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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erlitz; Erlitzgebirge; Erlkönig; Erlon; Erlöser; Erlöserorden; Erlösung; Erman

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Erlitz - Erman.

der erleuchtete, und sind beide kugelförmig, so wird auf letzterm genau die volle, dem leuchtenden Körper zugewendete Halbkugel erhellt; ist der leuchtende Körper größer als der erleuchtete, so wird von letzterm etwas mehr als die Hälfte erhellt; ist endlich der leuchtende Körper kleiner als der erleuchtete, so wird von diesem weniger als die Hälfte erhellt. Die Grenze, bis zu welcher die E. auf dem dunkeln Körper reicht, heißt der Erleuchtungskreis. Die Intensität der E. verhält sich bei den Körpern, welche, wie die Planeten, ihr Licht von einem gemeinsamen Zentralkörper (der Sonne) erhalten, umgekehrt wie die Quadrate ihrer Entfernungen von diesem, daher z. B. auf Jupiter, welcher fünfmal weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde, die E. 1/25 von der auf der Erde ist. Durch die E. der Erde durch die Sonne wird der Wechsel von Tag und Nacht, die längere oder kürzere Dauer der Tage sowie der Wechsel und die Dauer der Jahreszeiten bedingt (s. Erde). - In der christlichen Lehrsprache bezeichnet der Ausdruck E. (lat. illuminatio, griech. photismos) die Erweiterung des Bewußtseins, die der Mensch im Glauben erfährt, so daß ihm Dinge in Sicht liegen, die zuvor, als der übersinnlichen Welt angehörig, unzugänglich waren; in der protestantischen Dogmatik die Wirkungen, welche das berufende Wort zunächst in der Erkenntnis des Sünders übt; indem es ihm ein individuelles Verständnis des Gegensatzes von Sünde und Gnade eröffnet; unvermittelte E. ist gleich Inspiration (s. d.).

Erlitz, Fluß, s. Adler, S. 123.

Erlitzgebirge (Adlergebirge), s. Böhmische Kämme.

Erlkönig, fälschlicher Ausdruck für Elfenkönig, eingeführt von Herder, welcher das dänische Wort Ellerkonge (s. v. w. elverkonge, "Elfenkönig") aus Mißverständnis mit E. (nach Eller, "Erle") übersetzte. Ihm folgte Goethe in seiner Ballade "Der E."

Erlon (spr. -óng), Graf d', s. Drouet 2).

Erlöser (lat. Salvator, griech. Soter), die von seinem Werk hergenommene Bezeichnung der Person Jesu, neuerdings besonders in der Schule Schleiermachers beliebt; s. Christologie.

Erlöserorden, griech. Orden, von König Otto 1. Juni 1833 zum Andenken an die Befreiung Griechenlands gestiftet, für In- und Ausländer, welche sich entweder in dem Unabhängigkeitskrieg oder in Industrie, Handel, Künsten und Wissenschaften ausgezeichnet haben. Der König ist Großmeister des Ordens, welcher fünf Klassen hat: Ritter des Großkreuzes, Großkommandeure, Kommandeure, Ritter des goldenen und Ritter des silbernen Kreuzes. Die Zahl der vier ersten Klassen ist limitiert, die der letzten nicht. Die Dekoration besteht in einem weiß emaillierten, mit der Königskrone gezierten, achtspitzigen Kreuz, das auf einem grünen Eichen- und Lorbeerkranz liegt. Im Mittelschild befand sich früher vorn das griechische Kreuz mit der Umschrift in griechischer Sprache: "Herr, deine rechte Hand ist verherrlicht mit Kraft", und hinten das Brustbild des Königs mit der Umschrift: "Otto, König von Griechenland". Durch die Statutenänderung vom 7. Aug. 1863 wurde der Mittelschild dahin geändert: auf der Vorderseite trägt er das Bild des Heilands mit der Umschrift: "Herr etc.", auf der Rückseite das griechische Kreuz mit der Umschrift: "Die IV. Nationalversammlung der Griechen, abgehalten zu Argos 1829". Der Orden wird an einem hellblauen, weiß geränderten Band getragen. Die Großkommandeure und Großkreuze tragen dazu einen silbernen, achtspitzigen Stern, der gleichfalls in der Mitte das Bild des Heilands und die Umschrift: "Herr etc." zeigt. Vor dem Fürsten und bei öffentlichen Gelegenheiten muß der Orden getragen werden.

Erlösung (lat. Redemtio), in der Kirchenlehre stehender Name für den großen sittlich-religiösen Vorgang innerhalb der Menschheit, welcher den Kern alles Christentums, den Mittelpunkt aller christlichen Theologie bildet. Es entspricht wesentlich der ethischen Vertiefung, welche der alttestamentliche Messiasbegriff im Geist Jesu empfangen hat, wenn gleich von Anfang an an Stelle der Erwartung einer messianischen Errettung des Volkes Israel aus der Hand seiner Feinde (vgl. Luk. 1, 71) vielmehr das "Suchen und Erretten dessen, was verloren ist", als Grundaufgabe des Messias erscheint (Matth. 18, 11 und Luk. 19, 10), die Person des Messias selbst daher unter den Gesichtspunkt eines "Erlösers" oder "Heilands", sein Werk unter den der "E." gerückt wird und Sünde, Schuld und Übel als die Mächte erscheinen, von welchen der gläubigen Gemeinde geholfen werden soll. Galt es nun, das Wie der E. zu bestimmen, so blieb hier freilich für die Thätigkeit der Kirchenlehre ein weiter Raum offen, den sie auch in der That nach Kräften, wenngleich zu verschiedenen Zeiten mit sehr verschiedenen Linien und Farben ausgemalt hat. Aber auch noch der neueste, ins Große gehende Versuch der Konstruktion einer christlichen Weltanschauung, die Glaubenslehre Schleiermachers (s. d.), hält mit dem Christentum aller Zeiten in der Idee der E. den gemeinsamen Ausgangs- und Zielpunkt der dogmatischen Gedankenbildung fest, indem es hier vor allem gilt, daß das in der erfahrungsmäßigen Menschheit gebundene Gottesbewußtsein durch Übertragung der schlechthinnigen Kräftigkeit, mit welcher es in Christus auftrat, befreit werde und in den immer wachsenden Kreisen derer, welche von den geschichtlichen Wirkungen des Christentums berührt sind, zur Herrschaft gelange. Weiteres s. Amt Christi, Christologie und Versöhnung.

Erman, 1) Jean Pierre, Historiker, geb. 1. März 1735 zu Berlin aus einer Genfer Familie, Prediger der französischen Gemeinde und seit 1766 Direktor des französischen Gymnasiums daselbst, 1792 zum Historiographen der brandenburgischen Geschichte ernannt, schrieb mit Reclam die "Histoire des réfugiés" (Berl. 1782-99, 9 Bde.) und starb 11. Aug. 1814. Vgl. Catel, Jean Pierre E. (Berl. 1804).

2) Paul, Physiker, geb. 29. Febr. 1764 zu Berlin, studierte Naturwissenschaften, ward Lehrer der Naturkunde am französischen Gymnasium zu Berlin, 1791 auch an der allgemeinen Kriegsschule und 1810 ordentlicher Professor der Physik an der Universität daselbst. 1810-41 war er Sekretär der mathematisch-physikalischen Klasse der Akademie. Er starb 11. Okt. 1851 in Berlin. Seine Forschungen betrafen vornehmlich Magnetismus und Elektrizität, auch um die Optik und Physiologie machte er sich verdient. Vgl. Du Bois-Reymond in den Abhandlungen der Berliner Akademie 1853.

3) Georg Adolf, Mathematiker u. Physiker, Sohn des vorigen, geb. 12. Mai 1806 zu Berlin, studierte hier und in Königsberg Naturwissenschaften, machte 1828-30 eine Reise um die Erde, um ein Netz von möglichst genauen magnetischen Bestimmungen für den ganzen Umkreis der Erde zu gewinnen, und schloß sich bis Irkutsk an Hansteens magnetometrische Expedition an. Er beschrieb diese Reise in dem Werk "Reise um die Erde durch Nordasien und die beiden Ozeane", das in eine historische (Berl. 1833-48, 3 Bde.) und eine wissenschaftliche Abteilung (das. 1835-41, 2 Bde. nebst Atlas) zerfällt. Auf diese Beobachtungen gründete Gauß zum erstenmal eine Theorie des Erd-^[folgende Seite]