zu senken, und aus dem Wirbel c unter welchem der Krückel d (zum Umsetzen des Bohrers) und die zum Aufschrauben auf das Obergestänge

^[Abb.: Fig. 4. Kindsches Freifallinstrument.]