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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ernährung

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Ernährung (künstliche Ernährung).

Dabei enthalten diese Zahlen das Maximum an Kohlehydraten, da ein noch größeres Quantum nicht mehr gut verdaulich ist, und das Minimum an Fett, welches wegen seines höhern Preises in der Kost des Arbeiters weit weniger vertreten ist als in der des Wohlhabenden.

Nachstehende Tabelle Forsters enthält das tägliche Kostmaß von einzelnen ausgewählten Individuen von verschiedenem Alter, Geschlecht und Beruf, die, ihrer Lebensstellung und ihren Arbeitsverhältnissen entsprechend, regelmäßig lebten und durchaus nicht zu Exzessen hinneigten. Besonders wurde auch noch darauf gesehen, daß die gewählten Individuen von mittlerer Körperkonstitution waren, nicht etwa besondere Angewöhnungen im Speisegenuß hatten, sondern in freier Wahl eine gemischte Kost nahmen, welche in weitern Kreisen der entsprechenden Bevölkerungsgruppe gebräuchlich war. Die Bestimmungen lieferten folgende aus den Beobachtungen mehrerer Tage berechnete Mittelzahlen:

Individuen nach Alter, Geschlecht etc. Körpergewicht Eiweiß Fett Kohlehydrate Bemerkungen zur Kostart

Kilogr. Gramm Gramm Gramm

Mädchen, in der ersten Lebenswoche 2,5 7 11 15 Muttermilch

- Ende der zweiten Lebenswoche 2,7 12 20 27 -

Knabe, 1 Monat alt 4,4 19 29 41 -

Arbeiterkind, 4 Monate alt 5,5 29 20 120 Kuhmilch und Mehl

Kind, 5 Monate alt 6,0 40 37 50 Verdünnte Kuhmilch

Arbeiterkind, 2½ Jahre alt 10,0 36 27 150 Meist Vegetabilien

Erwachsener (Arzt), 28-30 Jahre alt 70,0 130 95 325 Gemischte Kost

- (Arbeiter), 36-38 Jahre alt 70,0 132 90 450 - - (mehr Vegetabilien)

- (wohlhabend, ohne körperl. Anstrengung) 62,0 90 80 285 - -

- (Bergmann in Nassau) 67,0 133 113 634 - - (reich an Vegetabilien)

Arbeiterfrau, 30 Jahre alt - 76 23 340 Fast nur Vegetabilien

Frau (wohlhabend) 50,0 70 100 190 Fleisch, Eier, Milch, Brot

Mann, 65 Jahre alt 62,0 116 68 345 Gemischte Kost

Frau, 60 Jahre alt - 80 50 265 - -

Stillende Frau, 25 Jahre alt 55,0 250 220 530 - - u. täglich 5 Lit. Milch

Hinsichtlich der Eiweißnahrung ist es durchaus nicht gleichgültig, ob diese dem Körper in Form von animalischem oder vegetabilischem Eiweiß dargeboten wird. Denn wenn auch gewisse Pflanzenstoffe einen ganz namhaften Eiweißgehalt besitzen, und wenn auch das Pflanzeneiweiß im allgemeinen weit billiger im Preise steht als das Eiweiß tierischer Abstammung, so ist doch eine ausschließliche E. mit Vegetabilien höchst unzweckmäßig, und es gedeiht der menschliche Körper am besten bei einer aus Fleisch und Pflanzenstoffen in zweckmäßiger Weise gemischten Kost. Besonders ist es erwiesen, daß die Ausnutzung der tierischen Speisen weit besser erfolgt als die der pflanzlichen. So hat z. B. das vegetabilische Eiweiß lange nicht den Wert einer gleichen Menge von tierischem, wie es in der Form von Fleisch, Milch oder Käse genossen wird. Die Grunde hierfür liegen zum Teil in der Einschließung des Pflanzeneiweißes in Cellulose. Weiter ist gegen die ausschließliche Pflanzenkost einzuwenden, daß ihr Wassergehalt, abgesehen von den Getreide- und Leguminosenkörnern, so bedeutend ist, daß schon das bloße Volumen der pflanzlichen Nahrung nachteilig wirkt; so enthält z. B.

^[Liste]

Weißbrot 74 Proz. Wasser Schwarzbrot 86 Proz. Wasser

Frische Erbsen 81-87 - - Gelbe Rüben 92 - -

Kartoffeln 85 - - Wirsing 96 - -

Das große Volumen der Pflanzenkost verhindert das ordentliche Eindringen der Verdauungssäfte in die aufgenommene Nahrung, und hierdurch wird der Eintritt von abnormen Gärungen ungemein begünstigt. Auch führt die dauernde Aufnahme voluminöser Nahrungsmittel zu einer Ausdehnung der Magen- und Darmwandung mit nachteiligen Folgen. Während nämlich das Hungergefühl zu den Gemeingefühlen zählt und keineswegs von örtlichen Erregungen des Magens abhängig ist, ist das Gefühl der Sättigung nur auf solche zurückzuführen. Nehmen deshalb Menschen, die an voluminöse Nahrung gewöhnt sind, gehaltvollere Kost in kleinere Mengen, so macht sich bei ihnen das Gefühl der Sättigung nicht geltend, wenn auch das kleine Volumen das früher aufgenommene größere bedeutend an Nährstoffgehalt übertrifft. Weiter ist gegen ausschließliche Pflanzenkost die Bildung großer Mengen wasserreicher Exkremente anzuführen. Endlich erzeugt der fortgesetzte Gebrauch reiner Pflanzenkost oftmals Verdauungsbeschwerden und Ekel; übrigens gibt schon die ganze Einrichtung des Verdauungsapparats dem Menschen eine Mittelstellung zwischen dem Fleisch- und Pflanzenfresser; während nämlich der Verdauungsapparat der Pflanzenfresser etwa 15-20 Proz. ihres Körpergewichts ausmacht, beträgt dieser Wert beim Fleischfresser nur 5-6 Proz., beim Menschen aber durchschnittlich 7-8 Proz.

Künstliche Ernährung.

Als künstliche E. bezeichnet man das Einbringen von Nährstoffen in den Magen oder Darm mit Hilfe der Schlundsonde, des Klystiers oder durch Magen- und Darmfisteln. Sie erfolgt, wenn bei krankhaftem Verschluß des Mundes (Starrkrampf), bei Verengerung der Speiseröhre, bei Geschwülsten am Magenmund od. dgl. die normale Nahrungsaufnahme unmöglich gemacht oder doch äußerst erschwert wird; auch bei Geisteskranken, die jede Nahrungsaufnahme hartnäckig verweigern (Sitophobie), kann sie erforderlich werden. Die Schlundsonden sind hohl und werden durch den Mund, bei Kinnbackenkrampf auch wohl durch die Nasenhöhle, in den Schlund eingeschoben. Ist die Schlundsonde tief genug eingeführt, keine Angst, Atemnot, kein Husten vorhanden, so kann man überzeugt sein, daß man das Rohr in die Speiseröhre und nicht in den Kehlkopf eingeführt hat, schiebt sodann das Rohr dreist weiter und setzt dann eine mit nahrhaften Brühen (Fleischpepton, Eidotter, Milch etc.) gefüllte große Spritze an dasselbe. Das Einspritzen selbst geschehe langsam, um plötzlicher Überfüllung, Aufstoßen etc. vorzubeugen. Auch bei dem Ausziehen muß man, ebenso wie bei dem Einführen der Schlundsonde, vorsichtig zu Werke gehen, die Mündung tief senken, indem man sie mit dem Daumen verschließt, damit die Flüssigkeit nicht auströpfeln und in den Kehlkopf sich ergießen kann. Ernährende Klystiere finden hauptsächlich dann Anwendung, wenn die Applikation der Schlundsonde unausführbar ist. Besonders gebräuchlich sind gegenwärtig die Leube-^[folgende Seite]