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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erkel; Erkelenz; Erkenne dich selbst; Erkennen; Erkenntnis

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Erkel - Erkenntnis.

Krankheit mit einer Verkühlung: einmal empfindet der sich Erkältende die kühlere Temperatur unangenehm, bekommt bald allgemeines Frösteln, und zweitens schließt sich daran sehr bald ein allgemeines Krankheitsgefühl und der Eintritt bestimmter Krankheitssymptome. Die Krankheiten, welche entschieden durch E. entstehen, sind besonders die sogen. rheumatischen Affektionen, also mit herumziehenden Schmerzen verbundene Leiden der Muskeln und Gelenke, dann Katarrhe der Schleimhäute der Nase, des Kehlkopfes, der feinern Luftwege, aber auch des Darms, zumal des Dickdarms. Auch als Gelegenheitsursache zum Ausbruch gewisser Infektionskrankheiten, z. B. der Cholera, des Wechselfiebers etc., scheint die E. eine Rolle zu spielen. Merkwürdig ist die Thatsache, daß zwischen dem erkälteten Hautteil und diesem nahegelegenen Organen eine ganz bestimmte Beziehung besteht. E. des Halses führt bekanntlich leicht zu Kehlkopfkatarrh, den Schnupfen bekommt man leicht, wenn man aus heißen Zimmern in die Kälte kommt, doch auch umgekehrt; Menstruationsstörungen entstehen durch E. der Füße oder des Unterleibes, Durchfälle durch E. des Bauches etc. Ebenso bekannt aber ist die Thatsache, daß jedermann, welcher einen "schwachen Teil", z. B. eine nicht ausgeheilte Wunde, eine sehr zu Katarrhen neigende Luftröhre, eine Verhärtung seiner Lungenspitze etc., besitzt, an diesem erkrankt, welchen Körperteil die E. auch betroffen haben möge.

Zur Erklärung aller dieser zum Teil schwer zu vereinigenden Thatsachen hat man verschiedene Theorien der E. aufgestellt. Zuerst stellte man sich vor, daß durch E. die Hautsekretion unterdrückt, daß dadurch ein dem Organismus schädlicher Stoff im Blut zurückgehalten werde, dessen Ablagerung in irgend einem Organ die Krankheit des letztern verursache. Diese Annahme beruht auf lauter unerwiesenen oder falschen Vermutungen. Denn es ist gar nicht erwiesen, daß durch eine E. die Hautperspiration geändert wird; auch hat niemand den schädlichen Stoff im Blut oder im Krankheitsherd jemals nachgewiesen, und endlich sind die Erscheinungen der unterdrückten Hautausdünstung ganz verschieden von denjenigen bei der E. Eine andre Theorie nimmt die Nerven zu Hilfe, indem sie behauptet, daß bei der E. eine Alteration der sensibeln Hautnerven stattfinde, welche reflektorisch auf die Gefäßnerven, sei es der erkälteten, sei es einer andern Provinz, übertragen werde und somit Zirkulationsstörungen an den letztern Orten hervorrufe. Diese Ansicht kann nicht ganz von der Hand gewiesen werden, ist aber bisher in keiner Weise positiv begründet worden. Die praktische Medizin hat sich schon längst mit der Aufgabe beschäftigt, einesteils den Körper vor zu großer Empfänglichkeit für Erkältungen zu bewahren, andernteils, wenn dieselben eingetreten sind, deren nachteilige Folgen wenigstens zu vermindern. Das erste Erfordernis ist eine von früher Jugend an geübte Abhärtung durch kalte Waschungen und Bäder sowie durch eine zwar zweckmäßige, den verschiedenen Jahreszeiten angemessene, doch immerhin den wohlthätigen Einfluß der Luft auf die Haut nicht allzusehr abhaltende Bekleidung. Auch fleißige Bewegung in frischer Luft, Turnen, Reiten etc. sind anzuraten, um dadurch die Widerstandsfähigkeit des Körpers zu vermehren. Hat aber eine E. eingewirkt, fühlt man sich infolge davon unbehaglich, zu Frost geneigt, beginnen die Vorboten eines fieberhaften oder sonstigen krankhaften Zustandes, dann ist die gleichmäßige Wärme des Bettes gleichzeitig mit dem Genuß warmen Thees etc., zeitig genug angewendet, oft das beste Mittel zur Verhütung ernstlicher Erkrankung. Die früher viel häufiger als jetzt noch angewendete Schwitzkur hat ihre volle Berechtigung und ist oft die sicherste Methode zur Abwendung von schweren Lokalkrankheiten, welche andernfalls sich einzustellen drohen. Wer aber einmal zu E. sehr geneigt ist und vermöge seines Berufs und seiner Beschäftigung der Einwirkung wechselnder Temperaturen sich nicht wohl zu entziehen im stande ist, dem ist neben der Abhärtung durch kalte Bäder u. dgl. namentlich in der kältern Jahreszeit oder in feuchten Gegenden das Tragen von flanellener oder seidener Bekleidung auf der bloßen Haut anzuraten.

Erkel, Franz, Komponist, geb. 7. Nov. 1810 zu Gyula im Komitat Békés (Ungarn), erhielt seine musikalische Ausbildung zu Klausenburg in Siebenbürgen, ward 1834 Musikdirektor bei der Kaschauer Operngesellschaft und ging mit dieser später nach Ofen, wo er 1838 zum ersten Kapellmeister am neuen Nationaltheater ernannt wurde, in welcher Stellung er noch gegenwärtig thätig ist. In seinen Kompositionen erscheint das ungarisch-nationale Element mit der modernen italienischen Musik aufs glücklichste verschmolzen, und namentlich errangen seine durch dramatische Belebtheit und Melodienreichtum ausgezeichneten Opern bei seinen Landsleuten ungemeine Popularität. Seine große Oper "Hunyady László", 1844 zuerst auf die Bühne gebracht, erlebte im Februar 1874 die 200. Aufführung auf dem Pester Nationaltheater und gilt mit Recht für die wertvollste ungarische Nationaloper. Nicht minder beliebt, wenn auch weniger großartig, ist "Bátóry Maria" (1840). Von seinen übrigen Opern sind "Ersèbet" (1857), "Bank Bán" (1861) und "Dosza György" (1867), von seinen kleinern Kompositionen namentlich zahlreiche Lieder hervorzuheben.

Erkelenz, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Aachen, an der Linie Aachen-Neuß der Preußischen Staatsbahn, hat 2 Kirchen, ein Progymnasium, ein Amtsgericht und (1885) 1290 meist kath. Einwohner, welche Fabrikation von Stecknadeln und Halbwollwaren und bedeutenden Getreide- und Flachsbau betreiben. E. wird zuerst 1155 erwähnt, gehörte später zum Oberquartier von Geldern und ward 1719 an Kurpfalz abgetreten. Doch wurde die Stadt fortan getrennt vom Herzogtum Jülich, in dessen Gebiet sie lag, als souveränes Fürstentum verwaltet. Sie fiel 1815 an Preußen.

Erkenne dich selbst (griech. Gnothi seauton), Ausspruch des griechischen Weisen Cheilon (s. d.).

Erkennen, in der kaufmännischen Sprache jemand für etwas e., s. v. w. Zahlungen oder andre Wertleistungen eines Geschäftsfreundes auf dessen Konto gutschreiben; im biblischen Sprachgebrauch verhüllender Ausdruck für beiliegen, sich fleischlich vermischen.

Erkenntnis (die), in abstraktem Sinn der Akt des Erkennens und Begreifens, in konkretem das Produkt oder Resultat dieses Aktes, die Vorstellung, die durch das Erkennen in uns entsteht, und zwar sowohl im weitern Sinn der allgemeine oder Gattungsbegriff aller Arten von Vorstellungen überhaupt als im engern die Vorstellung, die sich auf wirkliche Gegenstände bezieht, und im engsten die durch das Denken vermittelte, auf das Allgemeine und Notwendige gerichtete, dem Menschen eigentümliche Vorstellung; endlich der Inbegriff aller unsrer für wahr gehaltenen Vorstellungen überhaupt. Die Untersuchung über das Wesen der menschlichen E. bildet das Hauptproblem der Theorie des menschlichen Erkenntnisvermögens. Noch haben die von Locke, Leibniz; Hume, Kant und den spätern Philosophen darüber